19.02.12 MEINUNG 20 Einem Freund senden

Unser Bier in Wulffs Revier

Die kämpfende Truppe. Wulff hat einen Moment zu lange um sein Amt gekämpft (Fotos: DPA)Die kämpfende Truppe. Wulff hat einen Moment zu lange um sein Amt gekämpft (Fotos: DPA)

Christian Wulff ist unschuldig. So wird es wahrscheinlich auch die Staatsanwaltschaft sehen. Christian Wulff ist das Opfer einer Medienhatz. So sieht es Christian Wulff selber. Die Medien, die aufgeblähte Öffentlichkeit, tragen Schuld. Nicht wenige Bundesbürger, die ihm in dieser Annahme folgen.

Wulff stürzte über Gefälligkeiten, die in meinem Heimatland Österreich zum Alltag gehören. Gerade eben deckt ein Untersuchungsausschuss auf, wie dreist österreichische Politiker und Hofschranzen in der gut aufgestellten Alpenrepublik die Hand aufhielten. Das kommt nicht von ungefähr: Österreich war schon vor dreißig Jahren ein zutiefst korruptes und in Gefälligkeiten gefangenes Land. Andererseits sind diese Verwebungen auch ein Teil des österreichischen Erfolgs. Und die meisten Gefälligkeiten geschehen inzwischen, ohne dass man sie einfordern muss.

In Wulffs Umfeld wurde das alltäglich, was in Österreich seit jeher herrscht: Das Verteilen und Annnehmen kleiner Aufmerksamkeiten. Hier eine Ferienwohnung, dort ein billiger Kredit: All das, was Herr und Frau Normalbürger nicht bekommen. All das, was einem Teil einer privilegierten Gesellschaft werden lässt. Das fühlt sich gut an.

Sein Auftreten, seine Haltung, verrät den Schwachen

Bei Wulff sieht man den Minderwertigkeitskomplex sofort. Sein Auftreten, seine Haltung, verrät den Schwachen, den Zerbrechlichen, der einen Haltegriff sucht. Das hat viel mit seiner Kindheit und Jugend zu tun, was jetzt keine Ausrede sein soll. Aber schon ein bisschen Erklärung. Wulff suchte die Mächtigen und Erfolgreichen, weil Wulff die Starken suchte. Hätte er sich an moralisch starken Persönlichkeiten orientiert, wäre er heute wohl anderswo. Leider hat die CDU so wenig Sprecher in Sachen Moral, keinen Brandt, keinen Schmidt. Nicht mal einen Schröder - wobei die Moral hier schon schnell baden ging.

Brandt und Schmidt lebten und leben in nahezu bescheidenen Verhältnissen. Aus heutiger Sicht. Auch Christian Wulff zuerst privatkreditfinanziertes Eigenheim scheint eher schlicht zu sein. Kein Palazzo Prozzo, vielmehr das Haus eines Gutbetuchten, der seine Schäfchen im Trockenen hat. So sah sich Wulff auch; er sah sich nicht als Wichtigtuer. Und er dachte, das reiche, durchzukommen. Reichte nicht.

Auf den Weg dorthin hat er sein Selbst verloren

Wulff, der Schwache, er lebte in einer Welt der Durchboxer. Wulff, der wenig Brillante, er lebte in einer Welt der Zyniker. Und wollte selber einer werden. Auf den Weg dorthin hat er sein Selbst verloren, das früher wohl nicht unsympathisch war. Vor der Spitzenpolitik. Wulff kann nichts dafür, sein Revier war vollgestellt mit schwarzen Limousinen; hinter getönten Scheiben warten Einsager.

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Kommentare 20

Kommentare

Michl

In welchem politischen Blog oder welchem politischen Printmedium fände sich wohl eine derartige Einschätzung? Zitat: „Sein Auftreten, seine Haltung, verrät den Schwachen, den Zerbrechlichen, der einen Haltegriff sucht. Das hat viel mit seiner Kindheit und Jugend zu tun…“ Entschuldigen Sie die deutlichen Worte, Captain, aber diese Mischung aus Anmaßungen, Spekulationen, Generalisierungen, Trivialisierungen, die - wie so viele im Netz - nicht davor zurückschreckt, mit vulgärsprachlichem Vokabular der eigenen Position Nachdruck zu verleihen, ist unerträglich. Nicht weil sie nicht richtig sein mag, sondern weil sie argumentativ dem Thema nicht gerecht wird, und weil sie sich sprachlich selbst diskreditiert. Und brauchen wir Weininteressierte hier die Einschätzungen politisch-gesellschaftlicher Entwicklungen anderer Weininteressierter?

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Gast

Ich kann nicht zustimmen. Die politische Kolumne am Sonntag hat bei Captains schon lange Tradition. Sie sind wohl ein frischer Leser. Ich kann auch nichts Spekulatives entdecken denn die schwierige Jugend des deutschen Ex-Präsidenten wurde in deutschen Medien wie etwa dem Spiegel ausreichend ausgebreitet. Wenn sie das nicht gelesen haben, dann haben sie einen Informationsrückstand.
Und immer nur über Wein zu lesen ist selbst in einer Weintageszeitung langweilig.

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Zahlmeister ...ärgert sich

Lieber Michl, Sie müssen sich jetzt leider gefallen lassen, als wenig informierter Lesemuffel bezeichnet zu werden. Die inhaltliche Grundlage von des Captains Analyse stehen seit geraumer Zeit sehr detailliert in den klassischen Medien - insbesondere in "Süddeutscher" und FAZ. Der Spiegel ürigens blieb erstaunlich faktenarm, wenn es darum ging, Wulffs Handeln und Denken aus seiner persönlichen Geschichte heraus zu erklären. Also Schluß bitte mit dem tumben Internetbashing.

