Wie nicht anders zu erwarten, erntete die Entscheidung des Captain Martin Korrell zum Winzer der Monats März zu machen, einiges Kopfschütteln. Zwar keine Empörung, wie beim Winzer des Monats Februar, Thomas Offner, den man die Berufsbezeichnung absprechen wollte. Aber Kopfschütteln.
Freundliches Kopfschütteln zwar, denn man kenne die Weine Korrells und man möge den Winzer, der in den letzten Jahren ja eine stete Aufwärtsbewegung garantierte. Aber man könne keinen Wein erkennen, der den Titel eines "Winzer des Monats" rechtfertige. So gerate diese Auszeichnung zum Witz, schrieb gestern ein recht berühmter deutscher Winzer dem Captain.
Aber es ist dem Captain ernst mit dieser Entscheidung, mit beiden Entscheidungen. Offner steht für eine neue Bewegung prekärer Winzer, die pachten und kaufen und aus dem Tagwerk anderer Ihr Produkt gestalten. Korrell steht für den enorm wichtigen Mittelbau, der leistbare Weine produziert und sich langsam an die Spitze vorarbeitet.
An eine individuell erkannte Spitze und nicht nur an die Spitze vorgegebener Wettbewerbe. Zudem kalkuliert Korrell ungeheuer fair und erkennt damit, dass die Sonne den Zenit längst überschritten hat. Guter deutscher Wein muss in der Mitte der Gesellschaft ankommen (so wie die national-regionalen Produkte in Frankreich und Italien) und sollte mindere Qualitäten der Weinindustrie verdrängen. Das garantiert ein gesundes Geschäft.
Wein der Woche: Internationale Eleganz von Martin Korrell
Wie schon gestern erwähnt, zeichnen sich die Weine Martin Korrells durch ihre konservative Moderne aus. Das heißt, dass Korrell auf Frucht und Stil mehr Wert legt, als auf Terroir und Region (wiewohl er beides nicht ausschließt). Korrell arbeitet also gegen den gegenwärtigen Trend unbedingter Autochtonie, sondern setzt auf eine immer schon akzeptierte internationale Stilistik, auf breite Verständlichkeit. Anders gesagt: Korrell schreibt Beatles-Songs. Und keine wie die von Radiohead.
Der Wein der Woche stellt dies unter Beweis. Es ist die Beerenauslese 2005 des Weingutes Korrell, eine Auslese aus Weiß- und Grauburgunder (7 % Alkohol, 186g Restzucker). Der Wein wuchs nicht im direkten Kreuznacher Bereich, also wurzeln die Stöcke in Ton und Muschelkalk. Korrell legt die Säfte für zwischen zehn Monate und ein Jahr in kleine Barriques.
Wein der Woche: Die goldene Mitte
In der Nase ein Duft nach roten Äpfeln und ein bisschen kandiertem Ingwer. Dann selbstverständlich der Röstton der Fässer, hier aber keine Spur von Überzeichnung. Im Gegenteil, eine punktgenaue Landung im Kreis der weltläufigen Eleganz. Und da sind wir schon beim Kleingeld dieses Weines: Er riecht und schmeckt wie ein sehr guter französischer Süßwein. Wäre nicht die Cuveé eine völlig andere, als jene im Sauternes (Sémilon, Sauvignon Blanc und manchmal Muscadelle), man wäre versucht, den Wein in dieser berühmtesten aller Süßweingegenden abzuspeichern.
Den Gaumen dominiert dann noch einmal der Grauburgunder, diese schwierige und anfällige Sorte, die besonders in Deutschland unter den Klimaschwankungen leiden kann. Der Weißburgunder stabilisiert die Kraft der Cuvée und bring zum unglaublich eleganten Fassgeschmack noch ein paar Haselnusstöne mit. Cremig, kräftig, vollmundig, elegant, langer Nachhall, echter Trinkspaß, wenig Alkohol, geringe Säure: Der Wein hat also alles, was ihn alltagstauglich schlürfbar macht.
Wein der Woche: Günstig und gut
Und dann sein Preis: Ab Hof kostet die 0,375 Liter Flasche nur 15,50 Euro. Das ist recht wenig für einen Wein dieser Stilistik und hoher Eleganz. Korrells Beerenauslese ist eine Art Einstiegsdroge in die Welt der Süßweine internationaler Stilistik. Mit einem Tokajer von Istvan Szepsy, mit einem Traminer von Gerhard Kracher, oder mit einer Elsässischen Vendange Tardive kann man diesen Wein sicher nicht vergleichen. Aber mit einem Chateau Rieussec sicher. Und das ist schon sehr viel. Sehr viel für wenig Geld
Beerenauslese Johanneshof Korrell 2005 für 15,50 Euro vom Weingut direkt.
Dazu hört der Captain die hervorragende neue Gorillaz Nummer Stylo mit Bruce Willis, dem alten geilen Sack
Der Captain weiß noch mehr über Weine aus Deutschland zu berichten. Außerdem lohnt sich auch ein Blick auf die anderen Weine der Woche.







Nichts gegen ein bisschen flüssiges Gold aus dem Schiffsbauch des Captain 





Süßwein - typisch deutsch. brrr