Die Geschichte machte dem Captain einiges Kopfzerbrechen, hatte er doch aus sehr zuverlässiger Quelle gehört, der berühmte friulanische Winzer Silvio Jermann habe seinen Betrieb an den Triestiner Versicherungskonzern Generali verkauft.
Das habe zweierlei Gründe, so die Gerüchte. Erstens: Jermann habe sich mit seinem neuen Gebäudekomplex in Ruttars stark verschuldet. Und zweitens: der internationale Weinmark gerät ins Stocken,, Auch Jermann kann viele Flaschen, vor allem die teuren Weißweine, nicht so schnell verkaufen, wie in den letzten Jahren. Das brachte Jermann in finanzielle Nöte, die er mit einem Verkauf seines sehr erfolreichen Weinguts beendet habe. So die Gerüchte.
Noch Dienstags wollte das Weingut Jermann zu den Gerüchten keine Stellungnahme abgeben, Freitag dann der Anruf bei Captains italienischer Filiale. Alles sei anders.
Auf die Frage, ob Jermann seinen Betrieb verkauft hätte, sagte ein Sprecher des Unternehmens eindeutig: Nein
Auf die Frage, ob Jermann derzeit über den Verkauf seines Betriebes verhandle, auch wieder ein eindeutiges Nein.
Auf die Frage, ob Jermann in der nahen Vergangenheit über den Verkauf seines Weinguts verhandelt haben, kam jedoch ein etwas länger verzögertes Nein. Man muss des Italienischen mächtig sein, um darüber Deutungshoheit beanspruchen zu dürfen.
Der Captain rief auch bei der Generali-Versicherung in Triest an, um die Gerüchte zu verifizieren. Der Anruf dort ergab ein ähnliches Bild. Auf die Frage, ob die Generali-Tochter Genagricola mit Jermann in naher Vergangenheit über einen Verkauf verhandelt habe, folgte ein ebenfalls verzögertes und etwas abwartendes Nein. Aber Nein ist Nein.
Jermann bestätigte dem Captain die Existenz der vehementen Gerüchte. Er kenne sie, wisse von deren Verbreitung und kann sich die Gerüchte und die Heftigkeit ihrer Verbreitung nicht erklären. Auf die Frage, ob die Verkäufe Jermanns ins Stocken geraten, gab der Sprecher des Unternehmens die Antwort, dass man sich eben in einer Wirtschaftskrise befinde. Und die Krise auch bei Jermann spürbar sei. Doch die Verkäufe laufen generell zufriedenstellend bis prächtig.
Ein befreundeter Weinhändler des Captain betont, dass, sollte Jermann je Schwierigkeiten gehabt haben, er nun offenbar Einvernehmen und Lösung gefunden habe. Einen derartigen Prestigewinzer lässt man nicht im Regen stehen. Das wäre ein schreckliches Signal für den italienischen Weinbau. Es herrsche offenbar große Vernunft.
Dennoch hat Jermann Investitionen gerade zu einem Zeitpunkt getätigt, an dem der Weinmarkt schon gesättigt erschien und Verdrängung das Wachstum ablöste. Kenner des italienischen Weinmarkts aber betonen, dass es in Italien immer noch Bedarf an qualitativ höherwertigen Weißweinen gebe. Und diesen Bedarf deckt Jermann seit Jahren in stetigem Wachstum.
Doch gerade die strengen Alkoholvorschriften in Italien machen den Weinmarkt zunehmend volatil. Die Polizei agiert im Lande des leichten Lebens inzwischen preußischer als die Preußen und ahndet Alkoholvergehen rigoros.
Eine Überproduktion in den Regalen der Vinotheken, ein langsameres Wachstum neuer Märkte (das jetzt gerade in Asien wieder anzieht) und eine neue, sich leise anschleichende Prohibition, machen den Beruf des Winzers in Zukunft sicher nicht einfacher. Und es ist auch nicht sicher, dass Qualität den industriellen Dreck verdrängt. Gut zu hören, dass Silvio Jermann auch weiter seinem Betrieb vorsteht. Die Welt braucht gerade solche Winzer. Weinmacher, die Qualität mit Menge vereinen können.
Hier ein offizielles Schreiben von Jermann, offensichtlich irrtümlich mit Juli datiert.








Bei Jermann im Keller. Alles bleibt, wie es ist 



Da habt ihr eure eigene Wichtigkeit gut gesteuert, Chapeau!