12.03.10 WEINWISSEN 10 Einem Freund senden

Deutschlands Lagen: Die Hermannshöhle

Die Hermannshöhle. Von schräg gegenüber...Die Hermannshöhle. Von schräg gegenüber...

Früher musste der Ösi (also speziell der Captain) immer lachen, als die Rede auf deutsche Weinhänge kam. Zum Beispiel der "Kröver Nacktarsch", hahahaha, wie komisch. Aber damals waren wir ja auch noch in der Weinpubertät. Oder sogar in der analen Phase. Heute weiß es der Captain besser. Kuriose Namen, gute Weine. Doch was steckt dahinter. In dieser losen Serie werden einzelne Lagen vom Captain begutachtet. Heute die "Niederhauser Hermannshöhle". Die Rieslinge dieser Steillagen füllen des Captains Keller. Sie zählen zu den besten Deutschlands.

Die Lage Hermannshöhle liegt an der Nahe in der Nähe von Bad Kreuznach und ist bei der Anfahrt schon von Weitem sichtbar. Wenn man halt weiß, welcher Berg und wo am Berg. Der Hang ragt eher südwestlich zur Sonne (wenn sich der Captain richtig erinnern kann).

"Hermann" kommt wahrscheinlich von "Hermes", dem Schutzpatron der Vielflieger (Ryanair, Hahn, etc...), die "Höhle" vom Kupferabbau, der hier betrieben wurde. Was aber macht den Hang so bedeutend?

Der Captain meint, es ist wie so oft in Deutschland, die spezielle Mineralik, die Mischung aus Schieferverwitterungsböden, vulkanischem Gestein, ein bisschen Kalk und auch Sand und Lehm, dieses Konglomerat aus vielen möglichen Böden in leichter, verwehfreudiger Erde, das die Weine der Hermannshöhle relativ leicht erkennbar machen. Der Captain errät diese Rieslinge immer recht gut. Schon deswegen (Angeberbonus) ist diese Lage bei ihm sehr beliebt.

Der beste Wein, den der Captain je von dieser Lage getrunken hat, war der Riesling Auslese 2006 von VDP-Winzer Helmut Dönnhoff (8,5 % Alkohol, Herr Pronay) ein enormes Ding. Der bläst Dir das Hirn weg, absolut süchtigmachend.

Selten hat der Captain eine derartig perfekte Balance zwischen Restzucker und Säure getrunken, mega-elegant, Ananas, Honig, Orange, Mango, Exotik gepaart mit leichtem Mineralik-Schweiß. Der Captain kann diesen Wein immer noch jederzeit herbeihalluzinieren und sein Glück mit sich teilen. Großartig, doch kaum mehr im Handel. Der nachfolgende 2007er ist etwas fetter und nicht ganz so elegant. Aber selbstredend großer Stoff.

Alles, das Dönnhoff (nicht nur) von dieser Lage keltert, ist absolut und bedenkenlos empfehlbar. Dieser VDP-Winzer hat sich in den letzten Jahren zur absoluten Spitze hochgearbeitet. Vor allem das Große Gewächs Hermannshöhle des Jahres 2008, diesem schwierigen Jahr, glänzt bei Dönnhoff extrem. Er hat es verstanden, das "magere" Jahr für einen Wein hoher Eleganz zu nutzen, der die fetten, langlebigen und sehr alkoholischen Brocken von 2007 und 2006 gut kontern kann. Trotzdem sollte man auch diesen 2008er nicht zu früh trinken.

Selbstredend haben auch andere Winzer ihren Anteil an der Hermannshöhle. Von Racknitz zum Beispiel, ein Weingut, das eventuell zu Dönnhoff aufschließen kann (hier muss man aber einen Augenmerk auf die Traisener Lage Rotenfels legen: ein großartiger Wein). Oder der VDP-Winzer Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim (Gut Herrmannsberg), die einen einfachen und sehr guten Kabinett-Riesling von der Hermannshöhle holen.

