23.02.10 WEINE 17 Einem Freund senden

Brunello 2005: Finger weg! Aber nicht ganz

Schöne Keller haben sie ja in Montalcion. Leider ist der 2005er nicht so gelungenSchöne Keller haben sie ja in Montalcion. Leider ist der 2005er nicht so gelungen

Ahhh, ein "Brünello." Beim schicken Italiener wird wieder auf Teufel komm raus getafelt. Und dazu gibt es einen geilen "Brünello", der tolle Wein aus der Toskana. Der 2005er "Brünello", für den verlangt man hier glatt 120 Euro. Egal ist ja "Brünello", der muss ja gut sein.

Arrrgh!! Der Captain kann es nur immer wieder sagen: Matrosen, schaut auf den Jahrgang! Denn die 2005er Brunello sind meistens ihr Geld nicht wert. Und sie werden fast alle in Deutschland landen, denn hier versteht man nichts von Jahrgängen. In Italien scheint immer die Sonne, da muss jeder Wein gut sein. Ist! Nicht! So!

Denn 2005, der Captain kann sich noch gut erinnern, hat es von Ende August an in der Toskana fürchterlich geregnet. Bis dahin war es ein gutes Jahr, es hätte fast so gut werden können wie das Jahr im Bordeaux (wo es ein fantastisches Jahr wurde). War aber nicht so. Und das hat zur Folge, dass ein sauteurer 2005er Brunello schlechter schmeckt als ein viel billigerer Bordeaux Superieur aus dem gleichen Jahr. Rausgeschmissenes Geld.

Natürlich gibt es Ausnahmen und ein Kollege des Captain, Helmut O. Knall, ist in die Region gefahren und hat sich durchgekostet. Nachfolgend seine fünf Brunello des Jahres 2005 (jene, die man kaufen und trinken sollte), zuvor noch sein Jahrgangsbericht zu 2005, die Analyse, warum das so ein Scheißjahr war.

Der Jahrgang 2005. Eine Analyse von Helmut O. Knall

2005 war kein einfaches Jahr, sondern eines, das viel konsequente Arbeit im Weingarten verlangte. Nach einem kühlen und relativ feuchten Frühjahr erfolgte der Austrieb und die Blüte etwas verzögert, was aber durch einen sehr warmen und trockenen Sommer komplett aufgeholt werden konnte. Ende August bereiteten sich die Produzenten schon auf einen sehr guten Jahrgang vor.

Doch dann kam der Regen. Viel Regen, den man kurz vor der Lese schon gar nicht brauchen kann. Denn zu diesem Zeitpunkt nimmt der Stock und das Laub praktisch kein Wasser mehr auf und was der Boden nicht aufnimmt, geht logischerweise in die Trauben. Diese befinden sich dann in höchster Gefahr. Innen und außen.

Im Inneren der Beeren wird die vorhandene Flüssigkeit - und damit der Zucker - quasi mit Wasser verdünnt. Die Beeren nehmen im Umfang zu und die Traubenhaut spannt sich an. Oft platzt sie und Flüssigkeit tritt aus, beginnt zu oxidieren und die Trauben beginnen nach Essig zu riechen.

Durch die Feuchtigkeit bilden sich auf der Traube Schimmelherde, die sich rasch verbreiten. Dazu kommen noch Insekten und Vögel, die immensen Schaden anrichten können.

Das alles geschah in der ersten Septemberwoche des Jahres 2005. Man musste also mehrere händische Vorauslesen machen und die betroffenen Trauben aussortieren. Wer dann noch die Nerven behielt und es sich leisten konnte, sein Lese-Team erst später einzusetzen, der hatte dann doch noch recht gute Qualität. Alle anderen, die nervös wurden und eben früher zu ernten begannen, haben etwas „dünne", recht hantige Weine mit kantigen Tanninen und ziemlich aggressiver Säure produziert.

Wirklich große Weine sind eigentlich nicht zu finden, nur knapp mehr als 10 % aller verkosteten Brunello 2005 - wir verkosteten knapp mehr als 120 - erreichten um die 90 Punkte (unserer Wertung) oder knapp darüber. Alle Weine präsentieren sich aber mit saftiger Frucht und knackiger Säure, was natürlich hohes Trinkvergnügen bereitet. Es fehlt aber zu oft an Körper, Schmelz, Tiefe und vor allem an Eleganz und Finesse. Gerade Letzteres sind aber die Stärken der wirklich guten Brunello-Jahrgänge.

Der 2005er ist auch sicher kein Jahrgang zum „Einlagern". Fast alle Weine sind bereits trinkreif und in den nächsten fünf Jahren am besten. Leider sehen viele Produzenten das viel rosiger und verlangen das gleiche Geld (oder noch mehr), wie für den wesentlich besseren 2004er. Die meisten 2005er werden im deutschen Fachhandel zwischen 30,- und 70,- Euro kosten, ein paar klingende Namen auch noch weit darüber.