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Michl

Lieber Zahlmeister, mir liegt nichts ferner als "Internetbashing", gerade dagegen wende ich mich. Sollte dieser Eindruck entstanden sein und ich mich auch noch "tumb" geäußert haben, dann bitte ich um Entschuldigung und Nachsicht. "

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Zitterliesl verärgert

Du meine Güte! Kaum steht in einem Artikel "Arschloch" schreien schon die selbsternannten Sprachpolizisten von "vulgärsprachlichem Vokabular". Wie lächerlich ist das denn?!

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Christoph Richter (via facebook)

Besonders gut gefällt mir der Verweis auf die schnell verschwundene Moral des Herrn Bundeskanzlers a.D. Schröder. Das nennt man wohl Vorteilsnahme nach dem Amt.

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Detlef ...etwas resigniert

...und keiner merkt, wie durch die Medien die Aufmerksamkeit des Volkes von den Schweinereien der Hochfinanz u. Politk abgelenkt wird. Was gerade unter dem Deckmantel der Eurorettung abläuft ist eine dreiste Umverteilung von unten nach oben. Irgendwann werden wir dies im Geldbeutel merken und blöd aus der Wäsche schaun. Die Demokratie geht dabei nebenher auch noch flöten. Rechtsbrüche im Rahmen der Eurorettung durch die EZB? Geschenkt.
Dagegen ist Wulf nur ein kleiner Taschendieb.

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Gast

Der Captain, wie immer, Hauptsache Dagegen. Vieles in dem Artikel ist Mumpitz, und es lässt sich auf 2 Aussagen runterbrechen.

1. Nur weil es in Österreich schlimm zugeht, macht es deutsches Unrecht nicht rechter.

2. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Bitte beim Wein bleiben.

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Helmut Berger Schwachsinn

kann nicht herauslesen, daß hier ein vergleich zwischen den ländern gezogen wurde der wulff entlasten könnte. und ob wulff bestraft wird überlassen sie besser den untersuchenden staatsanwälten und den richtern wenn ein prozess geführt wird. was ich nicht glaube. aber hauptsache immer feste druff.

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Joachim Kletzin (via facebook)

Analytisch unsinnig, ohne Präzision, mangelnder Esprit in der Weinwelt - der blog hat sich überlebt. Tschüss.

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Mahatma Glück Mahatma Pech (via facebook)

Hmmm. Ich muss einfach sagen, dass das Maß an Naivität, das Wulff in seiner politischen Karriere an den Tag gelegt hat, schon so groß ist, dass ich nicht weiß, ob Naivität die korrekte Bezeichnung ist. Schlussendlich muss man sagen, dass er von Anfang an der Falsche war und ich hoffe, dass die Politik aus seinem Schicksal etwas gelernt hat - denn wer ungeliebt und ungewollt ist, wird immer ein ähnliches Schicksal erleiden.

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Uwe Pfitzner (via facebook)

Ja Mahatma, da hast Du recht. Er war von Anfang an nicht gewollt, sonst wäre die Sache anders ausgegangen.

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Hedonist

Perfekt! Der stimmigste Artikel zu Wulff bisher. Danke!

Wulff war eben doch genau der Richtige für das Amt, schließlich soll der Bundespräsident den Staat repräsentieren und für einen Staat mit zwar guter Verfassung aber korrumpierten Zustand war Wulff der ideale Repräsentant. Heuchler Spiegel, Bild und Co!

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Peter amüsiert

Christian war auch öfter bei Hr. Maschmeyer zu Gast.

Hier ein herausragender Bericht von Carstens Weinkeller
http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article10190313/My-castle-is-yo...

Eins vorneweg: Ihr seid alle nur Plebs!

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Gast ...verwirrt

Heißt das jetzt, dass alle Dummen unschuldig sind?

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gobenn71

Im Endeffekt kann man die Causa Wulff auch wie folgt zusammenfassen :

'Never mess with the Bild!'.

Und nun kommt der Herr Gauck, der früher wohl mal Bürgerrechtler war, aber die occupy-Proteste als infantiles Gehabe abgetan hat, man müsse sich als Bürger halt damit abfinden, dass die Märkte einem das Leben diktieren...

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Hedonist alarmiert...

Gauck war sogar so ein großer Bürgerrechtler in der DDR, dass er sogar Westautos fahren und frei in den Westen reisen durfte:

http://juergenmeyer.blogger.de/stories/2004089/

Vom Regen in die Traufe...

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weitner

Hedonist, Sie als Freund von Herrn Balcerowiak, dürfen sich hier äußern. Die Toleranz des kapitalischtischen Internets ist schier grenzenlos - jeder menschenverachtende, wirre, dumme Idiot darf sich hier äussern. Nicht nur hier, in jedem andern Wirrkopfforum auch. Freuen Sie sich ob der Toleranz, in jedem realsozialistischen System wäre Ihnen anderes widerfahren.

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Hedonist amüsiert...

Wenn der Konservative nicht weiter weiß greift er zu sachlichen Argumenten...
Nur nebenbei, ich konnte und kann nun wirklich nichts mit diesem eigenartigen preussisch-autoritärem Pseudosozialismus ala DDR anfangen. Aber falls es Sie interessiert: Wärend dort die Linksabweichler (DDR Jargon) im Stasiknast saßen, haben es sich Gauck und Merkel im System recht bequem gemacht. Siehe Westauto!

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Gast wohlgesonnen

Auch wenn ich dem Klimek schon öfter Hybris, Eitelkeit, Größenwahn attestieren musste, hier trifft er den vielbesungenen Nagel. Unter "Meinung" ab und an was Politisches ist für mich auch okay. Und der Lobbyismus sowie die "Revolving Doors" sind aber auch sowas von zum...

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