Der Captain rät, wie immer, die Lage im Frühjahr zu durchwandern und sich Termine zum Verkosten auszumachen. Leider sind viele Wirtshäuser der Region noch nicht auf dem Niveau der Winzer (eine Ausnahme im Anhang). Da hinkt Deutschlands Gastronomie weiter hinterher. Leider, sagt der verwöhnte Ösi, der sich nie wieder über komisch klingende Hanglagen lustig machen wird.

  • Riesling Hermannshöhle Auslese 2007 von Helmut Dönnhoff  und Riesling Hermannshöhle Spätlese 2008 von Hermann Dönnhoff (derzeit leider überall vergriffen)
  • Riesling Hermannshöhle Spätlese 2007 von Racknitz (10 % Alkohol) für 29,00 Euro bei Kölner Weinkeller
  • Riesling Hermannshöhle trocken 2008 von der Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim (12 % Alkohol) für 11,25 Euro bei Weinhaus Lengrich
  • Gutes Essen im Wirtshaus Weck

Der Captain betont, dass er mit seinen Empfehlungen keinen Cent verdient.

Außerdem empfiehlt der Captain auch noch weitere Weine aus Deutschland. Oder möchten die Matrosen lieber mehr über VDP-Winzer erfahren?



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Kommentare 10

Kommentare

charlie ohne

Soviel ich weiss hat Jakob Schneider den höchsten Anteil an der Hermannshöhle. Macht auch ganz guten bis sehr guten Wein daraus. Und hier ein Link auf Geo-Daten zur Lage
http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=705

Gruss, Charlie

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Erster Offizier

Die Info ist richtig. Der Captain findet die Weine gut, sieht aber hier noch einiges Potential, das etwas ungenutzt bleibt.

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riesling|blog ...durstig

Ich halte die Herleitung der 'Höhle' von einem Bergbaustollen für fragwürdig. Etymologisch näher liegt hier (wie bei so vielen deutschen -Höllen und -Höhlen) die 'Helde', also die Halde, der steile Hang. Helmut(!) Dönnhoff spielt meines Erachtens aber schon seit den starken Jahrgängen 1993 und 1994 ganz weit vorne mit und nicht erst seit "den letzten Jahren". Richtig ist sicher, dass er eigentlich erst seit dem Jahrgang 2002 auch grandiose trockene Rieslinge erzeugt. Die gab es dort in dieser Qualität vorher nicht. Ein ganz subjektiver Eindruck zum Schluss: viel faszinierender als die Weine aus der Hermannshöhle finde ich ja jene aus der Kupfergrube. Spätlesen der ehem. Staatsdomäne aus den 90er Jahren zeigen auch heute noch eine einmalige Saftigkeit und Rasse; auch Helmut Dönnhoffs Rieslinge aus der Kupfergrube (z.B. die grandiose, viel zu junge 05er Versteigerungs-Spätlese) ziehe ich jeder Hermannshöhle vor!
| http://riesling.blogg.de |

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mendez

Das Weingut heißt Hermann Dönnhoff, Helmut ist der Enkel und Winzer. Oder irre ich mich?

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riesling|blog

'Hermann Dönnhoff' stand früher auf den Flaschen, dann 'H. Dönnhoff', mittlerweile nur noch 'Dönnhoff'. Der Winzer heisst Helmut und um den ging es ja auch im Text.

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mendez

Was ich sage, der Käptn kann zwar schreiben, aber nicht genau recherchieren. Typisch Blogger.

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Der Captain

Ohh Gott...

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Mister Spuck ... hoffnungslos

Mendez ist leider eine unverbesserliche Klischeetante.

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mendez

Aber Weinplus schreibt auch Herrmann Dönnhoff, scheint dann auch der Firmenwortlaut zu sein.

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Gast

An der Nahe hört man, dass Dönnhoff seit letztem jahr die größten Anteile an der Hermannshöhle hat ( ich glaube sogar um die 50 %)

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