05.07.09 MEINUNG 13 Einem Freund senden

Bordeaux 08 - Betrug am Konsumenten?

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Das 2008er Jahr wird dem Captain lange in Erinnerung bleiben. Es ist das Jahr des verklärten Jahrgangs. Selten zuvor wurden Weine derart verschieden bewertet. Auch in Deutschland und in Österreich herrscht Verwirrung, wie man das Jahr nun beschreiben soll. Viele Händler wollen dieses Thema endlich abhaken. Und der Konsument sucht Sicherheit.

Sicher ist, dass es in schwierigen Jahren immer mehr auf die önologische Fähigkeit des Winzers ankommt. Und zunehmend auf mikroklimatische Besonderheiten. Teilgebiete einer Weinregion können von der herrschenden Großwetterlage empfindlicher getroffen werden. Das Max Planck Institut für Meteorologie führt das auf die verstärkte Klimaveränderung zurück, die vor allem deutschen Winzern seit Jahren gute Jahrgänge beschert.

Aber was ist mit Bordeaux? Das große, berühmte und (immer noch) teure Weinbaugebiet. Im Bordeaux war das Jahr 2008 - gelinde gesagt - mittelmäßig. Deswegen fielen die ersten Verkostnotizen auch verhalten aus. Vor allem die britische Weintester-Kamarilla und der amerikanische Bewertungsgigant "Wine Spectator" wollten den überheblichen Franzosen einen vor den Latz knallen. Zu lange schon leidet der Weinkonsument an der Preisgestaltung der Unternehmen, die sich nicht mehr um die Mittelschicht der Hauptabnehmerländer scheren und ihr Heil in den aufstrebenden Weltregionen suchen, wo man für Prestige zahlen will, was man vorschreibt.

Und der, welcher vorschreibt, heißt Robert Parker.

Der Weinguru als letzte Rettung 

Parker kam nach den meisten anderen Weintestern in die Region Bordeaux. Er wurde sozusagen um Hilfe gerufen, denn in den Kellern der Chateaus stapeln sich in der Weltwirtschaftskrise die Kisten der aktuellen Jahrgänge. Die Verkäufe gehen dramatisch schlecht. Wenn nun noch ein weiterer schwieriger Jahrgang in den Fässern wartet, drohen die Gewölbe zu platzen.

Es war in ähnlichen Marktsituationen früher üblich die Preise zu senken, um auch den weniger betuchten Konsumenten die Möglichkeit zu geben, Terroir und Tradition dieses einzigartigen Gebiets zu verkosten. Die 2008er Weine, das kann der Captain jetzt schon sagen, werden gut trinkbare, klassische Bordeaux sein. Also sicher keine Plörren. Doch die Granden des Weinbaus sind in den letzten Jahren auch in mittelmäßgien Jahren mit Geld überhäuft worden, das sie wieder für Expansionen ausgaben. Nun sitzen viele auf Schulden. Und auf Wein. Eine Zwickmühle. Und ein Fall für Parker.

Bordeaux 2008: sicher keine Plörre

Der meist umstrittene Weintester der Welt, aber auch Herr der einflussreichsten Bewertungen, kam nach Bordeaux und verteilte nur Bestnoten. Sogar vier mal die Traumbewertung 100 Punkte. Hat der Mann einen Sprung in der Schüssel?

Mitnichten. Denn in Russland, China, Japan, Lateinamerika und auch in vielen europäischen Ländern werden bedeutende Weine immer noch ausschließlich nach Parker-Punkten eingekauft. Ohne zu hinterfragen. Zwar leiden die neuen Abnehmerländer sogar verstärkt unter den Folgen der Wirtschaftskrise, doch die Globalisierung des Wohlstands ist noch nicht völlig zusammengebrochen. Da helfen Parker-Punkte, die Weine ein weiteres Jahr zu weit überhöhten Preisen zu verkaufen.

Der Markt bestimmt die Preise. Doch wer bestimmt den Markt? 

Natürlich bestimmt der Markt die Preise. Doch ein Mann reguliert den Markt mit offenbar vorsätzlich falschen Bewertungen. Das kann nicht angehen. Und auch wenn die britische Tester-Kamarilla hier vor allem eigennützig agiert, agiert sie doch im Sinne des Konsumenten, denn sie will, dass die Weine billiger werden. Wie das offizielle Frankreich dieses Jahr beschreibt, zeigt übrigens der inzwischen schon irrelevante Bericht der öffentlich-rechtlichen, aber immer sehr etatistischen, französischen Nachrichtenagentur AFP. Man hört richtig, wie man sich für das Schönreden schämt, wie die Knie schlottern. Keine Angst, man spricht Deutsch.

Dazu auch unser eigener Experte mit Klartext, statt Geschwafel: http://www.captaincork.com/Wolf-Bordeaux-2008-bis-2006

Der Captain rät auch einmal einen Blick auf weitere Weine aus Frankreich zu werfen.



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Kommentare 13

Kommentare

Mister Spuck Schnauze voll

Ja, Teufel! Dann bleib ich bei meinen deutschen Roten. Da weiß man, was man hat...

