Ja, ja, der Chinese wird uns alle retten. Er entwickelt eine Mittelschicht und die Mittelschicht trinkt dann alle europäischen Weine weg, sodass den Europäern die billigen Weine aus China bleiben. Oder die Überschussproduktionen aus Australien. So wird es kommen.
Das glaubt der Captain nicht wirklich. Denn mit dem Platzen der chinesischen Immobilienblase im Herbst 2010 tritt die Weltwirtschaft in die zweite, viel bedeutendere Krise ein. Und dazu dann Peter Fox mit "Alles Neu". Der Captain glaubt: Es wird so kommen.
Dann geht uns allen das Geld aus und gegen die Depression hilft nur Trinken. Aber natürlich nicht billigen Fusel, sondern nur gut gemachte, saubere und individuelle Weine. Wenn möglich aus lokaler und lokalnaher Produktion (also um die Ecke vom Wirtshaus gekeltert). Ein solcher Wein ist der dieswöchige Wochenwein, der überraschend gute Spätburgunder Bischofskreuz 2007 von Schäffer & Zeter.
Schäffer & Zeter (Andreas Schäffer, Oliver Zeter und Christian Zeter) sind junge Winzer und Weinmacher an der pfälzischen Weinstrasse. Andreas Schäffer musste sich mit seiner Ansicht von modernen Weinbau offenbar gegen seine Eltern durchsetzen (so kann man es etwas verschlüsselt auf der Homepage lesen); ein Generationenkampf Masse gegen Qualität, der in Deutschland und Österreich nach dem Weinskandal 1985 in vielen Betreiben stattfand. Die Qualität hat gewonnen.
Winzer und Weinmacher: Bei diesem Spätburgunder sind Schäffer & Zeter eher Weinmacher, denn der Wein wird aus Traubenzukäufen gekeltert, wobei man davon ausgehen kann, dass die liefernden Winzer aus Nussdorf auf einen Qualitätsstandard eingeschworen wurden. Das merkt man am Wein.
Terroir und Traube sind Geschwister. Und der Weinmacher ist Kriegsminister.
Die Rebstöcke sind eher jung (10 Jahre), daher ist der Wein sehr fruchtig und floral. Nach der Gärung wurde ein Drittel des Weines in neuen und gebrauchten Barriques gelagert. Der Spätburgunder Bischofskreuz ist kein experimenteller Wein.
Diesem sicheren Weinmachen setzten die Weinmacher eine sehr individuelle Note entgegen. Es ist klar, dass hier Traube gegen Terroir zu kämpfen hat, dass beide gegeneinander antreten müssen und die Weinmacher den Ringrichter machen. Freien Lauf. Und dann rechtzeitiges Einschreiten.
In der Nase gleich die erste Runde dieses Fights. Wunderbare florale Noten, Kirsche, Weichsel, etwas Cassis gegen Teer, Rauch, alte hölzerne Eisebahnschwellen und Lapsang-Souchong-Tee. Ein Nasenwein, man kann minutenlang daran schnüffeln und begeistert bleiben.
Im Mund die zweite Runde: Tomaten, grüne Kräuter, Rauke gegen fast feiste Mineralität und Eisenbahngleise. Aber immer lecker. Sehr lecker. Der Wein bleibt auch nach Stunden noch präsent und kräftig. Es handelt sich aber um einen deutlich nördlichen Wein. Kraft und Eleganz können (und müssen) nicht gegen die noble Kälte im Abgang wirken. Alles spricht für sich.
Der Captain empfiehlt diesen Spätburgunder als Alltagswein. Er macht die Enttäuschungen vergessen, die man beim Kauf einfacher französischer Burgunder ständig erlebt. Öffnen, trinken, Spaß haben. Aus Deutschland. Geht doch.
- Spätburgunder Bischofskreuz 2007 (13,5c% Alkohol) von Schäffer & Zeter für 9,71 Euro bei Jacopini
Sehr zu empfehlen sind auch diese deutschen Weine! Außerdem rät der Captain den Matrosen noch zu diesen Wein-Schnäppchen.







Run, Winzer, run... 






Servus Captain,
ein traumhafter Spätburgunder für den Preis.
Die leckeren Weinne von Schäffer & Zeter giebt es für den Berliner Gastronomen bei mir also bei der Welifa.
lg
Martin