Das 2008er Jahr wird dem Captain lange in Erinnerung bleiben. Es ist das Jahr des verklärten Jahrgangs. Selten zuvor wurden Weine derart verschieden bewertet. Auch in Deutschland und in Österreich herrscht Verwirrung, wie man das Jahr nun beschreiben soll. Viele Händler wollen dieses Thema endlich abhaken. Und der Konsument sucht Sicherheit.
Sicher ist, dass es in schwierigen Jahren immer mehr auf die önologische Fähigkeit des Winzers ankommt. Und zunehmend auf mikroklimatische Besonderheiten. Teilgebiete einer Weinregion können von der herrschenden Großwetterlage empfindlicher getroffen werden. Das Max Planck Institut für Meteorologie führt das auf die verstärkte Klimaveränderung zurück, die vor allem deutschen Winzern seit Jahren gute Jahrgänge beschert.
Aber was ist mit Bordeaux? Das große, berühmte und (immer noch) teure Weinbaugebiet. Im Bordeaux war das Jahr 2008 - gelinde gesagt - mittelmäßig. Deswegen fielen die ersten Verkostnotizen auch verhalten aus. Vor allem die britische Weintester-Kamarilla und der amerikanische Bewertungsgigant "Wine Spectator" wollten den überheblichen Franzosen einen vor den Latz knallen. Zu lange schon leidet der Weinkonsument an der Preisgestaltung der Unternehmen, die sich nicht mehr um die Mittelschicht der Hauptabnehmerländer scheren und ihr Heil in den aufstrebenden Weltregionen suchen, wo man für Prestige zahlen will, was man vorschreibt.
Und der, welcher vorschreibt, heißt Robert Parker.
Der Weinguru als letzte Rettung
Parker kam nach den meisten anderen Weintestern in die Region Bordeaux. Er wurde sozusagen um Hilfe gerufen, denn in den Kellern der Chateaus stapeln sich in der Weltwirtschaftskrise die Kisten der aktuellen Jahrgänge. Die Verkäufe gehen dramatisch schlecht. Wenn nun noch ein weiterer schwieriger Jahrgang in den Fässern wartet, drohen die Gewölbe zu platzen.
Es war in ähnlichen Marktsituationen früher üblich die Preise zu senken, um auch den weniger betuchten Konsumenten die Möglichkeit zu geben, Terroir und Tradition dieses einzigartigen Gebiets zu verkosten. Die 2008er Weine, das kann der Captain jetzt schon sagen, werden gut trinkbare, klassische Bordeaux sein. Also sicher keine Plörren. Doch die Granden des Weinbaus sind in den letzten Jahren auch in mittelmäßgien Jahren mit Geld überhäuft worden, das sie wieder für Expansionen ausgaben. Nun sitzen viele auf Schulden. Und auf Wein. Eine Zwickmühle. Und ein Fall für Parker.
Bordeaux 2008: sicher keine Plörre
Der meist umstrittene Weintester der Welt, aber auch Herr der einflussreichsten Bewertungen, kam nach Bordeaux und verteilte nur Bestnoten. Sogar vier mal die Traumbewertung 100 Punkte. Hat der Mann einen Sprung in der Schüssel?
Mitnichten. Denn in Russland, China, Japan, Lateinamerika und auch in vielen europäischen Ländern werden bedeutende Weine immer noch ausschließlich nach Parker-Punkten eingekauft. Ohne zu hinterfragen. Zwar leiden die neuen Abnehmerländer sogar verstärkt unter den Folgen der Wirtschaftskrise, doch die Globalisierung des Wohlstands ist noch nicht völlig zusammengebrochen. Da helfen Parker-Punkte, die Weine ein weiteres Jahr zu weit überhöhten Preisen zu verkaufen.
Der Markt bestimmt die Preise. Doch wer bestimmt den Markt?
Natürlich bestimmt der Markt die Preise. Doch ein Mann reguliert den Markt mit offenbar vorsätzlich falschen Bewertungen. Das kann nicht angehen. Und auch wenn die britische Tester-Kamarilla hier vor allem eigennützig agiert, agiert sie doch im Sinne des Konsumenten, denn sie will, dass die Weine billiger werden. Wie das offizielle Frankreich dieses Jahr beschreibt, zeigt übrigens der inzwischen schon irrelevante Bericht der öffentlich-rechtlichen, aber immer sehr etatistischen, französischen Nachrichtenagentur AFP. Man hört richtig, wie man sich für das Schönreden schämt, wie die Knie schlottern. Keine Angst, man spricht Deutsch.
Dazu auch unser eigener Experte mit Klartext, statt Geschwafel: http://www.captaincork.com/Wolf-Bordeaux-2008-bis-2006
Der Captain rät auch einmal einen Blick auf weitere Weine aus Frankreich zu werfen.















Ja, Teufel! Dann bleib ich bei meinen deutschen Roten. Da weiß man, was man hat...