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Der Captain feucht

Der deutsche Rote ist auf einem guten Weg (Klimaveränderung sei Dank). Bordeaux bleibt aber einzigartig, eine Art Leitwährung der Weinwelt..

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Gerhard Peischl

Ihre YouTube-links funktionieren niht mehr ...
Wie stehts mit der EU-Wettbewerbsbehörde?
Aber nach was soll mann den den Wein kaufen?
+ Etikett?
+ Sich jede Flasche öffnen lassen und dann doch nicht trinken?
+ Nach anderen Weinguides, in denen auch nur EINER verkostet?
hä?

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Cuveé Royal nachdenklich

stimmt schon herr peischl, die weinguides sind nicht mehr objektiv. und es stimmt auch, daß nur ganz wenige leute verkosten. oder überhaupt verkosten können.

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Helmut O. Knall Abendrot beim Blätterzupfen.

Hey Captain, fast könnt' ich das unterschreiben, aber eines stimmt ganz und gar nicht. In den Chateaux stapeln sich keine Kisten und Schulden ham die auch nicht, es sei denn von Beteiligungen in Bulgarien oder Californien.

Der Denkfehler der Chateau-Besitzer war, dass man der Krise (im vorhinein) mit niedrigeren Preisen (bis minus 50%) begegnen könne und erzählten das ja auch brav schon vor den En Primeur-Verkostungen. Was sie nicht bedachten, dass Sie ja über ihr deppertes Negociants-System verkaufen (an die Negociants denken sie nämlich nie) und die schon mindestens zwei viel zu teure aber schlecht laufende Jahrgänge in den Lagern haben (hier also stecken die Kisten).

Man präsentierte also die Halbpreise und prompt gingen einige Negociants pleite. Da begann man erstmals über das Verkaufssystem nachzudenken - und, dass man ja auch irgendwie von diesen Negociants abhängig sei - und suchte Hilfe. Dann kam Parker (er fand den Jahrgang übrigens wirklich so gut), aber obwohl er so gut wertete und ein paar Preise darauf wieder anzogen, der Jahrgang verkauft sich trotzdem nur sehr schleppend. Vor allem, weil er für die "alten Märkte" eigentlich immer noch zu teuer - und eben nicht gut genug bewertet ist. Andererseits, weil die "neuen Märkte" (USA, ehem. Ostblock, Asien) stagnieren. Und vielleicht auch ein bisserl, weil die Allmacht von Parker & Co. auch bei Bordeaux allmählich bröckelt.

Aber die Bordelesen erzählen uns Schreiberlingen in ein paar Monaten sicher wieder vom Jahrhunderjahrgang...

Lieben Gruss
Knalli
Wine-Times.com

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Der Captain zufrieden

Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Ich höre von erheblichen Schulden verschiedener Güter, die aus anderer Urheberschaft hier versenkt worden sind. Also interne Verschübe gewaltiger Minusbeträge..

lg

Der Captain

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Gerhard Peischl wunderbar

Das Fachgeplaudere find ich sehr interessant,
beantwortet aber keine meiner Fragen.
schade ...

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Helmut O. Knall

@G.Peischl: EU-Wettbewerbsbehörde? Was soll die mit Bordeaux Bewertungen zu tun haben? Ausser vielleicht, dass Sie sich endlich drum kümmern könnte, dass nicht jeder ungestraft die Bewertungen übernehmen und veröffentlichen kann.

Wein kaufen am sichersten: selbst kosten. Wenn das nicht geht, sich an den Guide/Verkoster halten, mit dessen Bewertungen man am besten kann.

Übrigens ob einer oder eine Jury verkostet ist Geschmackssache. Ein guter Verkoster ist in seinen Bewertungen konstant. Eine Jury nivelliert hingegen immer, da ja der Durchschnitt gewertet wird.

Gruss vom Knall
www.wine-times.com

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Gerhard Peischl heiß

Ist es seriös,
wenn ein Verkoster innerhalb von 5 Wochen 1.500 Weine verkostet?
Geht das gut?
Soll mann sich ein so einen Verkoster halten?
Fragt der Wein-Laie ;-)

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Helmut O. Knall erstaunt

wo ist denn das Problem. Ein guter Verkoster schafft locker 50-70 Weine pro Tag, bei Weissen mehr, bei Roten etwas weniger, bei Süssweinen noch weniger.

Wenn du 50 im Schnitt nimmst, sind das bei 5 Tagen pro Woche schon 1250, wenn da viele leichte Weisse dabei sind, was in der Regel so ist, sind die 1500 locker.

Vergiss nicht, das ist unser Job, für uns ist das normal.

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Gerhard Peischl staunt

wieder was gelernt!!!!

bin aber echt erstaunt ...

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Markus Altenburger freut sich

auf den 2008er in Österreich kann man sich wirklich freuen. endlich frucht und ausdruck in den roten.

man wird sehen wie der weinjournalismus das auffasst und wie die bewertungen dann im vergleich zu 06 oder 03 aussehen.

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erster offizier aufgeklärt

beim weißen gab es einige positive überraschungen, die wachau blieb aber unter den erwartungen. und zwar weit darunter. ich bin auf die roten neugierig. im herbst weiß man mehr..

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