Hier ist Westen. Wirklicher Westen, Paris liegt hinter einem, Nantes noch vor, die Bretagne ist weiter nördlich nicht weit. Im Westen wird Wein angebaut, an der Loire, in der Appelation Savennieres-Couleé de Serrant. Die gehört Nicolas Joly alleine, er macht dort einen fabelhaften Wein, den Clos de la Coulée Serrant. Wer oder was macht diesen Wein so besonders?
Vor allem der Winzer selbst. Joly ist ein ungemein symphatischer Mann, ein Aufklärer bester französischer Tradition, ein Jakobiner und gleichzeitig Traditionalist. Diese Verbindung geht nur in Frankreich. Joly baut seine Trauben seit 1980 biodynamisch an, er war einer der ersten "grünen Spinner" im Weinbau. Er tat, was heute viele tun. Nur tat er es zu einer Zeit, als das völlig lachhaft war. Joly war eine Witzfigur im Weinbauland.
Joly vertritt das Biodynamische nicht mit dieser Verbissenheit vergleichbarer deutscher Winzer. Er tut es mit Gelassenheit und Humor. Sicher, er will überzeugen und lehren. Hundertprozentig ist er von seinem Weg überzeugt, keine Frage. Dennoch fühlt man sich in seiner Gegenwart nie von der Ideologie vergewaltigt. Das macht Joly so angenehm, so fein, so freundlich.
Nichols Joly gibt auch zu, dass sein Weg nicht einfach war. Vor allem nicht in dieser schädlingsfreundlichen Gegend der westlichen Loire. Der Captain sagt, dass manches, was Joly sagt, auch unsinnig klingt. Etwa, dass es im Weingarten keine Krankheiten gibt, sondern nur Schwächen, die man durch Stärkung vermeiden könne. Da mag im Kern etwas Wahres dran sein, doch erinnert Joly damit an jene Ärzte, die einen Krebs mit Rote-Rüben-Extrakt heilen wollen.
Das soll dem Captain und der Mannschaft völlig egal sein. So lange Joly so nett und freundlich ist, so lange sie sich in seiner Gegenwart wohl fühlen und so lange Joly so einen fantastischen Wein macht, wie den Coulée de Serrant, der zu 100 % aus der Traube Chenin Blanc gekeltert wird. Das ist die nächste Besonderheit dieses Weines. Denn viele große Chenin Blancs gibt es nicht auf dieser Welt.
Der Captain trank den 2002er Coulée und trank einen Wein, den er die nächsten Tage nicht so schnell vergessen wird. Er trank einen sieben Jahre alten Weißwein mit Potential für die nächsten zehn Jahre. Da geht noch was, da kommt noch viel.
In der Nase zuerst viel Orange und Orangenmarmelade, dann Kies und etwas Kalk, dann auch Kinderspielzeug. Plasitkkinderspielzeug, das an einem Strand in der Sonne liegt. Im Mund dann eine Explosion. Und das ist nicht gelogen. Der Wein schmeckt zuerst etwas salzig, dann nach Heublumen und Chininrinde. Der Captain schmeckt auch etwas Botrytis. Die stabile Säure ergänzt die perfekte Frucht. Im Mund gerät das alles zu einer Gesamtheit, die in dieser Eindrücklichkeit selten vorkommt.
Der 2002er Coulée de Serrant ist ein Wein für den Keller, von den man jedes Jahr mehrere Flaschen trinken sollte. Bis 2015, sagt der Captain, wird dieser Wein interessant bleiben. Und auch dann noch muss man ihn unbedingt dekantieren.
Sicher: Wieder ein teures Vergnügen - wie die letzten Tage oft (Gosset, Ornellaia, etc.). Der Captain verspricht Besserung und schickt den Maat in den Ausguck. Wieder nach günstigen Weinen Ausschau halten.
P.S.: Gerade eben hat der Captain noch einen 2003er, eine 2004er und einen 2006er kosten dürfen. Der 03er ist zu vergessen, der 04er ist gut. Und der 06er wird sicher einmal ein großer Wein. Nur jetzt sollte man ihn noch weglegen. Wer sich also von Joly stabile Jahrgänge erwartet, wird enttäuscht werden. Der Couleé de Serrant ist eben kein Industriewein.
Colulée 2002 für sensationelle 37,80 Euro bei weinandco.com, Coulée 2006 für 52,50 Euro bei Wein Pur.
Auf den Geschmack gekommen? Hier gibt es noch weitere französische Weine.







Herr Joly erntet bergauf 





Wie schmeckt Kinderspielzeug, Kinderspielzeug, das an einem Strand in der Sonne liegt?
Und, kann man bei Herrn Joly auch Urlaub am Weinhang buchen? Darauf macht der Artikel nämlich richtig Lust.