22.02.10 WEINE 21 Einem Freund senden

Wein der Woche: Der erste 2009er

Das Weinviertel. Ein bisschen fad. Aber die Weine werden immer besserDas Weinviertel. Ein bisschen fad. Aber die Weine werden immer besser

2009. Auf diesen Jahrgang freut sich der Captain. Denn von einigen regionalen Ausnahmen mal abgesehen, ist 2009 ein weltweit hervorragendes Weinjahr. Wirklich weltweit. Das war zuletzt 1990 der Fall.

Ja natürlich, es gab Hagelausfälle (etwa in Wien und im Friaul) und Wetterkapriolen. Es gibt Einzelmeinungen, wie etwa jene des famosen Weinkritikers Stuart Pigott, der die 2008er Weine aus Württemberg von die 2009er reiht. Und so wird das auch bleiben. Viele Meinungen, viel Diskussionsstoff. Ein gutes Jahr eben.

2009 ist aber auch geprägt von geringen Erträgen. Das heißt, es gibt weniger Wein. Unter normalen Umständen würden jetzt die Preise steigen. Doch in diesem Jahr bleiben die Preise wohl stabil. Zu viele Flaschen der beiden vorhergehenden Jahrgänge liegen noch in den Kellern. Weniger in Deutschland und Österreich, dramatisch aber in Spanien, Italien, Australien und Frankreich.

Der heutzutage glücklichste Winzer ist jener, der 7 Hektar besitzt, 4 Hektar pachtet, von weiteren vier Hektar zukauft und einen Betrieb sein Eigen nennt, der Fremdenzimmer und eine Gaststube hat. Jahrelang wurden diese Kleinbetriebe verlacht. Doch jetzt sind sie (auch in Italien und Frankreich) das gesunde Herz des Weinbaus.

Ein solcher Betrieb, einer von vielen solchen in dieser Region, ist der Winzerhof Stift in Röschitz, einem Weinort im österreichischen Weinviertel. Das Weinviertel war noch vor Jahren für saure und untrinkbare "Heckenklescher" bekannt, die edlen und wertvollen Weine Österreichs wuchsen in der Wachau und im nördlichen Burgenland.

Die Qualität und das Preisniveau der Wachau haben die Weinviertler noch immer nicht erreicht. In Angelegenheiten der Qualität geht es aber immer weiter aufwärts. Teilweise rasend, wie der Captain verwundert feststellen muss. Und er stellt auch fest, dass die Preise noch am Boden bleiben. So wird das einst verlachte Weinviertel zunehmend eine Hoffnungsregion für Masse und Klasse.

Schuld daran ist auch der Klimawandel, der das Gebiet seit einiger Zeit aufwertet. Hier wird man keinen über die Erwärmung jammern hören, denn endlich erreichen die Trauben die richtigen Grade auf der Oechslewaage.

Der Gelbe Muskateller vom Winzerhof Stift wird vom Winzer als idealer Aperitif beschrieben, doch das ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Ganz im Gegenteil ist dieser Muskateller ein idealer Speisenbegleiter. Und man leert gerne ein Flasche zwischendurch (so wie der Captain gerade eben). Als Aperitif bleibt dieser Wein unterfordert.

Der Wein ist sehr hell im Glas, nur eine leichtes Strohgelb erklärt den Inhalt. In der Nase ist er dramatisch sortentypisch, kein Irrtum möglich - also florale und traubenfruchtige Gerüche, die sich am Gaumen fortsetzen. Dieser Wein hat alles, was man an Muskateller (auch an der Speisetraube) Muskateller so schätzt. Dieses Vordergründige, dieses proletarisch Pafümierte, auch das Angeberische (das der Sauvignon auch hat). Zurückhaltung? Nie gehört!

Der Wein bleibt über Stunden herrlich aromatisch, frisch, unkompliziert. Dank des guten Jahres auch dicht und reich an Körper. Und der Körper verlässt diesen Wein auch schwer, der Muskateller hält im Kühlschrank noch etliche Tage auch ohne Vakuumpumpe. Da ist einfach Kraft genug da.

Das ist der ideale Einstieg in das Superweinjahr 2009, ein Jahr, von dem wir hier noch viel lesen werden. Mit diesem Muskateller fängt es an.

Gelber Muskateller 2009 vom Winzerhof Stift für 6,20 Euro beim Weingut (Lieferung auch nach Deutschland)

Noch mehr günstige Weine gefällig? Oder wie wäre es mit weiteren österreichischen Tropfen?



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Kommentare 21

Kommentare

gottfried

wird schon gut sein, aber ein bissl früh abgefüllt...

