Ahhh, ein "Brünello." Beim schicken Italiener wird wieder auf Teufel komm raus getafelt. Und dazu gibt es einen geilen "Brünello", der tolle Wein aus der Toskana. Der 2005er "Brünello", für den verlangt man hier glatt 120 Euro. Egal ist ja "Brünello", der muss ja gut sein.
Arrrgh!! Der Captain kann es nur immer wieder sagen: Matrosen, schaut auf den Jahrgang! Denn die 2005er Brunello sind meistens ihr Geld nicht wert. Und sie werden fast alle in Deutschland landen, denn hier versteht man nichts von Jahrgängen. In Italien scheint immer die Sonne, da muss jeder Wein gut sein. Ist! Nicht! So!
Denn 2005, der Captain kann sich noch gut erinnern, hat es von Ende August an in der Toskana fürchterlich geregnet. Bis dahin war es ein gutes Jahr, es hätte fast so gut werden können wie das Jahr im Bordeaux (wo es ein fantastisches Jahr wurde). War aber nicht so. Und das hat zur Folge, dass ein sauteurer 2005er Brunello schlechter schmeckt als ein viel billigerer Bordeaux Superieur aus dem gleichen Jahr. Rausgeschmissenes Geld.
Natürlich gibt es Ausnahmen und ein Kollege des Captain, Helmut O. Knall, ist in die Region gefahren und hat sich durchgekostet. Nachfolgend seine fünf Brunello des Jahres 2005 (jene, die man kaufen und trinken sollte), zuvor noch sein Jahrgangsbericht zu 2005, die Analyse, warum das so ein Scheißjahr war.
Der Jahrgang 2005. Eine Analyse von Helmut O. Knall
2005 war kein einfaches Jahr, sondern eines, das viel konsequente Arbeit im Weingarten verlangte. Nach einem kühlen und relativ feuchten Frühjahr erfolgte der Austrieb und die Blüte etwas verzögert, was aber durch einen sehr warmen und trockenen Sommer komplett aufgeholt werden konnte. Ende August bereiteten sich die Produzenten schon auf einen sehr guten Jahrgang vor.
Doch dann kam der Regen. Viel Regen, den man kurz vor der Lese schon gar nicht brauchen kann. Denn zu diesem Zeitpunkt nimmt der Stock und das Laub praktisch kein Wasser mehr auf und was der Boden nicht aufnimmt, geht logischerweise in die Trauben. Diese befinden sich dann in höchster Gefahr. Innen und außen.
Im Inneren der Beeren wird die vorhandene Flüssigkeit - und damit der Zucker - quasi mit Wasser verdünnt. Die Beeren nehmen im Umfang zu und die Traubenhaut spannt sich an. Oft platzt sie und Flüssigkeit tritt aus, beginnt zu oxidieren und die Trauben beginnen nach Essig zu riechen.
Durch die Feuchtigkeit bilden sich auf der Traube Schimmelherde, die sich rasch verbreiten. Dazu kommen noch Insekten und Vögel, die immensen Schaden anrichten können.
Das alles geschah in der ersten Septemberwoche des Jahres 2005. Man musste also mehrere händische Vorauslesen machen und die betroffenen Trauben aussortieren. Wer dann noch die Nerven behielt und es sich leisten konnte, sein Lese-Team erst später einzusetzen, der hatte dann doch noch recht gute Qualität. Alle anderen, die nervös wurden und eben früher zu ernten begannen, haben etwas „dünne", recht hantige Weine mit kantigen Tanninen und ziemlich aggressiver Säure produziert.
Wirklich große Weine sind eigentlich nicht zu finden, nur knapp mehr als 10 % aller verkosteten Brunello 2005 - wir verkosteten knapp mehr als 120 - erreichten um die 90 Punkte (unserer Wertung) oder knapp darüber. Alle Weine präsentieren sich aber mit saftiger Frucht und knackiger Säure, was natürlich hohes Trinkvergnügen bereitet. Es fehlt aber zu oft an Körper, Schmelz, Tiefe und vor allem an Eleganz und Finesse. Gerade Letzteres sind aber die Stärken der wirklich guten Brunello-Jahrgänge.
