05.11.11 WEINE 29 Einem Freund senden

Spätlese: Ein Maat wägt ab

Schönes Bild. Aber sicher keine Spätlese...Schönes Bild. Aber sicher keine Spätlese...

"Spätlese trocken - Nein Danke!". Dirk Würtz hat in diesem Artikel vorgeschlagen, die Verwendung des Begriffs Spätlese stark einzugrenzen. Ihm nach sollen nur selektiv, spät und von Hand gelesene fruchtsüße Rieslinge ohne Botrytis aus klassifizierten Lagen mit maximal 10% vol. Alkoholgehalt diesen Namen tragen dürfen. 

Einspruch, Euer Ehren! Nicht, dass ich etwas gegen einen Wein hätte, der genau diese Kriterien erfüllt. Dennoch glaube ich, dass dieser Vorschlag unpraktikabel ist. Er würde ohne jede Not eine Vielzahl von Weinen ausschließen , die dieses Prädikat zu Recht tragen.

Irrtum Nr.1: Eine Spätlese kann am Besten Süße vermitteln und darf daher nicht mehr als 10%  vol. Alkohol haben. 

Für mich ist nicht die Süße, sondern die Eleganz das prägende Element einer Spätlese. Für die Vermittlung von Süße sind Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen da. Eine gute Spätlese ist für mich ein eleganter Wein  aus gesunden und reifen Trauben. Einer, der nicht im Moststadium mit Zucker angereichert worden ist und sich dadurch seine natürliche, „naturreine" Balance erhält. Weine, die maximal 10 % vol. Alkohol haben, können in sehr reifen Jahren oder in den südlicheren deutschen Anbaugebieten aber eine sehr hohe, mitunter unharmonische Restsüße haben. Was auf Kosten der Eleganz gehen kann. Deshalb gibt es gerade im Rheingau, in Baden oder in der Pfalz wunderbare fruchtsüße Riesling Spätlesen, die im Alkohol jenseits der 10 Prozent liegen und trotzdem über eine erstklassige Balance mit viel Pikanz verfügen. Diesen ganz eigenen Stil finde ich erhaltenswert. Wenn es von dieser Art Spätlese nichts mehr geben dürfte - es wäre schade!

Irrtum Nr. 2: Eine Spätlese muss spät, selektiv und von Hand gelesen werden.

Wie will man eine selektive und späte Handlese in der Praxis nachweisen? Und vor allem: wozu? In reifen Jahrgängen wie 2003, 2005 oder 2009 mag es im Einzelfall sogar sinnvoll sein, die Trauben möglichst früh, ja vielleicht sogar mit dem Vollernter zu lesen  - damit die Trauben zum richtigen Zeitpunkt in den Keller kommen und nicht zu reif werden. Ich würde da nicht pauschalisieren.

Irrtum Nr.3: Man benötigt feste Qualitätskriterien, um die Spätlese vor dem Untergang zu retten.

Ich bin mir ja mit Dirk Würtz einig, dass es viel zu viele schlechte Spätlesen auf dem Markt gibt, die den Ruf dieses altehrwürdigen Prädikats in den Dreck ziehen. Und deshalb unter dieser Bezeichnung nichts auf dem Markt zu suchen haben.

Ich glaube aber nicht, dass man feste Kriterien braucht, um ein qualitatives Mindestniveau bei Spätlesen sicherzustellen. Nicht jede Spätlese ist zwangsläufig gut, die aus Riesling besteht, maximal 10% vol. hat, aus einer vernünftigen Lage stammt und spät, selektiv und ohne Botrytis gelesen wird.  Am Ende kommt es doch darauf an, wie der Wein riecht und schmeckt. Und weniger darauf, ob und wie viel Botrytis drin ist und wie die Trauben gelesen werden. Ob ein Wein überdurchschnittlich gut ist, sollte eine fachlich kompetente Jury bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung erkennen können. Wie sie es auch beim Hochgewächs oder beim Ersten Gewächs im Rheingau tut.

