Collio, ein Wort, das dem Captain glänzende Augen und eine trocken Zunge verursacht. Nur wenige Weinbaugebiete sind schöner, keines kurioser, als das Collio, denn hier zieht sich die Staatsgrenze zwischen Slowenien und Italien durch manchen Weingarten. Und das Kilometer lang. Manchmal fragt sich der Captain, wie das Winzern hier zwischen Stacheldraht und Wachtürmen möglich war. Damals, vor 1991, dem Jahr, in dem der Bürgerkrieg alles änderte.
Movia ist das bekannteste Weingut Sloweniens. Die Familie Kristančič zählte immer zur Elite des Landes. Im und nach dem Kommunismus. Das macht generell verdächtig. Ihr Betrieb wurde während des Kommunismus nicht verstaatlicht. Auf welche Art Beziehung zu Tito und Partei das zurückzuführen ist, bleibt ein Geheimnis.
Im Privatbesitz konnte Aleš Kristiančič, jung und motiviert, schneller starten, als seine Mitbewerber. Im ehemaligen Jugoslawien zählte Movia zu den fünf Vorzeigeweingütern. Da war schon ein Markt bereitet, der Movia einen gewissen Umsatz sicherte.
Doch anstatt sich auf Erreichtem auszuruhen, definierte Aleš Kristančič die Weine seines Vaters Mirko, des privaten Kommunisten, neu. Sein Vorbild, ohne Zweifel, war der piemonteser Edelwinzer Angelo Gaja. Um die Weine Movias herum entwickelte Kristančič eine Ideologie der Perfektion. Bis hin zu den eigenen Gläsern. Der Betrieb wird zudem seit Jahren biodynamisch geführt. Dem alternativen Öko-Anschein konternd, lässt Kristančič im Keller die bekanntesten slowenischen Künstler der kontemporären Moderne ausstellen. Movia, ohne Zweifel, ist ein Musterbetrieb, der wie ein Phoenix aus planwirtschaftlicher Asche entstieg. Verdächtig. Oder nicht.
Vesna Kristančič öffnet mit einer kompliziert wirkenden Apparatur zuerst eine Flasche Rosé-Sekt (12,4 % Alkohol, Jahrgang 2000), die kopfüber in einem befüllten Wasserbecken entkorkt wird. Die Sedimente der Hefe entweichen in das Nass. Sinn dieser Methode ist es, den Sekt länger lagerfähig zu machen. Tatsächlich überrascht die Frische und Eleganz des 2004 abgefüllten Weins.
Dem Sprudel folgt der Rebula Lunar 2007 (13 % Alkohol und knochentrocken), der kurz im neuen Holz lag und unfiltriert abgefüllt wurde. Er riecht nach Safran, Kardamom, Kalk und Tonerde. Ein außergewöhnlicher Weißwein, der in die Kategorie gelungenes Experiment passt, wie alles bei Movia.
Experiment auch die Cuvée Veliko („Groß") 2000 aus der Magnumflasche (13,8 % Alkohol, 1,3 Gramm Zucker). 50 % Rebula, dann noch Sauvignon, Chardonnay und Grauburgunder. Dieser Wein ist schlicht sensationell, cremig wie ein fetter Viognier, elegant wie ein Meursault. Die Nase füllt sich mit den Aromen von Datteln und Zitrusfrüchten, auch ein opulenter Kräutergarten sticht in das Riechorgan. Am Gaumen dann eine zurückhaltende Opulenz, ein langer Nachhall ruft ihn auch noch nach Minuten in Erinnerung. Erstaunlich frisch für sein Alter, zweifellos große Ware, die man nicht zu kalt trinken sollte (ja, diesmal nicht zu kalt!!).
Etwas kühler trinken darf man hingegen die gleichnamige rote Cuvée aus Merlot, Cabernet und Pinot Noir aus dem Jahrgang 2001 (Alkohol 13,7 %), ein Saft mit einer einzigartig schlanken und kühlen Stilistik, der so gar nicht in die Region passt, die gerne warmen und kräftigeren Stoff keltert.
Auf Movia zieht man den eigenen Stil recht unbeeindruckt vom Weltmarkt und Weltweingeschmack durch. Das klingt fast autistisch individuell. Und gut. Doch bei manchen Rotweinen von Movia stellt der Captain die Frage, ob das Gegenteil des gewollten Gegenteils nicht besser wäre.
Weine von Movia gibt es bei slowenien-weine.de
Auf den Geschmack gekommen? Hier gibt es alle Folgen der Serie "Go East".







Frau Kristancic öffnet den Sekt noch mit der Brechstange 





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