Barbe Nicole Clicquot, geborene Ponsardin (1777 bis 1866), war eine - wie es scheint - hässliche Frau. Dafür belohnten sie himmlische Mächte mit Reichtum und einem langem Leben. Sie war die Tochter reicher französischer Textilfabrikanten aus Reims und heiratete früh einen Weinhändler. Der nahm sich das Leben und so hatte die Witwe fortan die Geschäfte des Handels zu führen. Ohne jede Ausbildung.
Es wäre eine Geschichte wie viele, die Tilar Mazzeo in ihrem Buch "Veuve Clicquot: Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte" erzählt. Eine belanglose Geschichte vom Leben und Sterben im reichen, postrevolutionären Bürgertum. Doch dann ist da die Story mit den Briten. Und der Klimakatastrophe. Und dem Mönch namens Dom Pierre Pérignon.
Der Mönch soll den Champagner entdeckt haben. Stimmt so nicht, räumt Mazzeo mit der Legende auf, der Mönch hat bloß versucht, gegen die Bläschen im Wein zu kämpfen. Erfolglos.
Diese Bläschen waren Folge einer Abkühlung des regionalen Klimas der Champagne (und ganz Nordeuropas) Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Der bislang ungestörte Weinprozess wurde schwer gestört, die Weine entwickelten sich völlig anders, als all die Jahre zuvor. Eine wirtschaftliche Katastrophe. Dachte man. Irrtum.
Die Weine der Champagne landeten zumeist bei den Briten. Und die fanden die Perlen eigentlich ganz amüsant. Sie füllten den Wein von den Fässern in Flaschen und setzten so die Gärung noch einmal in Gang. Der Champagner war erfunden. Von den Briten. Nicht von Franzosen. Und schon gar nicht vom Mönch Dom Perignon.
Die Witwe erkannte das Potential des neuen Getränks und entwickelte die Rütteltechnik, die den Wein nach der zweiten Gärung von den Heferesten befreit. Diesen Weg zur Produktreife konnte Barbe Clicquot über Jahre zum Vorsprung nutzen, sie baute in politisch wirren Zeiten eines der größten Unternehmen Frankreichs auf und unterlief sogar napoleonische Handelsschranken gegen Russland.
Dass der damalige Champagner heute nur mehr als süße Plörre durchgehen würde (die Russen tranken das Zeug aufgezuckert bis zum Irrsinn), liegt auf der Hand. Der neue, trockene Champagnergeschmack ist eine Nachkriegsentwicklung.
Das geschichtlich und wirtschaftlich spannende Buch scheitert laut Meinung vieler Rezensenten an der privaten Biografie der Witwe. Da war nicht viel herauszufinden. Vielleicht war da auch nichts, denkt der Captain. Und macht sich an den Mittagstisch ins VAU, wo er weiterlesen wird. Derzeit hält er auf Seite 54. Pardon, auf Seite 55.
Tilar J. Mazzeo: Veuve Clicquot: Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte (Hoffmann & Campe) bei amazon und im Buchhandel.
PS: Ideales Weihnnachtsgeschenk.














Von Hundert auf Null, die alte Schachtel lockt keinen an die Tastatur.