Ansonsten glaube ich nicht, dass die Spätlese als solche vom Untergang bedroht ist. Allenfalls die Spätlese trocken und die Spätlese halbtrocken und feinherb. Die werden in der Tat immer seltener.

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Kommentare 29

Kommentare

höllenreiter

Dirk Würtz orientiert sich an alten Werten der Spätlese, die früher sicherlich zu einem guten Ergebnis führten. Leider hat er für sein verfasstes Spätlese-Essay etwas vergessen.

Die Klimaerwärmung!!

Vor 50 Jahren, in Zeiten der Nassverbesserung war das bestimmt noch gut umsetzbar,späte Lese, und so. Heut, in der Zeit der globalen Klimaerwärmung ist das mit Sicherheit nur noch bedingt machbar, die von Ihm aufgestellten Kriterien zu erfüllen.
Diese Regeln würden, finde ich, auch dazu führen dass sich einige Weinbaugebiete nicht richtig mit seinen Weinen Präsentieren kann, da denke man nur an Pfalz % Baden.

Ich frage mich grad ob Dirk Würtz einen Wein mit seinen Regeln der Spätlese-Herstellung angepriesenen Wein im Sortiment hat???
Wenn nicht sollte er mal eine kleine Partie machen und schauen wie verkäuflich das ist.

Ich glaube das wird auf nicht viel Akzeptanz der Konsumenten treffen und entsprechend schwer verkäuflich sein.

Trotz dessen das ich so kritisch bin, finde ich es gut das sich Menschen innerhalb der Weinszene Gedanken machen und diese nach Aussen tragen.

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Dirk Würtz ...bestens

Also... ich finde das alles eher sehr verwirrend. Und wen ich es schon verwirrend finde, was muss da erst beim normalen Konsumenten los sein... Natürlich hat alles seine Berechtigung, wenigstens so lange bis man merkt, dass es an der Zeit ist etwas zu ändern. Ich glaube dass es höchste Zeit ist unser Prädikatsweinsystem zu überdenken. Da kann man natürlich anderer Meinung sein, das ist auch gut so. Eines muss ich allerdings dem Maat Lauterbach direkt entgegenschleudern, und dass ist dieser Satz:"Ob ein Wein überdurchschnittlich gut ist, sollte eine fachlich kompetente Jury bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung erkennen können. Wie sie es auch beim Hochgewächs oder beim Ersten Gewächs im Rheingau tut." Ich muss jetzt aufpassen, wie ich das formuliere... ich versuche es mal so... War der Maat da schon einmal dabei? Hat der Maat schon einmal die Prüfzahlen gesehen, die beispielsweise bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung so herauskommen? Ich glaube nicht, denn dass ist teilweise soooo haarsträubend, dass jeglicher souveräner Kommentar schwer fällt. Die besten Weine Deutschland kommen regelmäßig mit Ach und Krach durch diese Prüfung. Mit der kleinsten möglichen Punktzahl um gerade noch so anerkannt zu werden. Wer sich darauf verlässt ist verlassen, leider. Zum Stichwort EG im Rheingau gäbe es auch ganz viele Dinge zu sagen, dass kann ich aber nicht, weil Interessenkonflikt. Vielleicht nur so viel: 2010 gab es 81(!) EGs...
Zum Höllenreiter: Ich habe hier nur trockenen QbA und den in der Regel in der BiB. Im Rheingau habe ich allerdings natürlich mit diesen Spätlesen zu tun, die diesen "internen Regeln" unterliegen. Und in der Tat sind die nicht so einfach zu verkaufen in Deutschland. Im Ausland läuft das viel besser mittlerweile. Meiner Meinung nach liegen die Gründe eben in der Verwirrung des Konsumenten, aber auch an der Tatsache, dass die klassische Spätlese, heutzutage mindestens eine dicke abgewertete Auslese ist, die monströs und dick daher kommt. Nicht selten sind es auch Beerenauslesen, die abgestuft werden. Dass kann nicht Sinn der Sache sein.
Und noch kurz zum Irrtum Nummer 2: Ich möchte ben genau das nicht, dass die Trauben früh mit dem Vollernter gelesen werden.

