So eine Weinmesse ist anstrengend. Und auch nicht schön. Aber Messen sind nie schön, nüchterne Gelände, fades Interieur, verstopfte Toiletten. Bei der Prowein in Düsseldorf war immerhin die Stimmung gut. Eine einzige Wiedersehensfeier. Wie jedes Jahr.
Wichtiger waren da schon die zahlreichen Rahmenveranstaltungen am Abend, wo man dem Captain (und allen anderen Weinschreibern) viele neue (und zahlreiche bekannte) Weine vorsetzte. Da sind einige Entdeckungen darunter, die demnächst als Wein der Woche eingestellt werden. Der Captain bürstet gegen den Strich.
Bei diesen Rahmenveranstaltungen gab es auch einiges zu reden. Und der Captain wurde mit Hintergrundinformationen versorgt, die seinen Matrosen, als Konsumenten, eigentlich egal sein können. Trotzdem lassen sich aus diesen Informationen fünf Schlüsse ziehen, die der Captain hier zur Diskussion stellt.
1.) Autochthon ist heute. Ist gestern
Bei vielen Händlern hat sich ein gewisser Überdruss über den unbedingten Trend zu regionalen und autochthonen Weinen breit gemacht. Das gilt vor allem für jene Weine, die auf der Welle eher reiten, als sie zu verkörpern. Das macht sich vor allem bei sizilianischen und süditalienischen Produkten bemerkbar. Und bei den Preisen, die man dafür verlangen will.
2.) Spanien ist das Griechenland der Weinwelt
Spanien hat irre Überproduktionen im Keller liegen und muss auch qualitativ hochwertige Weine um kleines Geld loswerden. Das betrifft vor allem die Rioja, Ribera del Duero und Penedes. Weniger die neu in Erscheinung tretenden Randregionen. Und auch nicht die noch unbekannten autochthonen Sorten, vor allem nicht Weißwein.
Für den Konsumenten bedeutet das, dass in den nächsten Monaten offenbar vermehrt gute spanische Weine für weniger als zehn Euro zu haben sein werden. Diese Entwicklung hat ja schon letztes Jahr begonnen, scheint sich aber dieses Jahr dramatisch zu verstärken.
3.) Südafrika findet Gefallen
Man merkt es überall: Die südafrikanischen Weine sind zumindest im Gerede. Daran ist auch die Fussball-WM in diesem Jahr schuld, es gibt kein besseres Marketinginstrument. Bei den Verkostungen auf der Prowein fiel dem Captain aber das Erstaunen über die Qualität mancher hochwertigen südafrikanischen Weine auf. Und auch die Freude über das gute Preis-Leistung-Verhältnis. Der Captain jedenfalls beobachtete zwei große Kaufabschlüsse aus nächster Nähe.
4.) Frankreich im Abseits
Dem Captain fiel auf, wie sehr vor allem die französischen Weine dieses Jahr im Abseits standen. Wenig los bei Elsaß und Languedoc. Frankreichs Weine, so denkt der Captain, verrecken in der Tradition. Keine moderne Kreation in Sicht, das Regionale mit einer gewissen Widerborstigkeit verkauft. Dieser Charme mag vor Jahren angenehm gewesen sein, jetzt wirkt er irgendwie aus der Welt gestellt. Frankreich hatte auf dieser Prowein verdammt wenig zu bieten.
5.) Weniger Besucher
Dem Captain schien es, als wären dieses Jahr etwa 20 % weniger Besucher auf der Prowein. Es war mitunter schütter in den Hallen. Die Abendveranstaltungen hingegen waren wie jedes Jahr brechend voll. Einige Winzer vermissten vor allem die Gastronomen an den Ständen - offenbar ein Zeichen der Krise. Und überall (außer bei einigen wenigen Betrieben) war von Rückgängen zu hören. Ein bedeutender italienischer Winzer überlegt sogar, sein Weingut in sechs neue Boutiqueweingüter aufzuteilen und sechs neue Marken zu entwickeln. Nur so, denkt er, kann er künftig seine 1,6 Mio. Flaschen losschlagen. Der Captain ist skeptisch.
Und noch eine Anmerkung: Der Wine-Award der siechen Zeitschrift "Feinschmecker" ging dieses Jahr (in der Kategorie "Weinlegende") an den Grange 2004 von Penfolds. Das mag zwar ein guter Wein sein, die Auszeichnung von Grange ist aber ebenso langweilig, wie der Meininger-Award (Verleger der Zeitschrift Weinwelt) an Michel Rolland, dem "Parker"-Önologen. Hier fällt man vor den Stars der Branche und vor der Weinindustrie auf die Knie. Kein Wunder, die Inserate fehlen, die Käufer flüchten.
Auch der Feinschmecker-Award an den kratzbürstigen Felsina-Winzer Giuseppe Mazzocolin (Kategorie "Winzer des Jahres") ist nicht besonders originell. Hier war wohl auch die Videobotschaft von Ex-Kanzler Schröder ausschlaggebend.
Wenn die deutsche Weinpresse weiterhin auf die Verehrung von Altbewährtem setzt und nicht die Kräfte der Erneuerung gebührend ins Licht stellt (ohne freilich die Leistungen der großen alten Winzer schmälern zu wollen), dann schaufelt sie brav ihr eigenes Grab. Frei nach dem Spruch: "Wann kommt der Bus mit den Leuten, die das noch interessiert?"







Wenig los beim Franzos... 






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bürstet gegen den Strich