Der gleichzeitig präsentierte 2004er Brunello Riserva ist natürlich der weitaus interessantere Wein. Kostet aber natürlich auch noch mehr.

Hier meine fünf Favoriten 2005:

  • Brunello Capanna (14,5 % Alkohol)

Im durchaus traditionellen Stil ein herrlich einladender Duft nach Weichseln, Kräuterwürze und zarten mineralischen Noten. Am Gaumen sehr saftig und doch elegant, mit kraftvollem Körper und feiner Tannin-Struktur, hat Tiefe und Schmelz, animierend balanciertes Frucht-Säure-Spiel, gute Länge und Potential. Den doch recht hohen Alkohol merkt man überhaupt nicht.

  • Brunello Gianni Brunelli (der heißt auch noch so) Le Chiuse di Sotto (14 % Alkohol). Geniales Foto auf der Homepage.

Wunderbar einladend mit fruchtbetontem Duft nach Amarena-Kirschen. Am Gaumen ungemein saftige, knackige Frucht, sehr feingliedrig und elegant strukturiert, könnte vielleicht etwas kräftigeren Körper vertragen, besticht aber mit seinem Fruchtcharme, fast burgundischer Eleganz und feinen, seidigen, gut eingebundenen Tanninen. Langer Nachhall.

Sehr einladender dunkelbeeriger Duft nach Weichseln und etwas nach Valhrona-Schokolade. Am Gaumen sehr saftig und vollmundig, mit kräftigem Körper aber feingliedriger Struktur. Hat viel Schmelz, ein lebhaftes Frucht-Säure-Spiel. Macht schon richtig Spaß, gute Länge. Etwas modern im Stil, aber sehr gut gemacht.

  • Brunello Corte Pavone von Loacker (14% Alkohol, der Winzer ist einer von des Captains Favoriten)

Würziger tief-dunkler Duft nach Weichseln, Kräuterwürze und ein Hauch dunkle Schokolade, vielleicht ein bisserl zu sehr ins schwarzbeerige tendierend. Am Gaumen saftig und vollmundig, mit kräftigem Körper und Struktur, hat Tiefe, wieder sehr würzig, Tannine sind noch präsent, aber bereits gut eingebunden, lebhaftes Frucht-Säure-Spiel im langen Nachhall.

Rotbeerige Aromen und reife Kirschen im Duft. Auch am Gaumen sehr saftige Frucht, mittelkräftiger Körper mit feingliedriger Struktur, zart schmelzig und nuancenreich, animierend und doch recht harmonisch balanciert, recht frisch im langen Finish.

Die genannten Weine kommen in den nächsten Wochen in den Verkauf. Keiner wird unter dreißig Euro kosten, so viel ist sicher.

Der Captain rät seinen Matrosen, sich auch einmal andere hervorragende Weine aus Italien anzusehen.



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Kommentare 17

Kommentare

el hottino enttäuscht...

aha. so ist das also... schad. na, aber schau - oder genauer gesagt kost - mer mal.

gips irgendwo die komplette liste der 120 verkosteten weine samt anmerkungen? wär sehr interessant...

liebe grüße an den captain!

lg

el hottino

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Erster Offizier

Beim Kollegen des Captain, Helmut O. Knall anklicken. Der Link unter dem Namen. Ich weiß aber nicht, ob er schon dazu gekommen ist, es einzustellen.

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el hottino

aha. hab ich schon geschaut, is noch nix. aber danke fürden hinweis!

lg

el hottino

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el hottino neugierig

btw: gips empfehlungen für die 04er riservas?

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Erster Offizier

Auch hier müsse wir an den Kollegen weiterleiten, der Captain hat noch nichts verkostet. Helmut Knall aber sagt, es ist ein guter Jahrgang mit lagerbaren Weinen. Und das fürs gleiche Geld, wie für die 2005er.

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Helmut O. Knall sonnig.

Einige Verkostungsnotizen sind schon veröffentlicht, alle werden es nie, weil in zwei Tagen über 400 Weine zur Verkostung anstanden, selbst wenn man wie ich beim Rosso di Montalcino 2008 nur ein paar Stichproben macht (sehr erfreulich übrigens), man bei den Riservas nur 20-30 verkostet (was bei der angebotenen Qualität ein schwerer Fehler gewesen sein dürfte), bleiben trotzdem noch knapp 150 Brunello di Montalcino, von denen ich ca. 60 seriös verkostet habe und nochmals ca. 60 nur mit Stichwort und Punkten. Mehr geht einfach nicht, da man zwischendurch immer wieder mal auf den Sommelier warten muss, der einem die Weine bringt etc.
Alles, was seriös verkostet wurde, wird in den nächsten Tagen nach und nach eingestellt - ist eine reine Zeitfrage.
Direktlink: http://snipurl.com/uhwm3 (Chianti, Vino Nobile und Brunello)

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Saarwein

Kann man da nicht gleich einfach schreiben der Jahrgang ist zu vergessen. Sind diese teuren Brunellos noch interessant, wenn das Jahr so schlecht war? Oder soll man gleich auf 2004 ausweichen?