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Maat Lauterbach

Ahoi Dirk,
schon klar, dass bei der Qualitätsweinprüfung im Einzelfall leider haarsträubende Ergebnisse erzielt werden - Weltklasseweine à la PJ Kühn und JJ Prüm werden abgelehnt, Kellereiverschnitte durchgewunken. Ersteres ist für mich eine Frage der Qualifikation von Jurymitgliedern. Da dürften alle Reformen insoweit nichts bringen. Letzteres eine der geringen Mindestpunktzahl - mit lediglich 1,5 von 5 möglichen Punkten bist du dabei. Diese Zahl müsste man meines Erachtens deutlich erhöhen. 1,5 Punkte klingt für mich nicht sonderlich überdurchschnittlich.
Wo ist denn dein Problem mit 81 EG im Rheingau? Ist das zu viel oder zu wenig?
Und was die Vollernter anbelangt - du weißt schon, wie "liebevoll" teilweise von Hand gelesen wird, wenn es "nicht so drauf ankommt"? Ich möchte die Vollernter hier ja nicht verherrlichen, aber der Vorteil einer ungenauen Handlese gegenüber einer Lese mit dem Vollernter nach gewissenhafter Vorlese oder einer nachgeordneten Kontrolle auf dem Sortierband will mir nicht so recht einleuchten. Entscheidend ist, was nachher auf die Flasche kommt. Und das muss man halt riechen und schmecken.

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Dirk Würtz

Ich habe noch etwas vergessen. Die Ap Nr ist sicherlich eine gute Sache, denn man kann davon ausgehen, dass der Wein bestimmten Mindestanforderungen genügt. Das ist heutzutage schon viel wert. Aber über die Qualität sagt das leider nichts aus

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Wolfgang saugeil

Spätlese mit Restsüsse... da geb ich dem Dirk Würtz recht, ist das einzig Original! So gehört es..und so sollte es bleiben! Ich habe es so im Keller liegen aus 2011, und jeder der möchte kann es gerne probieren.
Spätlese trocken aber ist doch für meine Begriffe aus der Zeit entstanden, als Weintrinker auf uns zugekommen sind, und haben in den Weingütern Weine haben wollen - und so auch dann am meisten gekauft, und das ist doch das Problem- wo trocken drauf steht!!! aber meinetwegen Restüß schmecken muß! So nach dem Motto: Lese trocken auf dem Etikett aber schmecken muß es wie mit RZ. Vielleicht ist auch aus der Not heraus "feinherb" entstanden! Absolut NOGO...Grottenschlecht zum Brechen weil noch mehr Verwirrung und absolut keiner weiß was es heißt! Und so ist es doch gekommen, und auch noch meist so: Riesling Spätlese trocken, Chardonnay Spätlese trocken, Grauer Burgunder Spätlese trocken.... gibt 8,5g RZ drauf und das trinkt und kaufen die meisten Weintrinkenden hier in diesem Lande!

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pivu ausdauernd müde ...

wir haben das ja alles beim würtz schon diskutiert, auch kontrovers, und das möcht' ich nicht wieder aufwärmen. für mich wär's wichtig, dass die spätlese wieder ihren stellenwert bekommt, den sie ursprünglich innehatte, und das ist eben kein billigzeugs bei aldi & co und auch keine trockene alkoholbombe. elegant, animierend, einzigartig, saftig, harmonisch sind nur einige attribute, die ich mit einer spätlese assoziieren möchte.

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Dauerparker

Trotzdem findet sich bei Würtz keine solche Antwort. Ich finde beide Positionen interessant.

