Der Karfreitag teilt das deutsch sprechende Volk. Der Süden arbeitet, der Norden macht blau. Ausnahmsweise verkehrte Welt. Nachdem die Ösis laborieren und der Captain ein gebürtiger Ösi ist, vergisst er auf den ihm zustehenden Feiertag (& wohl erworbene Rechte) und präsentiert seinen vierten Wein in der Wein-der-Woche-Woche, der Woche der vielen Weintipps.
Es ist ein Riesling vom VDP-Weingut St. Antony aus Nierstein in Rheinhessen. Der 2008er Ölberg, aus dem Jahr, dem der Captain kritisch gegenübersteht. Erst gestern trank er einen Brauneberger Juffer Kabinett vom VDP-Ausnahmewinzer Fritz Haag. Und ist seither in seiner Auffassung bestätigt, dass die "kleinen" 2008er getrunken gehören. Rasch. Ich weiß, hier gibt es Gegenrede.
Eine Gegenrede war immer, dass man die Kabinett-Weine nicht mit den Großen Gewächsen vergleichen könne. Vor allem 2008 nicht. Nun, da könnte etwas dran sein. Doch auch nach dem dreissigsten Großen Gewächs aus 2008 steht der Captain zu seiner Meinung, dass man diese Weine schneller trinken sollte, als verlautbart. Dem Captain fehlt der Druck hintennach. Das kann (muss nicht) später eine schale Angelegenheit werden.
Der Riesling Grosses Gewächs Ölberg von St. Antony ist ein dramatischer Wein. Der Wein kommt von einer Steillage mit zwei Flächen. Eine reine Südlage. Und eine Südostlage. So entstehen zwei Rieslinge, der eine kraftvoller, der andere finessenreicher und eleganter. Im Cuveé finden sie Ergänzung und Vollendung. Es ist ein Wein, der vom Önologen stark beeinflusst werden kann. Das ist in einem Jahr wie 2008 von Vorteil.
"Dramatischer" Riesling
So hat dieser mitteldunkle Saft zuerst nicht viel Spiel zu bieten. Deswegen gleich in die Karaffe mit ihm. Dort öffnet er sich augenblicklich. In der Nase Quitte, Honig, Pfirsich, Salz, etwas Botrytis, rote Erde, Eisenoxyd. Und auch schon die ersten Momente von Petrol, was auf eine kürzerere Lebensdauer hinweist. Der Boden prägt die Nase, er verschleiert die Frucht. Das ist ein mächtiger Wein, nichts für Einsteiger, ein Botschafter bester Machart, ein Kerl mit Eiern.
Bleiben wir bei der Nase. Denn die ändert sich nach einer Stunde Karaffe dramatisch. Dieser Wein ist ein Erlebnis, eine Inszenierung in mehreren Akten. Jetzt kommt das Kraut, die Wiese: Estragon, Eibisch, Basilikum, Würze, Kräuter, auch Pfeffer und Orangenzeste. Und wieder ein bisschen Botrytis.
Im Mund dann etwas roter Apfel, erneut Pfirsich. Aber dann Terroir, hohe Mineralität, Wucht. Fette, Nachhall, Stärke, Existenz, Gewicht. Zurückhaltende Säure. Die ist hoch, aber gut abgefedert. Ein großes Glas ist angeraten.
Der Captain sagt: Kaufen und einlagern. Aber schon nächstes Jahr trinken. Und dann ein paar Flaschen länger weglegen. Eventuell wird das eine Überraschung. Eine sehr große Überraschung. Jetzt ist es ein großer Wein, später eventuell einer der größten des Jahrgangs.
- Riesling Ölberg 2008 von St Antony (Kellermeister Felix Peters, 13,5 % Alkohol) für 21,90 Euro bei WeinArt.
- Der St. Antony Blog hosted by Florian Jungbauer
Der Captain hört die Curbs mit Spare Parts.
Morgen früh zieht der Captain den Gewinner des März-Gewinnspiels. Und dann macht er bis Dienstag Osterurlaub.
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Dicht am Dorf: Die Lage Ölberg. 








Tolle Lage, tolle Weine. So macht Rheinhessen Spaß!