15.02.10 WEINE 15 Einem Freund senden

Wein der Woche (1): VDP-Riesling günstig

Feiner Riesling endlich günstig... Feiner Riesling endlich günstig...

Der Captain hat eine Meinung zu 2008, eine Meinung, die nicht alle teilen. Der Captain meint, 2008 war in Deutschland kein wahnsinnig tolles Weinjahr. Viel Säure, mäßig Kraft. Vor allem in der Mitte. Doch natürlich sind viele Große Gewächse besser als das Jahres Ruf. Nur beim Roten sollte man Vorsicht walten lassen.

Natürlich tut es einem mittelmäßigem Jahr schlecht, wenn ein sehr gutes folgt. 2009 war ein sehr gutes Jahr. Und bei der einsetzenden Überproduktion ist es auch gut, dass der Ertrag gering blieb.

2008 hingegen war ein ertragreiches Jahr. Deswegen sind noch viele Weine am Markt. Und jetzt kommt bald der neue Jahrgang, die 2009er Flaschen sind schon in den Paletten verschweißt. 2009, das Jahr, das zudem bessere Kritiken bekommen hat. Also muss der 2008er schnell weg. Aus den Regalen der Händler.

Der österreichisch-deutsche Händler Wein&Co, Werbepartner des Captain, macht den Anfang und verkauft den einfachen Riesling QbA vom VdP-Winzer Reichsrat von Buhl um sagenhaft günstige 7,99 Euro. Natürlich ist das kein Lagenriesling, oder gar ein nobles Grosses Gewächs. Dieser einfache Riesling ist ein unkomplizierter Alltagswein. Und so hart diese Floskel schon strapaziert ist, so passt sie hier, wie selten bei einem Wein.

In der Nase anfangs (wie oft in diesem Jahr) ein prägnanter Geruch nach grünem Apfel und Zitrone. Dann, später im Glas, ein wenig Banane und Mandarine. Insgesamt ein frischer Charakter. Interessant auch, wie stabil die Säure (immerhin 9,5g bei 11,4 % Alkohol und eleganten 7,4g Zucker) noch nach einem Jahr in die Nase drängt. Und wie stabil sie auch am Gaumen bleibt. Ein spitzer Riesling, hohe Mineralität, auch Gletschercharakter und Eiszapfen. Ideal zu Krustentieren, zu Austern und Krabben. Erfrischend. Und auch ein guter Reparaturwein, ein Wein nach allen Weinen.

Was kann uns dieser Wein lehren?

Dem deutschen Weintrinker beweist er, wie gut deutsche Winzer inzwischen mit mittelmäßigen Jahren im Keller umgehen können. Der Captain glaubt, dass ein Jahr wie 2008 in dieser Kategorie vor zwanzig Jahren andere Weine gebracht hätte. Weitaus härtere Weine, die man aufgezuckert hätte. So gesehen ist dieser einfache Riesling ein idealtypischer Fortschrittsbeweis. Und als solcher ein Respektwein.

Dem österreichischen Weintrinker beweist dieser Riesling, dass man in Österreich in den einfachen Kategorien in diesem Jahr keine Chance hat, den deutschen Weinen Konkurrenz zu machen. Bei den komplizierten Kategorien unterscheiden beide Länder seit jeher Welten. Hier, im einfachen Bereich, sollte der österreichische Konsument zu deutschem Riesling greifen. Auch wenn es ihm schwer fällt.

Das Weingut Reichsrat von Buhl gehört einem weinbegeisterten Unternehmer. Für die Weine zeichnet Gutsleiter Stefan Weber verantworlich. Er stellt das Weingut Stück für Stück auf ökologische Arbeitsweise um. Und noch eines beweist dieser Wein: Guter Wein bedarf enormer Investitionen, jede Technik bei Buhl ist neu und qualitativ in bester Verfassung. Geld bringt dem Wein mitunter auch Seele. Eine Wahrheit, der sich viele Winzer oft verschließen.

Riesling QbA 2008, Reichsrat von Buhl für 7,99 Euro bei Wein&Co

Der Captain betont, dass er an keiner verkauften Flasche auch nur einen Cent verdient.

Lesen Sie zum Jahrgang 2008 ein Interview mit Claudia und Gerhard Retter. Und einen Artikel über die Erwartungen an den weltweit hervorragenden Jahrgang 2009.



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Kommentare 15

Kommentare

Gast fragend

wenn ich vom gleichen wein noch den 2007er bekommen kann, welchen empfiehlt mir der captain zu kaufen?

danke

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Der Captain

2007 war generell ein besseres Jahr. Weniger Säure, mehr Creme, auch mehr Frucht. In meinen Aufzeichnungen zu diesem Wein steht aber auch, dass er stets jung getrunken werden sollte. Wenn der 07er gut gelagert war, dann ist er sicher noch gut zu trinken, hat aber einiges von seiner Strahlkraft verloren.