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Dirk Würtz

Schalom Maat B... ;) Wenn ich die 81 EGs aus dem Rheingau probiere, und das habe ich in Wiesbaden gemacht, dann ist das absolut eindeutig zu viel. Ich empfehle dazu auch folgende Lektüre, da wird es ziemlich genau auf den Punkt gebracht: http://www.wein-plus.de/magazin/+Erstes+Gewächs+Rheingau_ih3649.html
Das ist allerdings ein andres Thema, eigentlich...
Ich habe gar nichts gegen Vollernter, im Gegenteil. Ich habe etwas gegen "Wir lesen alles von Hand Propaganda" und dann genau das Gegenteil tun, aber dass ist auch wieder ein anderes Thema. Eine Spätlese sollte allerdings, meiner Meinung nach, selektiv gelesen sein. Ebenso wie ein "Auslese", wobei letztere ja auch mit der Maschine geerntet sein darf. Wenn ich mir es recht überlege, sind das übrigens alles Themen, über die man auch einmal einige deutliche Worte verlieren könnte :-)

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Der Captain

Wer ist Maat B?

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Dirk Würtz

Maat L, natürlich

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Maat Lauterbach

Ahoi Dirk,
ich habe die 81 EG aus dem Rheingau dieses Jahr (noch) nicht probiert. Wenn die Qualität aber entsprechend wäre, dann dürften es meinetwegen auch doppelt so viele sein. Alles andere liefe auf einen weiteren Wettbewerb hinaus: Die besten 20 trockenen Rieslinge aus dem Rheingau, prämiert mit der Großen Goldmedaille extra oder so. ;-) Das hätte dann mit Weinbezeichnungen allerdings nichts mehr zu tun.
Zur selektiven Lese fällt mir mal ein Beispiel ein: Die Rucks in Franken haben mal eine BA vom Stock gelesen. Die war übrigens prima, obwohl nicht gerade streng selektiv gelesen. Und jetzt? Tafelwein?
Ach ja, und wo wir schon bei der Auslese sind: Soll da jetzt auch nur Riesling rein?

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Master at Arms verwirrt

Hallo Stefan,

zum Teil wiedrsprechen sich deine Aussagen. Zum einen sagst du, dass es schwierig sei, die späte Lese durchzusetzen bzw zu definieren. Dann versuchst du aber trotzdem Kriterien einzuführen, die eine Spätlese definieren.

Ich befürchte, dass der Begriff "Spätlese" für mindestens eine Generation verbrannt ist. Kann mir nicht vorstellen, dass hier eine Wiederbelebung kurzfristig möglich ist. Dazu sind die Qualitäten, die unter dem Prädikat abgefüllt werden immer noch zu untrschiedlich. Ist wie im Burgund, man kauft eben besser nach Erzeuger als nach Qualitätsstufe.

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Maat Lauterbach angesteckt

Ahoi Master (wer bist du eigentlich!?),

Kategorien ohne Kriterien wären natürlich Quatsch. Sorry, falls ich mich da missverständlich ausgedrückt haben sollte.

Ich verstehe den von dir skizzierten Widerspruch nicht. Was haben denn meine Aussagen zur Durchführung einer Weinlese mit meinen qualitativen und stilistischen, also letztlich sensorischen Vorstellungen über eine Spätlese zu tun? Da bitte ich um Aufklärung!

Keine Ahnung, wie lange der Imageschaden anhalten würde. Der wäre aber erst einmal unabhängig davon, wie weit eine Reform gegebenenfalls reichen würde. Ich wüsste aber auch keine Bezeichnung, bei welcher der Erzeuger zweitrangig wird.

