"Spätlese trocken - Nein Danke!". Dirk Würtz hat in diesem Artikel vorgeschlagen, die Verwendung des Begriffs Spätlese stark einzugrenzen. Ihm nach sollen nur selektiv, spät und von Hand gelesene fruchtsüße Rieslinge ohne Botrytis aus klassifizierten Lagen mit maximal 10% vol. Alkoholgehalt diesen Namen tragen dürfen.
Einspruch, Euer Ehren! Nicht, dass ich etwas gegen einen Wein hätte, der genau diese Kriterien erfüllt. Dennoch glaube ich, dass dieser Vorschlag unpraktikabel ist. Er würde ohne jede Not eine Vielzahl von Weinen ausschließen , die dieses Prädikat zu Recht tragen.
Irrtum Nr.1: Eine Spätlese kann am Besten Süße vermitteln und darf daher nicht mehr als 10% vol. Alkohol haben.
Für mich ist nicht die Süße, sondern die Eleganz das prägende Element einer Spätlese. Für die Vermittlung von Süße sind Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen da. Eine gute Spätlese ist für mich ein eleganter Wein aus gesunden und reifen Trauben. Einer, der nicht im Moststadium mit Zucker angereichert worden ist und sich dadurch seine natürliche, „naturreine" Balance erhält. Weine, die maximal 10 % vol. Alkohol haben, können in sehr reifen Jahren oder in den südlicheren deutschen Anbaugebieten aber eine sehr hohe, mitunter unharmonische Restsüße haben. Was auf Kosten der Eleganz gehen kann. Deshalb gibt es gerade im Rheingau, in Baden oder in der Pfalz wunderbare fruchtsüße Riesling Spätlesen, die im Alkohol jenseits der 10 Prozent liegen und trotzdem über eine erstklassige Balance mit viel Pikanz verfügen. Diesen ganz eigenen Stil finde ich erhaltenswert. Wenn es von dieser Art Spätlese nichts mehr geben dürfte - es wäre schade!
Irrtum Nr. 2: Eine Spätlese muss spät, selektiv und von Hand gelesen werden.
Wie will man eine selektive und späte Handlese in der Praxis nachweisen? Und vor allem: wozu? In reifen Jahrgängen wie 2003, 2005 oder 2009 mag es im Einzelfall sogar sinnvoll sein, die Trauben möglichst früh, ja vielleicht sogar mit dem Vollernter zu lesen - damit die Trauben zum richtigen Zeitpunkt in den Keller kommen und nicht zu reif werden. Ich würde da nicht pauschalisieren.
Irrtum Nr.3: Man benötigt feste Qualitätskriterien, um die Spätlese vor dem Untergang zu retten.
Ich bin mir ja mit Dirk Würtz einig, dass es viel zu viele schlechte Spätlesen auf dem Markt gibt, die den Ruf dieses altehrwürdigen Prädikats in den Dreck ziehen. Und deshalb unter dieser Bezeichnung nichts auf dem Markt zu suchen haben.
Ich glaube aber nicht, dass man feste Kriterien braucht, um ein qualitatives Mindestniveau bei Spätlesen sicherzustellen. Nicht jede Spätlese ist zwangsläufig gut, die aus Riesling besteht, maximal 10% vol. hat, aus einer vernünftigen Lage stammt und spät, selektiv und ohne Botrytis gelesen wird. Am Ende kommt es doch darauf an, wie der Wein riecht und schmeckt. Und weniger darauf, ob und wie viel Botrytis drin ist und wie die Trauben gelesen werden. Ob ein Wein überdurchschnittlich gut ist, sollte eine fachlich kompetente Jury bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung erkennen können. Wie sie es auch beim Hochgewächs oder beim Ersten Gewächs im Rheingau tut.
Ansonsten glaube ich nicht, dass die Spätlese als solche vom Untergang bedroht ist. Allenfalls die Spätlese trocken und die Spätlese halbtrocken und feinherb. Die werden in der Tat immer seltener.
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Schönes Bild. Aber sicher keine Spätlese... 




Dirk Würtz orientiert sich an alten Werten der Spätlese, die früher sicherlich zu einem guten Ergebnis führten. Leider hat er für sein verfasstes Spätlese-Essay etwas vergessen.
Die Klimaerwärmung!!
Vor 50 Jahren, in Zeiten der Nassverbesserung war das bestimmt noch gut umsetzbar,späte Lese, und so. Heut, in der Zeit der globalen Klimaerwärmung ist das mit Sicherheit nur noch bedingt machbar, die von Ihm aufgestellten Kriterien zu erfüllen.
Diese Regeln würden, finde ich, auch dazu führen dass sich einige Weinbaugebiete nicht richtig mit seinen Weinen Präsentieren kann, da denke man nur an Pfalz % Baden.
Ich frage mich grad ob Dirk Würtz einen Wein mit seinen Regeln der Spätlese-Herstellung angepriesenen Wein im Sortiment hat???
Wenn nicht sollte er mal eine kleine Partie machen und schauen wie verkäuflich das ist.
Ich glaube das wird auf nicht viel Akzeptanz der Konsumenten treffen und entsprechend schwer verkäuflich sein.
Trotz dessen das ich so kritisch bin, finde ich es gut das sich Menschen innerhalb der Weinszene Gedanken machen und diese nach Aussen tragen.