An Bord macht man die Schotten dicht. Der Captain bleibt noch ein paar Stunden am Schiff, das seine Anker am Landwehr-Kanal geworfen hat. Er fingert die Flaschen für heute Abend aus dem Schiffsbauch, den er in einer eigenartigen Runde verbringen wird. Eine rote Doppelmagnum von Kirnbauer, ein paar Flaschen Moselriesling von Müllen und den beiden Prüms. Etwas aus der Pfalz von Müller-Catoir. Und ein Chateau Palmer 1997. In der Magnum, Das steht heute an.
Maat Balcerowiak hat schon gestern mit seinem Rentier das Schiff verlassen und sich in seinen realen Sozialismus zurückgezogen, den er als Atheist wohl ebenso weihnachtlich schmückt, wie tausend andere Atheisten auch. Wer jetzt keine Besinnlichkeit baut (wie auch immer und womit auch immer), wird sich lange keine bauen.
Maat Golenia hingegen bleibt an Bord. Er kauft gerade Spielzeug für seinen Kleinen. Und heizt die Kombüse. Über die Feiertage bleibt einiges zu tun. Zum Beispiel die Buchhaltung zu machen, etwas, das der Captain hasst, wie einen Korkschmecker bei Schraubverschluss (neulich gehabt, Ehrenwort).
Maat Eschenauer übersiedelt von Trier nach Mannheim. Das dauert, aber irgendwann kommt er damit zu Ende. Und dann macht er sich an Bord. Mit einer Tonne Riesling, wie er der Mannschaft erst gestern versicherte.
Doch das Schiff macht jetzt mal dicht. Wie jedes Jahr. Bis Dienstag kommt von diesen Planken kein Mucks. Nichts. Niente.
Das ist die Absicht des Captain, der weiß, dass man auch mal Ruhe geben muss; eine Auszeit zulassen, in der man auch zurückschauen kann. Das empfiehlt er allen Matrosen. Inzwischen kann man auf fast drei Jahre CaptainCork zurückblicken und viele alte Geschchten von Maat Eschenauer und Maat Mally lesen. Einige Aufreger waren darunter, eingies, das heut noch gut und richtig dasteht.
Und man kann sich noch mal die Turbulenzen dieses Jahres zu Gemüte führen, als der Captain das Schiff verließ und nach einer Zeit heftiger Auseinandersetzungen zurückkam. Es ist schade, dass dabei mit Maat Mally ein wichtiger Provokateur von Bord ging. Aber manches ist, wie es ist. Und der Captain denkt: tempi passati.
Nun ja, so einsam wird es hier nicht werden, denn knapp vor Jahresende gibt es schon traditionell den Winzer des Jahres. Und da wird Maat Klingler Augen machen, denn der Tipp ist sein Verdienst. Und auch jener von Maat Kelly, der jetzt als Sommelier in einem Berliner Spitzenrestaurant arbeitet. Auch diese beiden werden nächstes Jahr wieder mit an Bord sein.
Apropos Sommelier: Gerhard Retter wird im Januar endlich mit einigen Filmen zurückkehren. Der Captain und Retter haben die Kamera schon geladen, es hing lediglich an Koordinationsproblemen, dass kein Drehtag zustande kam. Man muss es ehrlich sagen: Beide waren runter vom Schiff. Und das Zurückkommen fiel schwerer, als erwartet. Die Dinge des Lebens schreiben die Geschichte weiter. Und gewisse Räder lassen sich nicht so schnell zurückdrehen.
Umso erfreulicher, dass die Motoren des Schiffs fast schon wieder die alte Stärke haben. Und dass jene Matrosen wieder Segel setzen, die mit dem Abgang des Captains das Schiff verlassen haben.
Zum Schluss ein paar Worte zur Krise, die vor allem dieses Jahr unser Leben zeichnete und beherrschte. Es sind naive Worte. Und sie sind absichtlich naiv.
Geld ist Papier, Geld ist ein Versprechen, Geld entsteht durch Schulden, die Geld zu realen Dingen (wie etwa Wein) machen soll. Der Euro ist eine Währung einer Union, die sich vorgenommen hat, nie wieder gegeneinander Krieg zu führen. Das war früher jedem bewusst, das ist es heute nicht mehr.
Wir leben in der größten Weltkrise seit den 1930er Jahren. Und alles funktioniert. Der ICE fährt halbwegs pünktlich, die Flugzeuge der Lufthansa kommen auch heute in Mallorca an, die Straßen tragen Millionen schöner und technisch perfekter Autos. Den meisten von uns, auch den etwas Vernachlässigten, geht es gut. Wenn sie stürzen, kommt ein Hilfsdienst, sie aufzuheben. Freilich klappt das nicht immer. Aber die Bereitschaft ist da.
Wir leben immer noch in den besten Zeiten, die unsere Länder je hatten. Kein Krieg, keine Katastrophe hat unsere Zivilisation in Gefahr gebracht. Und ausgerechnet Geld soll das tun? Geld? Unser Geld? Und ausgerechnet Sparprogramme sollen uns sanieren? Lächerlich! So schwach sind wir nicht.
Doch muss man den Leuten die Wahrheit sagen, die Wahrheit, dass sie große Teile ihrer Altersvorsorgen und ihrer Anlagen verlieren werden. Entweder durch Inflation. Oder (was wesentlich schlechter wäre) in einer Währungsreform. Mehr wird nicht geschehen. Die Welt wird nicht verschwinden. Etwas Realitätssinn ist angesagt: die Verluste eingestehen, sozial wieder zusammenhalten (in Europa und in der Welt). Und weitermachen. Nothings gonna change our world.
Und was wünscht der Captain den Matrosen? Das Banalste und Klügste, das man wünschen kann: Das kleine Glück der persönlichen Würde, der individuellen Freiheit; das große Glück ungeketteter Liebe und wohltuende Gesundheit. Und dann noch eines: Einen reinen Tisch. Den hat der Captain dieses Jahr gemacht. Das sollte jeder tun.
Maat Golenia meldet sich am 28ten. Der Captain am 30ten mit dem Winzer des Jahres, dann gibt es noch ein paar Champagnertipps. Und am 3ten Januar 2012 sind alle wieder an Bord. Gute Zeiten.












Schöne Worte zum feierlichen Weihnachtsfest und zum Jahresausklang vom Schiff. Es trifft, wie oft, viele Dinge auf den Punkt.
Wir möchten auch dem Captain, den Jungs auf dem Schiff und allen die drumherum Mitwirken frohe Weihnachtsfeiertage und ein frohes neues Jahr wünschen.