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Gast Weinseelig

Hallo zusammen,

ich habe letztes Jahr in den USA gelebt. Dort wird unser System sehr simpel erklärt. Von Kabinett bis TBA wird es immer süßer. Very simple. Mit einer Ausnahme. Auch der nicht-deutsch-sprechende Amerikaner, der sich allerdings mit Wein etwas auskennt weiß, was "trocken" bedeutet. Und auch bei Weinverkostungen ala Gary V, Robert P usw. wird darauf hingewiesen.
Ausserdem weiss man, dass es sich um einen nicht gezuckerten "natürlichen" Wein handelt. Das weiss ich bei manchen GG, EG usw. nicht so genau (was wahrscheinlich an mir liegt).
Spätlese sollte meiner Meinung nach auch weiterhin einfach nur etwas über den Reifegrad der Trauben aussagen und wenn sie ohne Restzucker sind den Zusatz "trocken" tragen. Bei einer Auslese trocken werde allerdings auch ich verwirrt.
Auf keinen Fall sollte man meiner "romantischen" Meinung nach andere Rebsorten ausschließen. Auch wenn Riesling das deutsche Aushängeschild ist und es wahrscheinlich kommerziell das Meiste bringt (??) glaube ich, der Hype wird auch irgendwann wieder abnehmen.

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Commander Scottch ...erleichtert

Beim Fufluns,
endlich mal jemand,der das nervige Gesabbel auf den Punkt bringt...so soll's sein.Danke,Gast " Weinseelig "

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Maat Lauterbach zustimmend

Offen gesagt, verstehe ich auch nicht so recht, was am Prädikatsweinsystem an sich so unendlich kompliziert sein soll. Wenn die Spätlese dann stilistisch auch wirklich eine Spätlese und dazu noch ein guter Wein wäre, wäre ich doch schon zufrieden.
Als Auslese trocken könnte ich mir stilistisch einen wuchtigen, fetten, alkoholstarken Wein vorstellen. Dass es diese relativ selten gegeben hat, hängt IMHO damit zusammen, dass man das entsprechende (botrytisbefallene) Lesegut meistens süß ausgebaut hat.

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Markus Hammer ... vollgeentert

Bei dem Punkt mit der Lesemaschine hab ich aufgehört zu lesen. Sorry aber das kann nicht ernst gemeint sein... Wollens jetzt Qualität oder Massenquargel für den Supermarkt?

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Commander Scottch ...schon wieder genervt

weil:schon wieder unqualifiziertes Geschwafel.

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Maat Lauterbach verwundert

Es geht doch hier einfach darum, ob man den Winzern Vorschriften darüber machen soll, wie sie ihre Spätlese-Trauben hereinholen. Ich denke, es geht wie bislang auch ohne. Mir ist es im Zweifel schnurzpiepegal, wie der Winzer seine Trauben liest, solange die Qualität am Ende stimmt.

Abgesehen davon bestreite ich doch gar nicht, dass es bei der Lese von Hand im Zweifel einfacher sein dürfte, hohe Qualitäten zu lesen als mit dem Vollernter. Nur glaube ich nicht, dass es da keine Ausnahmen geben kann. Aber das ist ein anderes Thema.

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Maat Lauterbach cool

Vollgeentert - echt ein raffiniertes Wortspiel. Das muss ich mir merken! :-)

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DURST

Vollernter, Handlese, selektive Handlese, Selektionstisch vs. Sponti, überimpft, weitgehend spontan. Da wär noch: kontroliert umweltschonend, bio, biodyn, so gut wie bio vs. mit Prädikat, Kabinett, Auslese trocken und natürlich GG, EG, erste Lage. Wie sagte mir doch neulich so schon ein Wiener bei einer Verkostung " also eigentlich trinke ich erst ab Smaragdklasse aufwärts ". Bitte - jedem sein Etikett.

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Gast

"DURST" hat Recht - dieses Vielfalt der Begrifflichkeiten und Etikettierungen trägt nur zur Verwirrung bei; jeder macht seins zwecks Differenzierung in einer Gesellschaft, die Normen und Verbindlichkeiten ablehnt und um der vermutlichen Freiheit willen, die auch hier nur eine Marketing-Massnahme ist, Vielfalt zu erzeugen, die doch keine ist.
Wie von anderen erwähnt, konnte auch ich über viele Jahre mit dem alten System gut leben; konservativ zu sein, erscheint mir in immer mehr Bereichen ein Schutzmechanismus gegen die Zumutungen der Enftesselung des herrschenden Wirtschaftssystems.
Die Einlassung von Herrn Würtz nehme ich genauso wenig ernst wie diesen geschwätzigen Weinmacher selber.