Der 2005er ist auch sicher kein Jahrgang zum „Einlagern". Fast alle Weine sind bereits trinkreif und in den nächsten fünf Jahren am besten. Leider sehen viele Produzenten das viel rosiger und verlangen das gleiche Geld (oder noch mehr), wie für den wesentlich besseren 2004er. Die meisten 2005er werden im deutschen Fachhandel zwischen 30,- und 70,- Euro kosten, ein paar klingende Namen auch noch weit darüber.
Der gleichzeitig präsentierte 2004er Brunello Riserva ist natürlich der weitaus interessantere Wein. Kostet aber natürlich auch noch mehr.
Hier meine fünf Favoriten 2005:
- Brunello Capanna (14,5 % Alkohol)
Im durchaus traditionellen Stil ein herrlich einladender Duft nach Weichseln, Kräuterwürze und zarten mineralischen Noten. Am Gaumen sehr saftig und doch elegant, mit kraftvollem Körper und feiner Tannin-Struktur, hat Tiefe und Schmelz, animierend balanciertes Frucht-Säure-Spiel, gute Länge und Potential. Den doch recht hohen Alkohol merkt man überhaupt nicht.
- Brunello Gianni Brunelli (der heißt auch noch so) Le Chiuse di Sotto (14 % Alkohol). Geniales Foto auf der Homepage.
Wunderbar einladend mit fruchtbetontem Duft nach Amarena-Kirschen. Am Gaumen ungemein saftige, knackige Frucht, sehr feingliedrig und elegant strukturiert, könnte vielleicht etwas kräftigeren Körper vertragen, besticht aber mit seinem Fruchtcharme, fast burgundischer Eleganz und feinen, seidigen, gut eingebundenen Tanninen. Langer Nachhall.
- Brunello Castello Romitorio (14 % Alkohol)
Sehr einladender dunkelbeeriger Duft nach Weichseln und etwas nach Valhrona-Schokolade. Am Gaumen sehr saftig und vollmundig, mit kräftigem Körper aber feingliedriger Struktur. Hat viel Schmelz, ein lebhaftes Frucht-Säure-Spiel. Macht schon richtig Spaß, gute Länge. Etwas modern im Stil, aber sehr gut gemacht.
- Brunello Corte Pavone von Loacker (14% Alkohol, der Winzer ist einer von des Captains Favoriten)
Würziger tief-dunkler Duft nach Weichseln, Kräuterwürze und ein Hauch dunkle Schokolade, vielleicht ein bisserl zu sehr ins schwarzbeerige tendierend. Am Gaumen saftig und vollmundig, mit kräftigem Körper und Struktur, hat Tiefe, wieder sehr würzig, Tannine sind noch präsent, aber bereits gut eingebunden, lebhaftes Frucht-Säure-Spiel im langen Nachhall.
- Brunello Poggio Antico (13,5 % Alkohol)
Rotbeerige Aromen und reife Kirschen im Duft. Auch am Gaumen sehr saftige Frucht, mittelkräftiger Körper mit feingliedriger Struktur, zart schmelzig und nuancenreich, animierend und doch recht harmonisch balanciert, recht frisch im langen Finish.
Die genannten Weine kommen in den nächsten Wochen in den Verkauf. Keiner wird unter dreißig Euro kosten, so viel ist sicher.
Der Captain rät seinen Matrosen, sich auch einmal andere hervorragende Weine aus Italien anzusehen.







Schöne Keller haben sie ja in Montalcion. Leider ist der 2005er nicht so gelungen 






aha. so ist das also... schad. na, aber schau - oder genauer gesagt kost - mer mal.
gips irgendwo die komplette liste der 120 verkosteten weine samt anmerkungen? wär sehr interessant...
liebe grüße an den captain!
lg
el hottino