2009. Auf diesen Jahrgang freut sich der Captain. Denn von einigen regionalen Ausnahmen mal abgesehen, ist 2009 ein weltweit hervorragendes Weinjahr. Wirklich weltweit. Das war zuletzt 1990 der Fall.
Ja natürlich, es gab Hagelausfälle (etwa in Wien und im Friaul) und Wetterkapriolen. Es gibt Einzelmeinungen, wie etwa jene des famosen Weinkritikers Stuart Pigott, der die 2008er Weine aus Württemberg von die 2009er reiht. Und so wird das auch bleiben. Viele Meinungen, viel Diskussionsstoff. Ein gutes Jahr eben.
2009 ist aber auch geprägt von geringen Erträgen. Das heißt, es gibt weniger Wein. Unter normalen Umständen würden jetzt die Preise steigen. Doch in diesem Jahr bleiben die Preise wohl stabil. Zu viele Flaschen der beiden vorhergehenden Jahrgänge liegen noch in den Kellern. Weniger in Deutschland und Österreich, dramatisch aber in Spanien, Italien, Australien und Frankreich.
Der heutzutage glücklichste Winzer ist jener, der 7 Hektar besitzt, 4 Hektar pachtet, von weiteren vier Hektar zukauft und einen Betrieb sein Eigen nennt, der Fremdenzimmer und eine Gaststube hat. Jahrelang wurden diese Kleinbetriebe verlacht. Doch jetzt sind sie (auch in Italien und Frankreich) das gesunde Herz des Weinbaus.
Ein solcher Betrieb, einer von vielen solchen in dieser Region, ist der Winzerhof Stift in Röschitz, einem Weinort im österreichischen Weinviertel. Das Weinviertel war noch vor Jahren für saure und untrinkbare "Heckenklescher" bekannt, die edlen und wertvollen Weine Österreichs wuchsen in der Wachau und im nördlichen Burgenland.
Die Qualität und das Preisniveau der Wachau haben die Weinviertler noch immer nicht erreicht. In Angelegenheiten der Qualität geht es aber immer weiter aufwärts. Teilweise rasend, wie der Captain verwundert feststellen muss. Und er stellt auch fest, dass die Preise noch am Boden bleiben. So wird das einst verlachte Weinviertel zunehmend eine Hoffnungsregion für Masse und Klasse.
Schuld daran ist auch der Klimawandel, der das Gebiet seit einiger Zeit aufwertet. Hier wird man keinen über die Erwärmung jammern hören, denn endlich erreichen die Trauben die richtigen Grade auf der Oechslewaage.
Der Gelbe Muskateller vom Winzerhof Stift wird vom Winzer als idealer Aperitif beschrieben, doch das ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Ganz im Gegenteil ist dieser Muskateller ein idealer Speisenbegleiter. Und man leert gerne ein Flasche zwischendurch (so wie der Captain gerade eben). Als Aperitif bleibt dieser Wein unterfordert.
Der Wein ist sehr hell im Glas, nur eine leichtes Strohgelb erklärt den Inhalt. In der Nase ist er dramatisch sortentypisch, kein Irrtum möglich - also florale und traubenfruchtige Gerüche, die sich am Gaumen fortsetzen. Dieser Wein hat alles, was man an Muskateller (auch an der Speisetraube) Muskateller so schätzt. Dieses Vordergründige, dieses proletarisch Pafümierte, auch das Angeberische (das der Sauvignon auch hat). Zurückhaltung? Nie gehört!
Der Wein bleibt über Stunden herrlich aromatisch, frisch, unkompliziert. Dank des guten Jahres auch dicht und reich an Körper. Und der Körper verlässt diesen Wein auch schwer, der Muskateller hält im Kühlschrank noch etliche Tage auch ohne Vakuumpumpe. Da ist einfach Kraft genug da.
Das ist der ideale Einstieg in das Superweinjahr 2009, ein Jahr, von dem wir hier noch viel lesen werden. Mit diesem Muskateller fängt es an.
Gelber Muskateller 2009 vom Winzerhof Stift für 6,20 Euro beim Weingut (Lieferung auch nach Deutschland)
Noch mehr günstige Weine gefällig? Oder wie wäre es mit weiteren österreichischen Tropfen?







Das Weinviertel. Ein bisschen fad. Aber die Weine werden immer besser 





wird schon gut sein, aber ein bissl früh abgefüllt...