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Gast confused

Hallo allerseits!

Normalerweise schätze ich die Beiträge von Herrn Würtz sehr! Den hier besprochenen Beitrag verstehe ich allerdings wirklich nicht.

Ich bin sicherlich ein großer Weinliebhaber und respektiere jeden guten Wein zwischen staubtrockenem Schoppenwein und fetter edel-TBA. Bei mir gilt "jedes Ding hat seine Zeit".

Wenn ich aber nun ein für alle Mal wählen müsste zwischen einer trockenen Spätlese oder dem von Herrn Wütz beschriebenen Typ, würde ich trocken wählen. Diese im besten Fall stoffigen, eleganten und teils druckvollen Speisebegleiter möchte ich nicht missen.

Mit Besten Grüßen

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Werner Elflein leicht angepisst

Liebe Leute,

worüber redet ihr überhaupt? Werft doch bitte nicht mehrere Themen durcheinander.

1. Ist jeder Wein, auf dem "Premier Cru" oder "Grand Cru" steht, ein Spitzenwein? Natürlich nicht. In Burgund gibt es unter diesen Bezeichnungen mindestens genauso viel Mist, wie es im Médoc minderwertige "Grand Cru Classées" gibt. Und sehr viele von den Wachauern Smaragden nähme ich lieber zum Autowaschen, als dass ich die trinken möchte. Aber für die deutsche Spätlese sollen auf einmal was weiß ich für hohe Qualitätsmaßstäbe gelten. Ich bin ja gerne dabei, wenn es darum geht, das allgemeine Qualitätsniveau anzuheben (da bin ich auch klar für striktere gesetzliche Grenzen und für ein Verschwinden der Spätlese aus den Supermärkten), aber ihr müsst euch mal vor Augen halten, was 1971 die Gründe waren, ein Prädikatssystem auf Basis von Mostgewichten einzuführen. Mit einer Qualitätshierarchie hat das nämlich erst einmal gar nichts zu tun. Oder meint ihr, ein Boxer in der Schwergewichtsklasse sei a priori besser als ein Fliegengewichtler?

2. Das Prädikatssystem: Im Kern hat es durchaus seine Berechtigung. Es wird hier auch nicht - wie viele fälschlich annehmen - versucht, Qualität über Zucker zu definieren. Wer das glaubt, möge bitte noch einmal zurück auf die Schulbank. Mit dem 1971er Weingesetz verschwand in Deutschland der Begriff naturrein (analog wurde übrigens auch die Gesetzgebung in Österreich angepasst), stattdessen wurde die Prädikate in ihrer heutigen Begrifflichkeit eingeführt. Die Bezeichnungen Spät- und Auslesen werden seitdem anders "gelebt". Eine Spätlese wird nicht mehr unbedingt spät gelesen. (Man hätte das Prädikat daher anders müssen, eine Namensänderung im Nachhinein macht aber erst recht keinen Sinn!) Trinkt doch mal bitte Spät- und Auslesen vor 1971 und solche aus den Jahren danach, und ihr werdet euch wundert, was vor 1971 teilweise gar als Auslese (auch ein netter Begriff!) gefüllt wurde. Es war ein herrliches Durcheinander! Insofern hat das 1971er Weingesetz vieles verbessert. Natürlich sind da auch etliche Bolzen (zum Beispiel das unsägliche Großlagen-Thema) drin. Ich möchte es hier auch keineswegs in Schutz nehmen, aber eine ernst zu nehmende Diskussion des Prädikatssystems setzt erst einmal dessen Verständnis voraus. Und das scheint mir - pardon - in den bisherigen Beiträgen und Kommentaren nicht besonders ausgeprägt.

