02.03.10 WEINE 10 Einem Freund senden

Wein der Woche: Sehr, sehr Sauternes

Nichts gegen ein bisschen flüssiges Gold aus dem Schiffsbauch des CaptainNichts gegen ein bisschen flüssiges Gold aus dem Schiffsbauch des Captain

Wie nicht anders zu erwarten, erntete die Entscheidung des Captain Martin Korrell zum Winzer der Monats März zu machen, einiges Kopfschütteln. Zwar keine Empörung, wie beim Winzer des Monats Februar, Thomas Offner, den man die Berufsbezeichnung absprechen wollte. Aber Kopfschütteln.

Freundliches Kopfschütteln zwar, denn man kenne die Weine Korrells und man möge den Winzer, der in den letzten Jahren ja eine stete Aufwärtsbewegung garantierte. Aber man könne keinen Wein erkennen, der den Titel eines "Winzer des Monats" rechtfertige. So gerate diese Auszeichnung zum Witz, schrieb gestern ein recht berühmter deutscher Winzer dem Captain.

Aber es ist dem Captain ernst mit dieser Entscheidung, mit beiden Entscheidungen. Offner steht für eine neue Bewegung prekärer Winzer, die pachten und kaufen und aus dem Tagwerk anderer Ihr Produkt gestalten. Korrell steht für den enorm wichtigen Mittelbau, der leistbare Weine produziert und sich langsam an die Spitze vorarbeitet.

An eine individuell erkannte Spitze und nicht nur an die Spitze vorgegebener Wettbewerbe. Zudem kalkuliert Korrell ungeheuer fair und erkennt damit, dass die Sonne den Zenit längst überschritten hat. Guter deutscher Wein muss in der Mitte der Gesellschaft ankommen (so wie die national-regionalen Produkte in Frankreich und Italien) und sollte mindere Qualitäten der Weinindustrie verdrängen. Das garantiert ein gesundes Geschäft.

Wein der Woche: Internationale Eleganz von Martin Korrell

Wie schon gestern erwähnt, zeichnen sich die Weine Martin Korrells durch ihre konservative Moderne aus. Das heißt, dass Korrell auf Frucht und Stil mehr Wert legt, als auf Terroir und Region (wiewohl er beides nicht ausschließt). Korrell arbeitet also gegen den gegenwärtigen Trend unbedingter Autochtonie, sondern setzt auf eine immer schon akzeptierte internationale Stilistik, auf breite Verständlichkeit. Anders gesagt: Korrell schreibt Beatles-Songs. Und keine wie die von Radiohead.

Der Wein der Woche stellt dies unter Beweis. Es ist die Beerenauslese 2005 des Weingutes Korrell, eine Auslese aus Weiß- und Grauburgunder (7 % Alkohol, 186g Restzucker). Der Wein wuchs nicht im direkten Kreuznacher Bereich, also wurzeln die Stöcke in Ton und Muschelkalk. Korrell legt die Säfte für zwischen zehn Monate und ein Jahr in kleine Barriques.

Wein der Woche: Die goldene Mitte

In der Nase ein Duft nach roten Äpfeln und ein bisschen kandiertem Ingwer. Dann selbstverständlich der Röstton der Fässer, hier aber keine Spur von Überzeichnung. Im Gegenteil, eine punktgenaue Landung im Kreis der weltläufigen Eleganz. Und da sind wir schon beim Kleingeld dieses Weines: Er riecht und schmeckt wie ein sehr guter französischer Süßwein. Wäre nicht die Cuveé eine völlig andere, als jene im Sauternes (Sémilon, Sauvignon Blanc und manchmal Muscadelle), man wäre versucht, den Wein in dieser berühmtesten aller Süßweingegenden abzuspeichern.

Den Gaumen dominiert dann noch einmal der Grauburgunder, diese schwierige und anfällige Sorte, die besonders in Deutschland unter den Klimaschwankungen leiden kann. Der Weißburgunder stabilisiert die Kraft der Cuvée und bring zum unglaublich eleganten Fassgeschmack noch ein paar Haselnusstöne mit. Cremig, kräftig, vollmundig, elegant, langer Nachhall, echter Trinkspaß, wenig Alkohol, geringe Säure: Der Wein hat also alles, was ihn alltagstauglich schlürfbar macht.

