23.08.09 WEINLEUTE 4 Einem Freund senden

Die Nachrichten vom Wein

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Frankreich wird Grün

Chateau Latour, altehrwürdiger Vertreter der Premier Cru Classé im Weinbaugebiet Bordeaux, will sein biodynamisches Projekt ausweiten. Latour hat 2008 mit einzelnen biodynamischen Experimenten begonnen und diese heuer auf etwa 10 % der Weingärten ausgedehnt. Bis 2010 sollen weitere 10 % dazukommen, erfuhr der Captain nach einem Telefongespräch mit dem Weingut.

Dies klingt nicht wahnsinnig interessant (was sind schon 10 %?), ist jedoch Signal eines Paradigmenwechsels. Lange galt biodynamische Landwirtschaft den französischen Weinbauern als Geisteskrankheit einiger weniger Sektierer. Auch wollten die Betreibergesellschaften der Chateaus ihre Gewinne nicht schmälern.

Seit zwei Jahren jedoch findet ein Umdenken statt. Und mit Chateau Latour hat nun erstmals ein weltbekannter Vorzeigebetrieb Farbe bekannt, wiewohl das biodynamische Wagnis dort noch keine Erträge gefährdet.

Denn eines ist klar: das Umstellen auf biodynamischen Weinbau beschert vielen Winzern in den ersten Jahren das Aufkeimen alter Krankheiten, z.B des "Falschen Mehltau". Und viele prominente und erstklassige Weinmacher in Frankreich, Deutschland und Österreich wollen erst einmal die Ergebnisse der Avantgardisten abwarten, bevor sie selbst den Schritt in die ökologische Korrektheit wagen. Wenn dieser überhaupt notwendig ist.

Im beigestellten Video gibt die Latour-Önologin Penelope Godefroy einen ersten Blick auf die Trauben des Jahres 2009. Und der ist erfreulich. Frankreich hatte bislang einen ausgeglichen und schönen Sommer. Wenn es jetzt nicht dauerhaft zu regnen beginnt, wird das eines jener Jahre, in welchen auch die einfacheren Chateaus hervorragende Weine keltern. Der Captain spart schon für 2010 an. Dann kann man diese Weine vorbestellen.

Ein Weinbuch um eine Mille

Die Zeiten sind schlecht, das schreckt jedoch den US-amerikanischen Verlag Kraken-Opus nicht. Der Herausgeber exklusiver Bücher, etwa über Vivienne Westwood oder Diego Maradonna, plant das teuerste Weinlexikon der Welt (Kaufpreis 1 Mio. US-Dollar) zu drucken. In dem Buch sollen die hundert besten Weingüter der Welt aufgelistet und detailliert beschrieben werden.

Zu dem Buch (das erklärt den Preis) soll es pro Weingut sechs ausgesuchte Flaschen Wein geben (der Captain rät, da mal auf die Jahrgänge zu achten, das werden wahrscheinlich nicht die besten sein). Wie der Captain weiter erfuhr, plant der Verlag derzeit nicht, ein deutsches Weingut unter die besten hundert einzureihen. Auch kein österreichisches. Dafür jede Menge kalifornischer. Was kann uns Kraken-Opus? Mal kreuzweise.

Wein statt Geld

Italienische Banken werden zukünftig von krisengeschüttelten Weingütern auch fertig produzierte Flaschen oder Weine in Fässern als Sicherheit akzeptieren. Dies geht aus einer Aussendung des italienische Agrarministeriums hervor, das von dieser Idee schlichtweg begeistert ist.

Kein Wunder: erspart es den Beamten doch einen Haufen lärmender und streikender Winzer, die in den Medien des Landes zunehmend nach staatlicher Unterstützung rufen ("den Banken gebt ihr alles, den Winzern nichts!"). Tatsache: Italien leidet wie Spanien unter einer dramatischen Überproduktion, etwa 20 % der Weine können vom Markt nicht mehr aufgenommen werden.

Was die Banken dann mit Millionen Flaschen begrenzt haltbaren Bardolinos machen? Keine Ahnung, wohl am Ende selber saufen.

Man redet wieder miteindander

Armin Diel, Winzer und zurückgetretener Chefredakteur des Weinführers Gault-Millau, hat mit seinem größten Widersacher Reinhard Löwenstein gesprochen. Das Protokoll gibts in der "Zeit":

http://www.zeit.de/2009/35/WOS-Weinfuehrer

die Story zum Konflikt beim Captain:

http://www.captaincork.com/Diel-Ruecktritt-Gault-Millau

No movie big cry

Der Captain ist untröstlich, es gibt diese Woche keinen neuen Film im Caprtain´s TV. Da ist der Captain ganz alleine dran schuld, denn er hat den Film irrtümlicherweise von der Festplatte gelöscht. Nun soll man den Captain bitte nicht fragen, wie man so blöd sein kann. Er fragt sich das selbst ja auch (knirsch). Und macht sich mit den Red Priest unter Deck im Dunklen des Schnittraums wieder an die Arbeit. Nächste Woche kommt dann garantiert wieder ein neuer Film.



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Kommentare 4

Kommentare

alkbottle

Da kann doch auch die Raiffeisen alle 60 Millionen Liter unverkäuflichen Moselwein Statt der Raten nehmen. Wir kehreur Tauschwirtschaft zurück.

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Florian

Eine Million für ein Buch ist doch schwer daneben. Dem wirklichen Weinkenner wird es kaum neues bieten. Die 600 Flaschen Wein erwecken den Eindruck als wolle hier mit Quantität geprotzt werden, der Geniesser wird doch sicherlich lieber etwas mehr Geld für einzelne auserlesene Flaschen hinlegen als sich durch diese Masse an Weinen zu schlagen. (Kommt daher der Preis? ->Versandkosten?)

Mal abgesehn davon wird sich das Buch WENN es denn erscheint vielleicht als pseudoprestigeträchtiges Sammelobjekt einzelner Neureichen etablieren können. (Auch das sicherlich nur wenn es in begrenzter Stückzahl erscheint, also den Reiz des "ich habe was was nicht viele haben" im Menschen bedient und befriedigt.

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Der Captain genau...

..der "richtige Weinkenner" wird sich um diesen Betrag die zehnfache Menge bester Weine kaufen..

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Gast

das italienische Modell gefährdet den freien Weinbau, denn dann kaufen die Banken ja keinen Wein für die Weihnachtsfeiern.

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