01.03.10 WEINLEUTE 11 Einem Freund senden

Winzer des Monats: Martin Korrell

Der Schnee ist weg, im Weingarten naht das FrühjahrDer Schnee ist weg, im Weingarten naht das Frühjahr

Es hat einen Aufschrei gegeben. Das erkennt man an den Leserreaktionen. Es hat einen Aufschrei gegeben, als der Captain Anfang letzten Monats Thomas Offner zum Winzer des Monats machte. Einen No-Name. Und das nach Michael Mondavi, einem richtigen Namen im Weinbusiness. Was war da in den Captain gefahren?

Nun, der Captain entscheidet eben nicht, wie einige andere Weinjournalisten, nur nach persönlichem Geschmack und Favoritendenken. Der Captain entscheidet ausschließlich im Sinne des Konsumenten. Hat der Winzer etwas Aussergewöhnliches zu bieten, so ist er Kandidat für den Winzer des Monats. Und auch für den Winzer des Jahres im Dezember.

Auch der Winzer des Monats März wird manche Leute verwundern, denn es ist Martin Korrell vom gleichnamigen Weingut (mit Zusatz Johanneshof) an der Nahe. Im gleichen Atemzug ist hier auch seine Frau Britta zu nennen, die sich mit ebenbürtiger Kraft für das Werk einsetzt.

Die Korrells sind Nachfahren spanischer Einwanderer (bei Martin Korrell ist das, nach Meinung des Captains, noch gut sichtbar), die über Generationen eine Mischwirtschaft geführt haben. Wein war nicht das erste Anliegen. Das ist mitunter ein Nachteil in einer Gegend, wo altehrwürdige Winzer seit Jahrhunderten Weinbau betreiben. Berühmt guten Weinbau.

Martins Vater, Wilfried Korrell, stellte den Betrieb erst 1967 gänzlich auf Wein um. Vater und Sohn (der Sohn ist für den Keller verantwortlich) sind keine Freunde von Experimenten. Der Wein wird in der konservativen Moderne ausgebaut. Die Weißweine bekommen ordentlich Kontakt mit der Maische, die Rotweine vergären im Stahltank und reifen in verschiedenen Fässern verschiedener Größe. Wenig Barriques.

Korrells irre Sortenvielfalt

Eine Besonderheit des Weinguts Korrell ist die Sortenvielfalt. Zwar dominiert der Riesling, doch finden sich nebene dem deutschesten aller Weine auch noch Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder, Müller-Thurgau, Frühburgunder, Gewürztraminer, Silvaner, Muskateller und Scheurebe auf den Stöcken. Möglichkeiten, die erst Martin Korrell richtig zu nutzen weiß.

So entstehen neben einem übergroßen Sortiment durchschnittlicher Nebensächlichkeiten (Tresterbrand und Winzersekt) gut gemachte und sehr schmackhafte Weine für den Alltag, die der Captain oft schmerzlich vermisst, wenn ihm danach ist, eine gute Flasche Wein aufzureißen, die seinen strengen Zahlmeister nicht wieder am Rand des Nervenzusammenbruchs führt.

Die Böden der Korrells sind von Vulkangestein, Tonmergel, Sandstein und Muschelkalk geprägt. Deswegen ist die Mineralik sehr ausgewogen, um nicht zu sagen zurückhaltend. Gut zu merken beim wuchtigen Riesling "Kreuznacher Paradies", dem Paradewein des Hauses. Der 2007er Paradies ist ein kräftiger Wein mit Steinobstanklängen und hoher Eeleganz. Noch lange lagerfähig, meint der Captain.

Und für 13,50 Euro (ab Weingut) ein echter Bringer. Liegt schon im Keller. Auch vom ganz normalen Gutsriesling ist noch einiges vom jetzt gut trinkbaren 2007er vorhanden. Für 4,50 Euro. Freundlicher kann man die Ware nicht kalkulieren. Der Captain rät vor allem seinen österreichischen Lesern hier einen Ausflug in die hervorragende deutsche Weinwelt zu wagen. Der Eintrittspreis ist sehr gering.

