16.03.10 MEINUNG 3 Einem Freund senden

Wein gegen den Suff

Das freut sich der Student: Gratis-Weindegustation in der Mittagspause...Das freut sich der Student: Gratis-Weindegustation in der Mittagspause...

Von den Franzosen lernen, heißt nicht unbedingt siegen lernen. Aber von den Franzosen lernen, heißt Ideen haben lernen. Und Nationalbewusstsein lernen, ein in Deutschland aus geschichtlichen Gründen immer noch verpöntes Wort. Von den Franzosen lernen, heißt auch, den Export des Nationalgedankens zu lernen. Den positiv besetzten Export. Da sind die Franzosen (gemeinsam mit den italienischen Regionalisten) Weltmeister.

Jetzt kommt gleich eine ganz geniale Idee, die eigenartigerweise sofort auf ungläubiges Kopfschütteln und Spott stieß. Alkohol gegen Alkohol. Was für ein Vorschlag?

Die französische Winzerschaft (und vor allem die Weinindustrie) hat ein riesiges Problem: die Überproduktion. Millionen Hektoliter Wein schwappen unverkäuflich in riesigen Tanks herum. Das ist nicht nur ein französisches Problem, aber es trifft die Franzosen und ihre Winzer in ihrem Selbstverständnis sehr hart. Ein Stich ins Herz.

Gleichzeitig sinken die Absatzzahlen französischen Weins. Weltweit. Aber besonders in Frankreich selbst. Verrat an der Heimatfront, nennt es die Le Monde, wenn sie mal einen kriegerischen Ausdruck benutzen will. Die jungen Franzosen trinken zunehmend australische und chilenische Weine (weil sie billiger sind und süßer schmecken). Oder sie trinken eine schreckliche Limonade aus Österreich (die neuerdings erlaubt ist). Oder sie trinken nichts.

Aber sie trinken. Freitag abends und Samstag abends findet man in Paris inzwischen das gleiche Saufverhalten vor, wie in London, Berlin oder Brüssel. Das Komatrinken. Tausende Franzosen zwischen 15 und 25 Jahren lassen sich jedes Wochenende vollaufen, als gäbe es kein Morgen. Das ist den Franzosen neu.

Bordeaux gegen Alkopops?

Und das kann der immer noch mächtigen Weinindustrie nicht recht sein, denn inzwischen fordern sogar rechte französische Politiker Warnaufschriften für Alkohol. Ähnlich wie bei Tabakwaren. Und da wird beim Wein keine Ausnahme gemacht. Grässliche Aufkleber unter altehrwürdigen Chateau-Etiketten? Nie im Leben!

Deswegen hat die französische Regierung eine Studie in Auftrag gegeben, die, wohl auch im Sinne der Winzer und Weinmacher, zu dem Schluss kommt, dass es besser sei, Jugendliche an maßvolllen und kultivierten Alkoholgenuss heranzuführen, als sie ganz vom Alkohol fernzuhalten. Und welch Wunder: Maßvoller und kultivierter Alkhoholgenuss, so die Studie, sei nur mit Wein zu machen.

Folglich - und jetzt kommts - wird der Regierung empfohlen, regelmäßige Weindegustationen an den staatlichen Universitäten abzuhalten. In den Kantinen. Großartig. Das Ganze heißt "Initiation in die Kunst des maßvollen Genusses" und wird von einem ehemaligen Rektor der Pariser Sorbonne durchgeführt. Der Captain kann nur applaudieren.

Man stelle sich vor, was hierzulande los wäre. Welche Ohrfeigen ein Politiker oder Rektor bekommen würde, der Ähnliches vorschlägt. Wie sich die hysterisierte Medien- und Meinungsmeute zum Zerfleischen rüsten würde. Und natürlich kommen aus anderen Ländern schon verhöhnende Töne.

Zudem ist gar nicht klar, ob die derart verwöhnten Studenten und Jugendlichen (denn in weiterer Folge soll das ganze auch an berufsbildenden Schulen stattfinden) dann dem französischen Wein zusprechen. Oder nicht doch dem billigen Syrah aus Australien, der die französischen Supermärkte überflutet. Egal: Wein statt Alkopops. Guter Alkohol, gegen bösen Alkohol; der Captain kann das nur gut finden. Und zur Nachahmung empfehlen. Es ist trotzdem chancenlos, er weiß das.



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Kommentare 3

Kommentare

Tiefgaragenwinzer ernst...

eigentlich schauen sie es ja nur den engländern ab. die ganzen eliteschulen u unis haben schon lange ihre weinclubs. und weinkellermeister von cambridge ist einer meiner traumjobs. die haben mörderische budgets.

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Gast

Typische Verschwendung von Steuergeldern. Darin sind die Franzosen Weltmeister.

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el hottino ...nachdenklich...

fakt ist, dass die menschheit seit jahrtausenden wein trinkt.
schnaps (echter schnaps, so mit mind. 40 vol%) gips erst seit kurzem....alkopops und den ganzen fusel gibts überhaupt erst seit ganz kurzer zeit...
die menschheit hat jahrtausende ohne probleme (mehr oder weniger) sehr gut mit wein gelebt, nicht aber mit diesem popszeug.
also: kein grund, wein schlecht zu machen. viel grund, dieses popszeugs schecht zu machen.

ausserdem: wein wird nicht vorwiegend zur alkoholisierung getrunken (mit ausnahmen selbstverständlich, wobei ich mich natürlich nicht ausnehmen kann.... *lächel*), sondern des genießens wegen.

ausserdem: ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass jemand den einundertsten pops noch genauso gerne trinkt wie den einhundersten schluck wein, zumal dieses popszeug ja immer gleich schmeckt...während es tausende verschiedene, immer neu nuancierte weine gibt...

immer das selbe trinken, dass immer gleich schmeckt... armselig.

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