Es hat einen Aufschrei gegeben. Das erkennt man an den Leserreaktionen. Es hat einen Aufschrei gegeben, als der Captain Anfang letzten Monats Thomas Offner zum Winzer des Monats machte. Einen No-Name. Und das nach Michael Mondavi, einem richtigen Namen im Weinbusiness. Was war da in den Captain gefahren?
Nun, der Captain entscheidet eben nicht, wie einige andere Weinjournalisten, nur nach persönlichem Geschmack und Favoritendenken. Der Captain entscheidet ausschließlich im Sinne des Konsumenten. Hat der Winzer etwas Aussergewöhnliches zu bieten, so ist er Kandidat für den Winzer des Monats. Und auch für den Winzer des Jahres im Dezember.
Auch der Winzer des Monats März wird manche Leute verwundern, denn es ist Martin Korrell vom gleichnamigen Weingut (mit Zusatz Johanneshof) an der Nahe. Im gleichen Atemzug ist hier auch seine Frau Britta zu nennen, die sich mit ebenbürtiger Kraft für das Werk einsetzt.
Die Korrells sind Nachfahren spanischer Einwanderer (bei Martin Korrell ist das, nach Meinung des Captains, noch gut sichtbar), die über Generationen eine Mischwirtschaft geführt haben. Wein war nicht das erste Anliegen. Das ist mitunter ein Nachteil in einer Gegend, wo altehrwürdige Winzer seit Jahrhunderten Weinbau betreiben. Berühmt guten Weinbau.
Martins Vater, Wilfried Korrell, stellte den Betrieb erst 1967 gänzlich auf Wein um. Vater und Sohn (der Sohn ist für den Keller verantwortlich) sind keine Freunde von Experimenten. Der Wein wird in der konservativen Moderne ausgebaut. Die Weißweine bekommen ordentlich Kontakt mit der Maische, die Rotweine vergären im Stahltank und reifen in verschiedenen Fässern verschiedener Größe. Wenig Barriques.
Korrells irre Sortenvielfalt
Eine Besonderheit des Weinguts Korrell ist die Sortenvielfalt. Zwar dominiert der Riesling, doch finden sich nebene dem deutschesten aller Weine auch noch Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder, Müller-Thurgau, Frühburgunder, Gewürztraminer, Silvaner, Muskateller und Scheurebe auf den Stöcken. Möglichkeiten, die erst Martin Korrell richtig zu nutzen weiß.
So entstehen neben einem übergroßen Sortiment durchschnittlicher Nebensächlichkeiten (Tresterbrand und Winzersekt) gut gemachte und sehr schmackhafte Weine für den Alltag, die der Captain oft schmerzlich vermisst, wenn ihm danach ist, eine gute Flasche Wein aufzureißen, die seinen strengen Zahlmeister nicht wieder am Rand des Nervenzusammenbruchs führt.
Die Böden der Korrells sind von Vulkangestein, Tonmergel, Sandstein und Muschelkalk geprägt. Deswegen ist die Mineralik sehr ausgewogen, um nicht zu sagen zurückhaltend. Gut zu merken beim wuchtigen Riesling "Kreuznacher Paradies", dem Paradewein des Hauses. Der 2007er Paradies ist ein kräftiger Wein mit Steinobstanklängen und hoher Eeleganz. Noch lange lagerfähig, meint der Captain.
Und für 13,50 Euro (ab Weingut) ein echter Bringer. Liegt schon im Keller. Auch vom ganz normalen Gutsriesling ist noch einiges vom jetzt gut trinkbaren 2007er vorhanden. Für 4,50 Euro. Freundlicher kann man die Ware nicht kalkulieren. Der Captain rät vor allem seinen österreichischen Lesern hier einen Ausflug in die hervorragende deutsche Weinwelt zu wagen. Der Eintrittspreis ist sehr gering.
Es ist bekannt, dass der Captain das Weinjahr 2008 in Deutschland eher kritisch beurteilt. Vor allem die Rotweine. Doch Korrells Frühburgunder "Johannes K" ist ein leichtgewichtiger und fruchtiger Wein, mit Noten von Zwetschke und Himbeere, der durch seine Eleganz besticht. Und es ist ein Wein, den man schnell und leicht leert. Mit Vergnügen.
Und Vergnügen bereiten fast alle Korrell Weine (also jene, wo man das Werken des Kellermeisters auch merken soll), keiner ragt in die Himmel der großen deutschen Winzer. Doch keiner muss sich verstecken. Jeder Wein zeigt, dass da vor allem der Gedanke Vater ist, den Konsumenten glücklich zu machen. Und nicht eigene Sonderwege zu gehen, die nur Weinpäpste zufriedenstellen.
Das soll keine Kritik an grübelnden Winzern sein, an Sonderlingen, die nicht zu ersetzen sind. Mitnichten. Aber es soll den Scheinwerfer auf jene Winzer richten, in diesem Fall Martin Korrell, die ihr Streben der Herstellung nahzu perfekter Alltagsware widmen. Alltagsware, die noch dazu erhältlich und abrufbar ist. Hier ruht die Mitte, schlägt das Herz.
Morgen dann der Wein der Woche, ebenfalls von Korrell, ein Preis-Leistungshammer, wie man ihn selten findet.
Weingut Korrell, Bad Kreuznach, www.korrell.com
Der Captain empfiehlt außerdem auch weitere Weine aus Deutschland.







Der Schnee ist weg, im Weingarten naht das Frühjahr 





Soll jetzt nix heißen - aber wie kommt es, dass beim Captain manche Winzer einfach so verdammt gut aussehen...?