Es ist bekannt, dass der Captain das Weinjahr 2008 in Deutschland eher kritisch beurteilt. Vor allem die Rotweine. Doch Korrells Frühburgunder "Johannes K" ist ein leichtgewichtiger und fruchtiger Wein, mit Noten von Zwetschke und Himbeere, der durch seine Eleganz besticht. Und es ist ein Wein, den man schnell und leicht leert. Mit Vergnügen.

Und Vergnügen bereiten fast alle Korrell Weine (also jene, wo man das Werken des Kellermeisters auch merken soll), keiner ragt in die Himmel der großen deutschen Winzer. Doch keiner muss sich verstecken. Jeder Wein zeigt, dass da vor allem der Gedanke Vater ist, den Konsumenten glücklich zu machen. Und nicht eigene Sonderwege zu gehen, die nur Weinpäpste zufriedenstellen.

Das soll keine Kritik an grübelnden Winzern sein, an Sonderlingen, die nicht zu ersetzen sind. Mitnichten. Aber es soll den Scheinwerfer auf jene Winzer richten, in diesem Fall Martin Korrell, die ihr Streben der Herstellung nahzu perfekter Alltagsware widmen. Alltagsware, die noch dazu erhältlich und abrufbar ist. Hier ruht die Mitte, schlägt das Herz.

Morgen dann der Wein der Woche, ebenfalls von Korrell, ein Preis-Leistungshammer, wie man ihn selten findet.

Weingut Korrell, Bad Kreuznach, www.korrell.com

Der Captain empfiehlt außerdem auch weitere Weine aus Deutschland.

 



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Kommentare 11

Kommentare

Mister Spuck ... rätselt

Soll jetzt nix heißen - aber wie kommt es, dass beim Captain manche Winzer einfach so verdammt gut aussehen...?

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mendez

Das ist doch irgendein durchschnittliches PR Foto, noch dazu schlecht bearbeitet.

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mendez

Ich mag die Selbstbezogenheit der Seite nicht. Dennoch ist sie zu begrüßen. Man muss nicht immer über alles jubeln.

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Mister Spuck ... gebildet

Mendez ist hier am Schiff so etwas wie Dreifuß auf dem Piratenschiff, das in den Asterix-Heftchen herumkreuzt. Jener Greis mit Holzbein, der herumnörgelt und lateinische Kalendersprüche zitiert. Bildungsnachschub: http://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_aus_Asterix#Die_Piraten

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Andreas Heck erfreut

Lieber Captain!

Vielen lieben Dank dafür! Das ist es doch, was das Thema Wein und den Weinkonsum spannend macht: Neuentdeckungen! Nichts gegen die großen Namen. Die liegen im Keller, die offeriert man stolz und selbstsicher den Freunden. Aber der Weinfreak sehnt sich ständig nach dem Ungewöhnlichen, Unbekannten, Spannenden, Überraschenden ... und gerne auch nach Weinen, die in Sachen Preis-Leistung ein Lächeln um die Mundwinkel zaubern ... und diesbezüglich, lieber Captain, ist Dein Blog eine unerschöpfliche Quell'.
Bitte immer weiter so!

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Der Captain

Der Captain ist von Bord und lässt sich am Gendarmenmarkt die Haare schneiden. Aber herzlichen Dank für das Lob.

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Mazze Neidisch auf´s PR Foto

Nach den Diskussionen um Gerard Depardieu und Konsorten frage ich mich mich schon warum ein deutscher Winzer NICHT wie ein Musical-Star aussehen soll.

Kruzifix. (An Bord darf geflucht werden!) MM

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Matthias Dathan (via facebook)

hab ich schon seit 1997 auf den Weinkarten der Restaurants gelistet, in welchen ich tätig bin, Super Entwicklung!

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Matthias Dathan (via facebook)

unbedingt den Muskateller probieren, ein sprizig fruchtiger Apero oder einfach nur zum Zischen!

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Franz Schneider (via facebook)

Die Korrell Weine liebe ich schon seit Jahren ... gibt´s seit kurzen auch in Wien (Riemergasse 6).

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