Wein der Woche: Günstig und gut

Und dann sein Preis: Ab Hof kostet die 0,375 Liter Flasche nur 15,50 Euro. Das ist recht wenig für einen Wein dieser Stilistik und hoher Eleganz. Korrells Beerenauslese ist eine Art Einstiegsdroge in die Welt der Süßweine internationaler Stilistik. Mit einem Tokajer von Istvan Szepsy, mit einem Traminer von Gerhard Kracher, oder mit einer Elsässischen Vendange Tardive kann man diesen Wein sicher nicht vergleichen. Aber mit einem Chateau Rieussec sicher. Und das ist schon sehr viel. Sehr viel für wenig Geld

Beerenauslese Johanneshof Korrell 2005 für 15,50 Euro vom Weingut direkt.

Dazu hört der Captain die hervorragende neue Gorillaz Nummer Stylo mit Bruce Willis, dem alten geilen Sack

Der Captain weiß noch mehr über Weine aus Deutschland zu berichten. Außerdem lohnt sich auch ein Blick auf die anderen Weine der Woche.

 



DruckversionPDF-VersionEinem Freund senden Share this
Kommentare 10

Kommentare

Christian Schörkhuber (via facebook)

Süßwein - typisch deutsch. brrr

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Erster Offizier (via facebook)

Eben nicht. Sie meinen Weine mit mittlerer Restsüße. Die sind tatsächlich typisch deutsch, das hat klimatische Gründe. Aber was sie wohl wirklich meinen, sind aufgezuckerte Rieslinge, wie man sie früher oft bekommen hat. Und die gibt es nun wirklich kaum mehr.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
el hottino grmpfelig

nananananannana... der ruster ausbruch wird - wenn ich mich richtig erinnere, aber derschlagts mich bitte nicht - erstmals im jahre 1516 urkundlich erwähnt. und rust liegt nich in deutschland und lag auch nie in deutschland - wenn man vom heiligen römischen reich deutscher nation und der unseligen zeit vor `45 mal absieht, aber das führt zu weit. insoferne muss man wohl davon ausgehen, dass süssweine in österreich eine laaaaaaaaaange tradtion haben und daher wohl eher typisch österreisch sind...

oder?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Brigitte (via facebook)

Ich kann das leider auch nicht trinken.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain (via facebook)

Noch nie einen Kracher getrunken?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Brigitte (via facebook)

Klar habe ich ein paar Mal Kracher probiert, und der erste Schluck ist auch ok. Aber ab dem 2. beutelt es mich. Naja, muss ja nicht sein.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
el hottino belustigt

ist wohl eine frage der quantität. echte süssweine trink ich ausgesprochen gerne. die letzte zählung in meinem keller hat 95 flaschen ba aufwärts ergeben. aaaaaaber mehr als ein oder zwei sechzehntel gehen zumeist nicht. verpickt den magen...

aber so zum dessert oder gereiftem käse... hmmmmmmm... gibt kaum besseres!!!

*indenkellergehundeineflascheeisweinvomheiss99raufhol*

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Kristina Wolf (via facebook)

Perfekte Begleiter zu scharf Gewürztem, Käse (strenge, sehr aromatische) oder einfach ein toller Abschluss (oder wie der Captain es vorführt - auch gerne solo)
Kann ich nur empfehlen das mal auszuprobieren.
Und Süsswein ist bitte nicht mit lieblichen Weinen zu verwechseln.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
riesling|blog

Jaja, die pöhsen, pöhsen "milden, lieblichen" Weine! Untrinkbar das... Dass diese Weine mittlerweile eine echte Tradition besitzen (rund mehr als 50 Jahre), in aller Welt geschätzt werden, zum klassischen Trinkkanon der anglophonen Länder gehören und leicht gereift eine unschlagbare, alkoholarme Aperitif-Alternative zu Champus & Co. darstellen, wird da gerne zugunsten irgendwelcher chauvinistischen Trinkgepflogenheiten übergangen. Sei's drum: bei mir jedenfalls liegen J.J. Prüm und Knoll einträchtig nebeneinander! | http://riesling.blogg.de |

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Thomas P. Offner sehr entspannt dem Abend entgegen schauend

Der Wi/e/nzer gratuliert dem Kollegen "Winzer" und freut sich schon sehr auf ein erstes Treffen mit Weinaustausch!

Alles Liebe, alles Gute und viel Glück!
TPO

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  

Kommentar hinzufügen


Neuen Kommentar schreiben
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Sicherheitsabfrage
Matrose, beantworten Sie bitte die unten stehende Frage. Ihre korrekte Antwort behindert automatische Störporgramme gegen das Schiff.
Bild-CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
* = Pflichtfeld