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Peter Moser (via facebook)

Wann genau war früher? Denn Röschitz hat nur ein Manko und das ist mangelnde Bekanntheit. An Qualität hats hier nie gefehlt......

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Der Captain

Über den Ort Röschitz und sein Früher im speziellen steht hier nichts geschrieben. Ich habe nur den Eindruck, früher säuerliche und teilweise untrinkbare Weine aus dieser Region konsumiert zu haben. Vor etwa zwanzig Jahren. Damals konnte ich nichts von Qualität entdecken. Heute schon..

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Mario Scheuermann (via facebook)

@Peter Moser Röschitz ist so etwas wie der ewige Geheimtipp. Da hat sich seit unserem gemeinsamen Besuch vor vielen Jahren offenbar wenig geändert.

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Thomas Faschingeder Hinweis

den Wienern, die sich durchs Weinviertel kosten wollen, ohne den ersten Bezirk zu verlassen, darf ich das "Weinquartier" ans Herz legen, in der kleinen Gasse zwischen Albertina und Burggarten. Sicher 100 (geschätzt) Weine auf der Karte, viele davon auch glasweise, und trotz der zentralen Lage nix los dort.

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Der Captain

Wenn nichts los ist, wird es das Lokal bei den Mieten dort wohl nicht mehr lange geben..

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Thomas Faschingeder

Das fürchte ich auch, drum geb ich ausnahmsweise mal einen Geheimtipp preis...
Das dings gehört zum Weinquartier Retz, vielleicht wirds von der Gemeinde oder Region gesponsert und hat dadurch einen etwas längeren Atem? Der Vollständigkeit halber der Link:
http://www.weinquartier.at/

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Ringo Reblaus

4,70? Auf der Homepage steht 6,20...was natürlich immer noch günstig ist ;-)

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Der Captain

Ich habe es ausgebessert und verkneife mir besser jeden Kommentar. Die 4,70 habe ich nicht halluziniert, wenn Sie wissen, was ich meine..

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Mister Spuck ... amüsiert

Dann hat der gute Winzer angesichts dieser Hymne wohl kurzerhand etwas an der Preisschraube gedreht? Falls ja: Es sei ihm gegönnt, wenn er wirklich solch famose Qualität liefert.

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fizzz

Noch ein Geheimtipp in Röschitz ist das Weingut Gschweicher. Generell gibt es in Röschitz einige sehr gute Winzer meiner Meinung nach.

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Der Captain

Stimmt: Röschitz und Umgebung (Seher zB) ist immer eine Überraschung für mich. Ich war ja stets ein Weinviertel-Skeptiker, muss das aber revidieren..

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Kommentar vom Winzer Franz Stift

Hallo Captain, vielen Dank für Ihre gute Kritik. Nur ein Dementi ist anzumerken, dass nicht an der Preisschraube gedreht wurde. Waren es doch Halluzinationen? Schöne Grüße.

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Erster Offizier

Hallo Herr Stift, wir haben hier eine Liste vorliegen, die wir von Karl Meixner haben. Hierauf findet sich ein anderer Preis.

Mit besten Grüßen

Das Schiff

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Saarwein

Ich habe in der Nacht auch noch auf den Link geklickt und glaube auch, einen anderen Preis gesehen zu haben. Vielleicht handelt es sich um eine Massenhalluzination?

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Der Captain

Achtung!! Herr Stift erklärt weiter unten, wie es zu dem Irrtum kam..

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Bernhard Degen

Da hat der Captain wieder einen guten Riecher bewiesen, der GM von Stift ist seit vielen Jahren großartig. Einziger Nachteil ist, dass er immer sehr schnell ausverkauft ist und nach diesem Tipp vermutlich noch schneller. Röschitz ist beim Falstaff-GV-Grand Prix übrigens schon seit vielen Jahren immer vorne dabei.

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Erster Offizier

Das ist Lob aus berufenen Munde. Das Schiff grüßt ins ferne und doch so nahe Wien.

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Franz Hausner (via facebook)

Am Dienstag um 15.00h bestellt, heute nach 46 Stunden bekommen.

6er Probepaket und 6 Muskateller ohne extra Versandkosten für die Muskateller.

Dank eurer Kritik? Auf jedem Fall herzlichen Dank dem Stift!

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Winzer Franz Stift

Kurze Erklärung zur Preisgestaltung:
4,70 ist der Nettopreis für die Gastronomie.
6,20 ist der Ab-Hofpreis für den Endverbraucher.

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Der Captain

Danke. Damit ist alles erklärt..

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