Manchmal frage ich mich, auf welch schrägen Kahn ich gelandet bin? Ein Schiff mit entrückter Besatzung. Gestandene Männer hocken aufeinander und benehmen sich manchmal wie Kinder. Und an der Spitze der Captain mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen. Auch gestern Nacht irrte er schlaflos durch die Schiffsgänge und faselte was von Blendenzeiten und ISO-Empfindlichkeiten. Aber das ist halt der Captain. Anders habe ich ihn nie kennengelernt.
Vielleicht sollte der Zahlmeister einen Gruppenpsychologen für die Crew anheuern, so wie das die Softrocker von Metallica für sich mal vor Zeiten gemacht haben. Aber da wären 6 Richtige im Lotto wahrscheinlicher, bevor der knauserige Zahlmeister auch nur einen Cent dafür springen lassen würde. Und ich glaube langsam, dass der Zahlmeister diese Extremzustände mag. Hart wie Knüppel. Keine Schmerzen. Demnach auch keine Klagen von sich geben. Wo kämen wir denn dahin, wenn wir das täten?
Overload an Spätburgunder. Die Notbremse.
Ich klage trotzdem. So wie die letzten Tage, da hatte ich wieder mal Grund mich zu bemitleiden. Ich, das olle Mimöschen. Der Grund? Ich kann momentan keinen Spätburgunder respektive Pinot Noir mehr sehen. Das klassische Überbesäufnis. Schlimmer ausgeprägt als meine Rieslingabstinenz im Herbst, die mehr Anti-Masche war denn Grundüberzeugung.
Die letzten Monate hat der Maat genug deutschen Spätburgunder gesüppelt. Und er trank deutlich MEHR als er darüber schrieb. Alle qualitativen Facetten waren dabei: von blutjung bis gereift, von preislich happig bis runter in die 4-Euro-Schicht. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass sich deutscher Rotwein sehr gemausert hat die letzten Jahre. Auch in seinem Selbstverständnis. Dabei möchte ich bemerken: Wer von deutschem Rotwein spricht, meint eigentlich Spätburgunder und nicht miesen Dornfelder oder andere körperverletzende Züchtungen.
Deutscher Spätburgunder nimmts mit Burgundern auf
Dass der deutsche Spätburgunder für sich die Qualitätsschraube kräftig angezogen hat, mag stimmen. Und das ist auch gut so, denn langsam stößt er in internationale Qualitätsbereiche hineinen, die burgundische Pinot Noir erzittern lässt. Damit meine ich die Klasse bis 20 Euro bei fließenden Grenzen. Ja, da wird die Luft langsam aber sicher dünner für den burgundischen Pinot. Im Flugzeug würden für ihn die Atemmasken runterfallen, jetzt bildlich beschrieben.
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Stop! Maat Golenia kann gerade keinen Spätburgunder mehr sehen. (th-photo - Fotolia.com) 


boah du weichei !!!