Der Mann gilt als Playboy: Marchese Lodovico Antinori, der Gunter Sachs der italienischen Winzer. Kein Wunder, die Familie Antinori ist Italiens größter Weinproduzent für Qualitätsweine. Mit dem einfachen Galestro und den Rotweinen "Santa Christina", "Chianti Classico", und "Tignanello" machen die Antinoris vor allem in den Vereinigten Staaten seit Jahren Kasse. Eine Erfolgsgeschichte.
Die Antinoris haben aber auch das Weingebiet Bolgheri und dort die hochpreisigen Marken "Ornellaia" und "Solaia" aufgebaut. Und zusammen mit Sassicaia (nicht in ihrem Besitz) den exzellenten Ruf der Gegend gefestigt. In Bolgheri werden heute die teuersten Weine Italiens gekeltert. Das ist in der Krise nicht unproblematisch.
Das Projekt "Biserno", in Bibbona, unterhalb von Bolgheri angesiedelt, gibt es schon seit einigen Jahren. Der Premiumwein gleichen Namens kommt aber erst in diesen Wochen auf den Markt und wird von den Weinhändlern nicht gerade sehnsüchtig erwartet: wieder ein weiterer Supertuscan, der sich derzeit schwer verkaufen lässt.
Der Il Pino di Biserno besteht aus viel Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot und ist ein leicht konsumierbarer, leckerer Zweitwein. Sicher besser, als viele Produkte dieser Region weil er lange Zeit das einzige Produkt des Weinguts war und eine Vorzeigefunktion innehatte. Ihm folgt nun der Erstwein Biserno, das lange Zeit unter Verschluss gehaltene Premiumprodukt des Hauses.
Der Captain durfte im Mai die erste Flasche Biserno trinken, die der Marchese außer Haus gab. Und der Captain musste schweigen. Bis heute.
Der Biserno ist ein mächtiger Rotwein, der aus Cabernet Franc, Merlot, Petit Verdot und Cabernet Sauvignon gekeltert wird. In der Nase riecht er fett nach Cassis, nach Himbeeren, nach Zimt, nach einer feuchten Kräuterwiese und freilich noch intensiv nach dem Toasting der neuen Fässer. Am Gaumen bleibt er cremig und ist nach kurzem Dekantieren überraschend schnell trinkbar. Ein klassisches Folgeprodukt für Solaia-Käufer, auch im Preis etwas darunter angesetzt. Der Captain sagt, den (teuren) Biserno kann man kaufen und zehn Jahre weglegen. Dann ist er ein sehr guter und immer noch mächtiger Rotwein. Trotzdem bleibt der Biserno ein Kunstprodukt aus einer anderen Epoche.
Pino di Biserno bei Wein & Co und Hinterecker. Der Biserno kommt erst in wenigen Tagen auf den Markt, es gibt nur knapp 9.000 Flaschen
Das Interview mit Lodovico Antinori wurde bei der Veranstaltung Wein am Berg in Sölden/Tirol gedreht.













Endlich mal ein Blick auf die andere Seite der Alpen. Italien war bisher definitiv unterrepräsentiert im Logbuch. Dabei haben wir hier doch genug Häfen zum anlegen. Es ist eine Freude, dem Marchese beim Weindiskurs zu zuschauen. Schöner Film mit einer spannenden Persönlichkeit der italienischen Weinwelt. Mehr davon!!