Es ist der Reiz des Beschädigten. Es ist die Kultivierung der Armut. Es ist der Schick des Understatments. Apfelwein, hessisch "Ebbelwoi" genannt, soll wieder in Mode kommen. Findet die deutsche Wochenzeitschrift "Die Zeit". Und mit dem "soll" hat sie recht.
Das "wird", das "wird wieder in Mode kommen", bezweifelt der Captain. Denn die Absatzzahlen von Apfelwein sinken seit Jahren. Wie jene vom Wein aus Trauben. Die Kinder trinken Alkopops, Schnäpse, oder eine Gummibären-Limonade aus Österreich. Dass die Deutschen so manche Plörre lieben, könnte dem Apfelwein helfen. Tut es aber nicht.
Apfelwein: Das Notstands-Getränk
Apfelwein ist ein Notstandsgetränk. Nachdem die Reblaus im 19 Jahrhundert die Weinberge leer räumte, blieb dem einfachen Volke nichts anderes über, ihre Tranquilizer aus Äpfeln zu keltern. Und weil Qualität damals generell kein Thema war, nahm man, was an Fallobst herumlag. So schmeckte der "Wein" dann auch.
Daran hatte sich bis vor wenigen Jahren wenig geändert. Apfelwein war eine saure und untrinkbare Plörre, die höchstens skandinavischen, britischen und amerikanischen Touristen schmeckte. Und ein paar Einheimischen sicher auch; jenen, die nichts anderes kannten.
Nun haben sich ein paar engagierte Produzenten dem Apfelwein hingegeben. Mit der einfachen Einsicht, dass man durch Qualität und dem Einhalten von Standards schon viel gewinnen kann. Und es gibt ja auch fantastische Apfelsorten, eine Vielfalt, die leider Stück für Stück verloren geht. Dieser Verlust kann eventuell mit der Produktion hochwertiger Apfelweine aufgehalten werden.
Menschen wie Michael Stöckl oder Andreas Schneider keltern gut trinkbare, fruchtige und sortengenaue Apfelweine, die man, wie es auch der Captain gerne macht, im Hochsommer mit etwas Mineralwasser verdünnt, als Durstlöscher genießt. Wirklich genießt.
Doch der Plan, aus Apfelwein ein Getränk der Hochkultur zu machen, ist Humbug, muss scheitern. Bislang hat das auch kein hochpreisiger französischer Cidre geschafft. Und das hat seinen Grund.

Grund ist die ausgeprägte Säuerlichkeit, das definitiv Unedle; ein Endruck, den auch die sauberste Kellertechnik nicht wegfegen kann. Und auch die Vielfalt, die teils dramatische Unterschiedlichkeit der Trauben, kann Apfelwein nicht ersetzen. Muss er auch nicht. Es sind ja genug Trauben da.
Deswegen findet der Captain den fürchterlich anmutenden Mix aus Cola und Apfelwein (gibt es jetzt in der Dose) eigentlich die beste Verwendung für dieses eigenartige Getränk. Ein frischer, leicht alkoholischer Durstlöscher. Im Freibad. Wenn die Sonne scheint. Was will man mehr?
Doch wird dem Captain übel, wenn er von Apfelwein mit Rosenwasser hört (zugegeben: noch nie getrunken). Oder Apfelsekt (zugegeben: getrunken). Was der Captain gerne mal probieren würden, wäre ein Apfel-Eiswein aus Kanada. Der könnte ein Kultgetränk werden. Und auch teuer sein dürfen.
Apfelwein? Ein Schnaps ist besser
Nein, der Captain glaubt, dass der Apfel (wie manch andere Frucht) mit seinen Möglichkeiten nur einen Brand verträgt. Ein Destillat. Einen Schnaps. Und da gibt es ganz großartige Sachen, wie etwa die Apfelbrände des Kärntner Brenners Valentin Latschen (Pfau). Hier wird aus der Frucht nun wirklich guter Alkohol gemacht, präzise, fruchtig, delikat. Der Captain liebt´s
P.S.: Der Captain hält Tresterschnaps oder Grappa ebenfalls für ein einfaches und überkultiviertes Getränk. Und nicht für ein Destillat, für das man ein kleines Holzfass verschwenden sollte. Aber dazu ein andermal mehr.
P.P.S: Der Captain verbringt das Wochenende auf Deutschlands größter Weinmesse, der Prowein in Düsseldorf. Deswegen (Anreise) war der Captain gestern faul und hat keinen Beitrag eingestellt. Auf der Prowein wird der Captain einige Hintergrundgespräche führen und Weine kosten, die er später im Jahr den Matrosen auf den Tisch stellen kann. Für Montag hat der Captain eine Extraportion Kopfwehpulver bereitgelegt, um dienstfähig zu bleiben. Der Wein der Woche wartet.







Schnaps, das war sein erstes Wort... 






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