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Helmut O. Knall

Ich sehe es nicht ganz so drastisch, wie der Captain. Und das so zu formulieren, wie Sie, ist eben nicht korrekt. Es gibt schon einige Brunello 2005, die richtig Trinkvergnügen bereiten, aber es sind eben nicht viele.

2004 war besser aber auch nicht wirklich gross. Die 2004er Riservas sind aber sehr fein - vergleichbar mit 2001, die jetzt gerade wunderbar zu trinken sind.

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mendez

Dann mal konkret nachgefragt: Soll ich einen der Weine kaufen, die hier gelistet sind? Oder sind sie in der Relation ihr Geld nicht Wert? Wie hoch ist das Trinkvergnügen, dass es dreißig Euro und mehr rechtfertigt. Und weil oben Soldera am Fass lehnt, was ist mit seinen Weinen? Waren die Mist?

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Helmut O. Knall ...???

Sorry, aber was du kaufst oder nicht - das ist schon deine eigene Entscheidung. Ich kann Weine beschreiben und bewerten, ich weiss meistens ja nicht einmal, was die kosten, weil es mich auch nicht interessiert. Es würde mich vermutlich auch nur beeinflussen.

Wenn du nach den Beschreibungen findest, das kann/will ich mir leisten, das will ich haben, dann gut so. Wenn nicht auch.

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el hottino ?

soldera.... steht noch auf meiner "to-drink-list"...
dafür muss man halt schon viel geld in die hand nehmen... sehr viel...

hat mal wer einen gerne auch subjekiven trinkbericht bei der hand?

danke im voraus...

el hottino

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el hottino durstig

ja ja... so ists mitn 2004 brunello... *hicks*

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mendez

Aha, hier gibt es eine Zensurbehörde

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Zahlmeister ... polizeilich

Richtig, Mendez. Kommentare mit beleidigendem Inhalt werden gelöscht. Das ist eine Frage des Stils und außerdem rechtlich vorgeschrieben.

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el hottino ...retourniert...

Melde mich aus Montalcino zurück an Bord.

Also, der Capanna ist echt die Wucht schlechthin. Auf Empfehlung von Helmut O. Knall war ich in der Bar Le Leccie hinterm Rathaus. Steht ein ca. 65 bis 70 Jahre alter Mann in Arbeitskluft hinterm Tresen und trinkt sein Seiterl.
Ich bestell mir einen Capanna (hatten die Offen), die Bedienung hat für mich eine neue Flasche geöffnet und reicht mir den Kostschluck und den Korken. Ich riech dran und schau mir den Wein an. Da bemerke ich, dass der Seiterltrinker neben mir ein auffälliges Interesse an meinem Geschnüffle zeigt. In meiner Not biete ich ihm unwillkürlich das Glas an, worauf mein Biertrinker in Gelächter ausbricht und dankend ablehnt. Die Kellnerin lacht ebenfalls und erklärt mir, mein Biertrinker sei Benito (senza Mussolini!!!!) Cencioni. Ihm gehöre das Weingut Capanna und das sei sein Wein, dem ich da das Glas unter die Nase halte... Und übrigens sei Benito der Presidente des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino...
Er hat mich dann für den nächsten Tag auf sein Weingut eingladen. Die Kellerführung war fantastisch und als Höhepunkt hats eine Fassprobe vom 2009`er Brunello gegeben. Soweit ich das beurteilen konnte, wird der 09 auch sehr gut.
Sehr überraschend war der Talenti 2005, herausragend, meiner Meinung nach, 2004 Riserva Pian del Conte die Entdeckung schlechthin.
Danke nochmals für die Capanna-Empfehlung!
lg
el hottino

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Helmut O. Knall ...schmunzelt.

Ja so was passiert dort immer wieder, deswegen (und weils wifi haben) habe ich das Le Logge einst spasshalber zum "Redaktionsbüro Toscana" erklärt. Früher oder später trifft man dort jeden...

Freut mich jedenfalls, wenn's gepasst hat.

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el hottino ...erfreut...

Nochmals vielen, herzlichen Dank für die Tipps... Diese haben mir wirklich weitergeholfen. Sonst wär ich vermutlich verzweifelt... Als ersten habe ich beispielsweise den Fattoi 05 verkostet. Nicht zum Trinken, ich hätte bei einer Blindverkostung den Wein als verdorben eingestuft. Ich habe mich dann etwas enger an Ihre Tipps gehalten und bin sehr gut gefahren.
Aber die Fassprobe vom 09`er Capanna werd ich wohl lange nicht mehr vergessen - hat mich auch einiges an Überredungskunst gekostet. Dürft dort unten nicht wirklich üblich sein, Fassproben ausm Gärkeller herzugeben.

Nochmals ein herzliches Dankeschön!

lg

el hottino

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