3. Unter dem scheinheiligen Vorwand, der arme arme Konsument verstünde es nicht, wird nach Reformen geschrien. Was diese Reformen in ihren kläglichen, intellektuell insuffizienten Entwürfen allesamt gemeinsam haben, ist in Wahrheit eine Unterwanderung des Prädikatssystems dahingehend, dass das Ideal eines naturreinen Weines, das einmal zu recht einen hohen Stellenwert in der deutschen Weinkultur besaß, zunehmend mit Füßen getreten wird. Vor allem den südlichen Anbaugebieten geht es um eine schleichende Einführung der Chaptalisierung, um auch in schwächeren Jahren mediokre Moste zu Weinen der Große-Gewächs-Kategorie aufpumpen zu können. Dies wurde mir in der Vergangenheit hinter vorgehaltener Hand nicht nur einmal bestätigt. Was beim Spätburgunder sogar noch Sinn macht, soll aber nun ausgerechnet beim Riesling forciert werden, wo es hirnverbrannter Schwachsinn ist. Die Winzer, die daran verdienen, lachen sich doch tot über das, was hier einige von euch zum Besten geben. Die Strategie ist doch ganz klar eine rein marktorientierte. Oben die Groben Geschwätze (GG), die man teuer an die unkritischen Etikettentrinker verkaufen kann, unten die Gutsrieslinge, die man der ebenso unkritischen Konsumentenmasse als Markenprodukt andreht (qualitativ oft nur wenig besser als Discounterplörre, aber dann mit großem Namen), und in der Mitte dann noch den preislich gerade so akzeptablen Zweitwein (Lagenverschnitt), um der Weinmittelschicht das Gefühl zu geben, beim Erwerb des Selektionsausschusses der GGs noch ein feines Schnäppchen gemacht zu haben. Liebe Leute, es geht hier in erster Linie ums Geldverdienen. Mit der Erhaltung unserer Weinkultur, deren Stärke gerade die Differenzierung ist, hat das nicht einmal ansatzweise etwas zu tun.

4. Noch ein paar Worte zur Weinkultur. Vor einigen Jahren hat Florian Weingart vom Mittelrhein bei einer Weintagung der Mosel eine, wie ich finde, bemerkenswerte Rede gehalten. In der ging es um eine Erwiderung zu Reinhard Löwensteins Terroir-Papier. Weingart betont, dass für die deutsche Weinkultur der Begriff des Terroirs nicht geeignet ist. Stattdessen bringt er das Prädikatssystem in die Diskussion ein. Ich möchte an dieser Stelle nun so weit gehen, zu sagen, das Prädikatssystem ist die Umsetzung des Terroirbegriffs, der unseren hiesigen Verhältnissen entspricht. Da verbietet sich jedes Schielen in Richtung Frankreich, Italien oder anderer Riesling-Entwicklungsländer. Hätten wir ein anderes Klima, andere Böden und andere Rebsorten, sähen unsere Etiketten höchstwahrscheinlich ähnlich aus wie die in Bordeaux oder im Burgund. Haben wir aber nicht, und werden wir (trotz Klimawandel) vorläufig auch nicht haben. Also müssen wir mit dieser Stärke irgendwie umgehen, sollten aber nicht so tun, als wäre es eine Schwäche.

