"Tschau Bello", die geliftete Blondine grüßt nicht ihrem Schoßhund, sondern den Wirt und Chefkoch Gabriele, der im Dorf von Reich, Schön und Beckenbauer ein neues Restaurant aufgemacht hat. Originellerweise einen Italiener. Kaspressknödel-Hütten gibt es schon genug.
Nun liebt der Captain die Italiener, sie sind lebenslustig, richtig gute Schlawiner. Wenn es hart hergeht, dann zeigen sie eine ungeahnte Loyalität. Und ein großes Herz.
Doch der Captain mag keine italienischen Restaurants. Die Küche ist meistens gut, doch vom Umgang mit Wein verstehen die Italiener wenig. Noch weniger, wenn sie im Ausland leben. Hier verlernen sie die einfachsten Regeln.
Da wird der Rotwein geradezu gekocht zu Tisch gebracht, weil er seit Wochen im Speisezimmer als Dekoration herumsteht. Da werden gnadenlos die billigsten und dümmsten Gläser verwendet. Da wird endlos um den Wein herumgeschwafelt (und der Deutsche hört gerne zu), wie toll die Gegend nicht ist, wie heiß die Sonne nicht brennt (als wäre das ein Kriterium), wie zerfurcht die Hände der ehrlichen Bauern nicht sind. Bla-Bla. So wird selbst die Pest-Plörre Nero d´Avola zur Supertraube, die den Süden, die Sonne, das Dolce-Vita verkörpert.
Nur das Beste: Gääähhhn..
Bei Gabriele ist das nicht anders. Auch hier kehrt meistens deutsches Publikum ein, wohlhabend und wie alle Wohlhabenden unerfahren im Ausgeben von Geld. Deswegen hat Gabriele fast nur bekannte und manchmal auch teure Wichtigtuerweine auf der Karte, da kann man bei MünchnerInnen nichts falsch machen. Etwa einen 97er Barbaresco von Angelo Gaja, ein im Augenblick gut gereifter, vollmundiger und immer noch fruchtiger Verteter des Piemont, der aber von weit günstigeren Weinen eingeholt wird. Günstigere Weine, die es hier nicht gibt. Den Markentrinkern wird das egal sein. Es ist ein Sakrileg aber wahr, der banale 2001er Chianti Riserva von Marchese Antinori (mit € 48.- einer der billigsten Weine auf der Karte) macht mehr Trinkfreude als der fade 2002er Sassicaia (€ 190.-).

Abseits des total langweiligen aber sicher sehr beliebten Classic-Menüs kocht Gabriele auch kreativ. Und zwar wirklich gut. Etwa Ravioli Carbonara, sehr raffinierte Teigtaschen mit flüssiger Ziegenmilch, geräuchertem Schinken und Eigelb gefüllt. Oder eine gerollte Kalbsleber, mit Artischocken gefüllt. Sehr fein dann die Feigen mit Lambrusco (ein maßlos unterschätzer Wein) und Zitronensorbet.
Leider finden sich auf der Weinkarte keine wirklich guten Süßweine, um sich die Münchner Schickeria schönzutrinken. Also noch ein Flasche vom billigen Roten (Antinori 2001), der ja sehr gut ist. Die Glaskultur ist auf jeden Fall hervorragend, auch alle anderen Fehler (Temperatur, etc..) werden vermeiden. Das, mindestens, klappt. Grazie, saluti. Tschau.
Ristorante Gabriele zwischen € 30 und € 70 p.P.(3 Gänge), ohne Getränke.







Alles für die Fische 


