Aufmerksame Leser wissen: Der Captain hat einen Lieblingschampagner, den Gosset Grand Reserve. Leider gibt es von dem geilen Zeug aber nicht mehr viele Flaschen an Bord, deswegen muss der Captain für die Jahreswechsel-Party der Mannschaft Schaumweine einkaufen. Und obwohl die Kreditklemme auch das Geld für die neuen Segel vermissen lässt, tut es der Captain nicht unter Champagner. Er weiß schon, dass es gute Sekte und ähnlich Prickelndes gibt. Doch was sein muss, muss sein.
Also ab in die Verkostung. Auch hier ist der Captain nicht wählerisch: Es muss schlicht das beste sein, das man im normalen Bereich, also Brut ohne Jahrgang und ohne spezielle Verschnitte, bekommen kann. Und da gibt es nach Erfahrung des Captain eigentlich nur drei Champagner: Pol Roger, Bollinger und Roederer.
Fangen wir mit dem Roederer Brut Premier an, eine Cuveé aus Pinot Noir und Chardonnay, dem femininsten und zugänglichsten der drei Champagner. Er war gleich nach dem Öffnen präsent und hielt diese Zugänglichkeit über eine Stunde lang aufrecht.
Positiv: Der Roederer war sehr cremig, und roch gut nach Grapefruit und Keksen. Im Mund dann ein voller, aromatischer Geschmack.
Negativ: Diesem primären Eindruck folgte wenig am Gaumen nach, der Roederer blieb eher in der Nase in Erinnerung.
Fazit: Ein schöner und eleganter, sehr femininer Champagner mit ausgeprägter Fruchtnote, der hintennach nicht unbedingt punkten kann.
Danach der Pol Roger Brut Réserve, der deutlich mehr Chardonnay in der Cuveé aufweist und deswegen von Anfang an spritziger und lebendiger wirkt. Winston Churchill soll diesen Champagner täglich getrunken haben, er leerte eine ganze Flasche an jenem Morgen, so sagt die Legende, als man in Nürnberg die Nazi-Verbrecher aufknüpfte.
Positiv: Eine großartige Nase nach Zitrusfrüchten und Brioche, auch ein leichter Ton von Pfirsich und Haselnüssen, dann ein voller Gaumen, mehr intensiv als cremig.
Negativ: Der Pol Roger ermattet nach einer Stunde deutlich. Aber dann sollte er auch ausgetrunken sein.
Fazit: Ein intensiver Genuss, lebendig, frisch, dicht und stahlig. Hohe Eeleganz, die aber nach einer Stunde in den Keller geht. Und nicht mehr nach oben kommt. Ex und hopp.
Und zuletzt der Bollinger Brut Special Cuveé, aus einem Haus, das sich rühmt, eine eigene, unverwechselbare Handschrift zu besitzen. Das ist wahr. Aber nicht ganz.
Positiv: Die große Weinigkeit, also die Nähe zum Grundprodukt des Champagners, dem Wein. Folglich auch ein idealer Essensbegleiter, eine dichter, vollmundiger und cremiger Champagner, mit starken Tönen der rosa Grapefruit und der Limone. Viel Pfirsich, etwas helle Praline. Im Finish auch Nougat.
Negativ: Nicht viel, außer die recht durchschnittliche Nase, die durch den Gaumen mehr als ausgeglichen wird.
Fazit: Zum Essen und danach der beste Champagner. Kann einen ganzen Abend halten, was er verspricht. Die Nase bleibt trotzdem stumpf und ohne Imagination.
Der Captain rät, alle Champagner bei 10 Grad zu trinken und Weißweingläser zu verwenden. Sektflöte, wie auch Sektschale, sind am Schiff verboten.
Roederer Premier Brut für € 34,99 bei eurovine
Pol Roger Brut Réserve für € 44,90 bei Wein&Co (auch Deutschlandversand)
Bollinger Brut Special Cuveé für € 38,50 bei Weingrube
Ungewöhnliche und spannende Champagnermenüs im chinesischen Restaurant Lamien in Berlin-Friedrichshain. Unbedingt reservieren.
Der Captain empfiehlt außerdem noch weitere Weine aus Frankreich.







Diese Gläser gehen gerade noch durch... 






Natürlich nur Pol Roger