5. Wenn fruchtsüße Spätlesen (und edelsüße Spitzenprädikate) hierzulande schlecht vermarktet werden, hat dies nichs mit der Verwirrung des Konsumenten zu tun, sondern schlicht mit seiner Dummheit und der Desinformation diverser Medien. Oft sind es die Erzeuger aber auch selbst schuld, weil die Vermarktungsstrategien, falls überhaupt vorhanden, häufig nicht mehr zeitgemäß sind. Zum Teil scheitert es auch an kleinkarierter Borniertheit, wenn es beispielsweise darum geht, dass die Winzer einer Region gemeinsam auftreten. Das Problem ist eher ein strukturelles der Winzerschaft, als eines des Prädikatssystems. Geht mal an der Mittelmosel in einen der Weinorte und fragt, warum es dort nicht soetwas wie eine zentrale Vermarktung inklusive einer gemeinsam betriebenen Vinothek etc. gibt. Dann bekommt ihr zu hören, es sei zwar eine sehr gute Idee, aber die anderen würden dabei nicht mitmachen. Und wenn ihr mit ein paar Leutchen gesprochen habt, erhaltet ihr immer die gleiche Antwort. Es sind immer "die anderen".

5. Wenn etwas verwirrend ist, dann, dass unser Prädikatssystem nicht von den Winzern mit Leben gefüllt wird, sondern dass jeder Verband, jede Winzervereinung und letztlich jeder Dödel seine eigene Suppe kocht. "S", der Steillagenwein, "Edition Urururopa", * - ****** für trockene Qualitätsweine, usw. Und was ist am Ende schuld an der Verwirrung? Die Spätlese. Liebe Leute, da müsstet ihr euch doch eigentlich mal gewaltig an den Kopf fassen!

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Maat Lauterbach respektvoll

Ahoi Werner,
vielen Dank für deinen langen, kenntnisreichen Beitrag. Die Spätlese hat durch ihre allgegenwärtige Verfügbarkeit zu niedrigen Preisen in Supermärkten und Discountern bei vielen Konsumenten ein "Cheap and Sweet"-Image erhalten. Ich freue mich, dass du mit Dirk Würtz und mir darin übereinstimmst, dass man, um der Spätlese (und den anderen Prädikaten übrigens auch) ihren Stellenwert zu verleihen, am gegenwärtigen System etwas ändern sollte. Welche Maßnahmen könntest du dir denn vorstellen?

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charlie ausholend

http://www.weinlagen-info.de/#lage_id=1704

Der Aulenberg fehlt noch

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Maat Lauterbach

Da kriegt wirklich JEDE Lage ihre Fußnote - danke Charlie!

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Werner Elflein

Stefan,

es geht ja nicht nur um die Spätlese, sondern genauso gut um Kabinett, Auslese, Eiswein etc. (Ein konsequentes Vollernter-Verbot für Eisweine wäre übrigens schon mal ein guter Anfang.)

Was geändert werden sollte, ist, dass wir nicht ständig nach neuen gesetzlichen Regelungen schreien (die, die sinnvoll wären, werden aus Rücksicht auf die Großkellereien und Weinfabriken eh nicht kommen!). Es wird auch niemals gelingen, mit einem Weingesetz allein Qualität durchzusetzen. Dafür brauchen wir schon die Spitzenerzeuger Deutschlands, zu denen ja auch einige Betriebe des VDP gehören, die vorleben könnten, wie es geht. Mit der Einführung von Geschmackskorridoren (die letztlich eine unerträgliche Uniformität bedeuten) kommen wir allerdings nicht weiter.

Noch wichtiger ist, endlich vernünftige Konzepte zu entwickeln, wie man auch die fruchtsüßen Weine im Inland vermarkten kann. Da sind zweifellos ganz gewaltige Anstrengungen nötig. Diese wird man aber nicht mit Bezeichnungsschubsereien bewätigen. Im Gegenteil, erst dadurch entsteht Verwirrung.

Übrigens, mir fällt gerade auf, dass wir eine sehr ähnliche Debatte nicht nur über die Prädikatsweine, sondern auch über den Qualitätswein (QbA) führen könnten. Für mich ein weiteres Indiz, dass ich mich meiner Vermutung über die Beweggründe der Spätlese-Diskussion recht habe.

Viele Grüße
Werner

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Maat Lauterbach

Welche Beweggründe soll es denn für die Spätlesediskussion deiner Meinung nach geben?

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