Mitte der Neunziger lief dem Captain die erste Flasche Roda über den Weg. Sie lag mit elf anderen Flaschen in einer Holzkiste auf dem Rücken des Weinhändlers Roland, der sie über die Straße in seinen Laden trug. "Interessante Kiste", erwähnte der Captain beiläufig, "gutes Design. Ein neuer Bordeaux?". "Nee", sagte Roland, "isn Spanier, the next big thing." Woher? "Eben, das glaubt man kaum, der kommt aus der faden Rioja."
Das stimmte. Rioja war damals ziemlich langweilig. Immer das gleiche Altvater-Gesöff. Alles verschnarcht wie im Burgund oder wie vor 1988 im Bordeaux. Sicher: schöne, elegante Weine gab es schon. Beispielsweise La Rioja Alta, oder Murietta. Alltagstaugliche Industrieweine und unumgänglich, wenn man keine hundert Mark für einen Bordeaux ausgeben konnte. Rioja war - noch vor den mittelschweren Italienern - der zweitbeste anspruchsvolle Rotwein mit klar erkenntlichem Terroir. Und der einzige, den sich der Captain damals leisten konnte.
Also kaufte er Roman die Kiste ab. Dieser mischte sechs "normale" Roda mit sechs Flaschen des Premiumweins "Roda 1". Der Preis der zwölf Gebinde kippte den Captain beinahe aus den Latschen: 120 Mark. Au backe!
Dann die Überraschung: schon der Roda (der damals noch Roda 2 hieß) war komplex, dicht, fruchtig und kräftig. Ausbalancierte Tannine, schöne Säure, ausgewogene Fasseinsatz. Insgesamt nur ein Wort: lecker.
Dann der Roda 1. Was für eine Wucht nach all den schwächlichen Spaniern der Jahre davor. Kraft gepaart mit unglaublicher Trinkfreudigkeit. Ein Wein, auf schnellen Trinkgenuss ausgerichtet, ohne dabei Region und Kultur zu verleugnen. Beide Rodas waren echte Riojas. Unverkennbar.
Einfach toll. Jahrelang zählte der Roda zu Captains Lieblingsweinen. Aufmachen, trinken, freuen. Irgendwann wollte jedoch jeder einen Roda, Roland bekam keine Flaschen mehr. Und wenn er sie doch bekam, dann zu unglaublichen Preisen.
Das war´s mit dem Captain und Roda: Ende einer Liebe.
Zwei Neue auf alten Böden
Mario Rotlland und Carmen Daurella keltern den Roda in Haro, der Weinmetropole der Gegend. Sie haben 1988 begonnen. 1991 kam ihr erster Jahrgang auf den Markt - schon dieser wurde umjubelt. Ihr Prinzip ist einfach, banal und bestechend: nimm das Beste der Region und mach das Beste deiner Inspiration daraus. Also: sorgfältige Auslese am Rütteltisch, nur saubere Fässer französischer Eiche (in Spanien damals wie heute keine Selbstverständlichkeit), intensive Pflege der Weingärten, jede einzelne der 17 Parzellen im Keller separat vergären, wenige Traubenzukäufe und diese nur von verpflichteten Winzern. Punkt.

Ja, so einfach gehts. Carmen und Mario mussten zudem nicht ständig aufs Geld schielen. Und wurden auch nicht geldgeil, als alle spanischen Winzer am Weinboom teilhaben wollten. Deshalb ist die Bodega Roda heute eines der wenigen spanischen Weingüter, das nicht unter Überproduktion und vollen Kellern leidet.
Der Roda wird aus Tempranillo, Graciano und Grenache gekeltert. Der Roda 1 (jahrgangsabhängig) meistens nur aus Tempranillo alleine. Vor allem die lokale (eigentlich sardische) Sorte Graciano lässt sich gut mit der vielfältigen und einschmeichelnden Alltagstraube Tempranillo vermischen, denn sie hat eine niedrige Säure und bringt viel Würze mit in die Cuveé.
Der Grenache von ROtlland und DAurella (RO-DA) wächst auf rund fünfhundert Höhenmetern und wird deswegen weniger fett, bleibt aber fruchtig. So kommt er dem Tempranillo nicht in die Quere und gibt der Cuveé Roda letztlich jenen Schliff fruchtiger Eleganz, der ihr sonst fehlen würde.
Der Roda bleibt 12 Monate im Fass (50 % neues, 50 % gebrauchtes Holz), der Roda 1 (gleiche Zusammenstellung der Fässer) ebenfalls. Sagen die Winzer. Der Captain glaubt es nicht, er denkt, es werden beim großen Roda 15 Monate und länger sein. Beide Weine sind Reservas. Das heißt, sie dürfen das Weingut erst nach 36 Monaten Reifezeit (Fass und Flasche) verlassen.
Der Captain hat den Jahrgang 2004 gekostet. Beide Weine sind - wie einst im Mai dieser Beziehung zwischen Captain und Roda - ungeheuer trinkfreudig. Der kleine Roda schmeckt intensiv nach Cassis und Waldbeeren. Der große Roda bringt mehr Schokolade und Tabak auf die Zunge. Und etwas Bitterstoffe in die Kehle. Beides richtig angenehme, individuelle Weine. Und beide leider immer noch nicht günstig.
Ach ja, dann gibt es da auch noch einen Wein namens Cirsion von Roda, ein reinsortiger Tempranillo, der nicht 36 Monate reifen muss und für den man trotzdem dreistellige Summen hinblättert. Irgendwann haben sich Carmen und Mario eben doch am Rennen um die höchste Parker-Wertung beteiligt. Und deswegen diesen megateuren Wein entworfen, der beim wichtigsten Weinpapst der Welt sogar 97 Punkte bekam. Das hat alle gefreut auf Roda.
Bitter jedoch, dass Herr Parker (besser gesagt sein Regionsbetreuer) heuer vielen, ganz billigen Weinen aus dem Ribera del Duero 92 und sogar 94 Punkte gab. Hmmm? Woran mag das wohl liegen? Am Geld? Nein, so böse darf der Captain nicht denken. Und so böse denken auch Carmen und Mario nicht. Oder doch? Doch??
Roda z.B. bei Amadoro und Roda 1 z.B. bei Genuss 7
Hier gibt es außerdem alle Weine der Woche auf einen Blick.







Die Rioja. Grün, weil es ausnahmsweise mal geregnet hat... 





leider ordentlich teuer die beiden Kandidaten, 40 euronen aufwärts, ein Sonntagswein .