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gottfried

"Geld bringt dem Wein mitunter auch Seele. Eine Wahrheit, der sich viele Winzer oft verschließen."
Was meint der Captn damit...

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Der Captain

Dass es neben der schönen Garagen- und Boutiquewinzer-Romantik auch groß investierende Betriebe gibt, die Spitzenqualitäten in ansehnlicher Menge produzieren. Und dass Geld manchmal dem Wein jene Größe bringt, die ihm ohne Geld fehlen würde - die Seele eben..

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Mario Blaimauer (via facebook)

leider schon ausgetrunken

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Werner Elflein karnevalsgeschädigt

2008 ist sicher nicht umstritten, was seine Qualität geht. Es handelt sich summa summarum um einen sehr guten Jahrgang, wenngleich die edelsüßen Spitzenweine (vor denen sich manche Winzer in den vergangenen Jahren kaum retten konnten) ausgesprochen rar blieben. Der Jahrgang hat zweifellos seine Stärken im Bereich der trockenen Rieslinge bei moderaten Alkoholwerten und einer bei angemessenem Lesezeitpunkt auch nicht überschießenden Säure.
Wenn vielfach negativ über die Säure gesprochen wird, dann zum einen, weil sie in der Tat sensorisch etwas prägnanter wirkt als in den vergangenen Jahren, und zum zweiten, weil viele Weintrinker sie schlicht nicht mehr gewohnt sind. Man vergleiche hier einmal mit Jahren wie 1996. Sind wir denn inzwischen schon so verweichlicht, dass wir schon bei einem solch "normalen" Jahrgang über die Säurewerte (die analytisch meist gar nicht so hoch sind) stöhnen?

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Der Captain spaßbefreit

Dennoch, die 2008er sind meiner Meinung nach schwierige Weine. Ich gebe zu, man war in den letzten Jahren verwöhnt. Und der Vergleich mit dem 96er ist nicht von der Hand zu weisen. Was mich aber gestört hat, ist das Schönreden.

Ausserdem hält Steward Pigott die 09er in Württemberg für weniger gut, als die 2008er. Das macht mich neugierig..

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riesling|blog

2008 ist m.E. kein 'normaler Jahrgang', denn abseits von strammer Säure, die ich per se erstmal nicht schlecht finde, schmecken viele Weine von MSR aber auch aus dem Rheingau und der Pfalz furchtbar rau. Gewiss, es gibt grandiose trockene Rieslinge aus Rheinhessen (Keller!!!, Wittmann!!!, Battenfeld-Spanier!!!), aber dass diese Weine feiner als die 2007er sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen. P.S.: der Steward der deutschen Weinwelt heisst, BTW, Stuart.
| http://riesling.blogg.de |

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Der Captain

Ja. das kommt vom Plankenwienern, da rufe ich auch immer Stuart, ähh Steward..

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gottfried

also ehrlich gesagt, da bin ich nicht ganz Ihrer Meinung.
Ich verstehe was gemeint ist, aber die Seele des Weines - da steckt mehr dahinter...

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Der Captain

Bitte hier um eine Präzisierung des "Mehr"..

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Mister Spuck ... spirituell drauf

Nicht so streng, Captain. Es geht um die Seele! Wer bitteschön ist schon in der Lage präzise Aussagen darob zu machen? Es ist einfach das unbenennbare Element, das man zu spüren glaubt. Aus.

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gottfried

das "MEHR" kann man hier nicht mit ein paar Sätzen erklären. So einfach ist das nicht.

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Werner Elflein

Captain, das Schönreden erleben wir doch jedes Jahr! Das sollten wir daher gleich mal ausblenden.

riesling|blog, als "rau" empfinde ich die 2008er nicht. Sie sind allerdings aufgrund der höheren Extrakte stoffiger als die 2007er, die übrigens häufig eher eine Gerbstoffbetonung aufweisen als die 2008er. Ich hoffe, dass die Spielchen im Keller, die derzeit anscheinend so "in" sind, wie es die Ganztraubenpressung in den Neunzigerjahren war, bald wieder der Vergangenheit angehören. Maischestandzeiten beim Riesling sind zwar okay, aber man muss es können. Leider wurde vor allem 2007 gerade auf diesem Gebiet sehr stark experimentiert. In Verbindung mit physiologisch nicht gut ausgereiftem Lesegut keine gute Kombination!

Letztlich dürfte man wohl 2007 als Riesling-Jahrgang insgesamt etwas schwächer bewerten als 2008. 2008 wirkt im Bereich der Kabinette und Spätlesen wesentlich geschlossener. Für einen großen Jahrgang fehlen allerdings die edelsüßen Spitzen.

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Der Captain

Ich teile Ihre Skepsis bezüglich der Maischestandzeit. Auch in Österreich sind die Ergebnisse uneinheitlich..

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