Es ist wie immer. Da schwärmt der Captain aus, segelt durch die ganze Weinwelt (zugegeben: vor allem die europäische) und dann kommt er nach Monaten wieder in ein bekanntes Gebiet, das er seit Jahrzehnten gut (aber noch lange nicht perfekt) kennt. Und schon geht ihm das Herz auf, dem Captain. Er ist halt ein rührseliger Ösi.
Das Piemont, die Gegend um Barolo, Montforte, Alba und La Morra: Wo gibt es Schöneres? Das Fragezeichen muss weg, denn es war keine Frage. Der Captain duldet keine Gegenrede.
Aber er zeigt sich mild, denn ab einem gewissen Alter lebt jeder bärtige Seebär zumeist von seinen Erinnerungen. Und der Captain erinnert sich an so manchen piemonteser Keller, in dem er angelegt hat. Und an viele getrunkene Flaschen. Fünf der besten Erinnerungen will er der Mannschaft und den Mitseglern nicht vorenthalten.
Barolo Ciabot Mentin Ginestra 2004 von Domenico Clerico
Für den Captain das Ideal des neuen Barolo. Clerico ist ein Modernist, der Wein ist fett und dennoch elegant, vollmundig, trinkreif und trotzdem lagerfähig. Er hat alles, was ein perfekter Wein haben muss. In der Nase viel Kirsche und Minze, dann Gewürze. Der Captain riecht sogar Kreuzkümmel und Anis. Am Gaumen dramatisch lang, ein Weltklassesaft aus einem guten Jahr für lange Nächte bei sinnlosem Geschwätz.
- Mentin Ginestra 2004 für 64,80 Euro bei Weinpalais
Barolo Alborina 2000 von Elio Altare
Aus eineinhalb Hektar Lage keltert der Traditionalist Altare nur 5.000 Flaschen dieses Spitzenbarolo. Der Wein ist würziger und floraler, als andere Baroli. Auch der Abgang wirkt heller, ist also eleganter. Man merkt, dass Altare für diesen Wein hauptsächlich gebrauchte Fässer benutzt. Weiche, aber sehr präsente Tannine. Burgundischer Stil. Großartig.
- Alborina 2000 für 75,00 Euro bei Vanni
Barolo Rüncot 1998 von Elio Grasso
Ausgebaut im kleinen Barriquefass, der Rüncot ist ein Barolo modernen Stils. Und von Elio Grasso auch als solcher inzwischen am Markt etabliert. Wieder viel Weichsel, viel Rumtopf, süßer Tabak (Marlboro) und leicht bittere Schokolade in der Nase. Am Gaumen dann sehr zugänglich, die Erde spiegelnd (Kalk und Lehm) und dramatisch in Erinnerung bleibend. Der Captain weiß noch, dass er den Rüncot noch am nächsten Morgen, selbst nach dem zweiten Zähneputzen, in der Nase noch riechen und im Mund noch schmecken konnte. Eine schöne Halluzination.
- Rüncot 2004 (1998 ist ausverkauft) hat der Captain als Fassprobe verkostet. Kommt leider erst 2010 auf den Markt.
Barolo Le Rocche del Falletto 2003 von Bruno Giacosa
Eigentlich ein hässliches, rotes und in diesem Jahr weißes Etikett, man greift nicht gerne hin. Man fürchtet einen unentschlossenen Wein zwischen Tradition und Moderne. Keine Angst, Unentschlossenheit ist Giacosas Sache nicht.
Es rinnt ein dicker roter Saft, farblich in die Schwärze tendierend. Selbst Licht kann ihn kaum durchdringen. Dann doch ein Taditionalist? Eher schon, denn in die Nase kommt das Holz nicht als Hauptdarsteller. Und der 2004er Falletto ist der einzige Wein, der nach Trüffel riecht. Ehrlich. Zwei Fliegen mit einer Klappe.
- Rocche Falletti 2003 für 129,00 Euro bei Superiore
Barolo La Serra 2004 von Roberto Voerzio
Der teuerste Barolo in dieser Auflistung, noch dazu von einem umstrittenen Winzer. Roberto Voerzio verließ früh das elterliche Weingut und machte sich selbstständig. Ein Dickkopf, wie man in La Morra hört. Also durchaus symphatisch.
Sein 2004er La Serra duftet intensiv nach Heidelbeeren und (schon wieder) Weichsel, dann nach Kaffee und dunklem Tabak. Weiters Gewürze, etwas Curry, etwas Minze, etwas Distel, etwas Studentenfutter, etwas Gummireifen und auch noch Teer. Das langt ja.
Und das erzählt, wie Voerzio seine Weine anlegt: kräftig, elegant und vor allem vielschichtig. Großartig, wie der Mann seinen Boden kennt. Und was er rausholen kann.
Am Gaumen mehr Eeleganz als Wucht, also eher wieder hochklassiger, burgundischer Stil. Und wieder viel gebrauchte Fässer. Toll. Ganz groß. Danke.
- Wein von Voerzio bei Weinunion. Der 2004er La Serra ist leider nicht darunter
Der Captain empfiehlt seinen Matrosen außerdem auch einmal einen Blick auf andere italienische Weine zu werfen.







Seufz! Schönes Land... 





Gault Millau vor dem Aus ?
ein Jahr nach dem Rückzug von Michelin dürfte auch bald das Ende des österreichischen Gault Millau vor der Tür stehen.
"man braucht keine Hauben zum Überleben" - Originalzitat vom 15.Nov. 2009 der Chefredakteurin der österreichischen Ausgabe - "ist dies ein Hinweis auf den vorzeitigen Rückzug ? "
zahlreiche Irritationen des aktuellen Telefonverzeichnisses untermauern möglicherweise diese These - aber Österreich ist ja bekannt für Klein-Krämerei - schlag nach bei captain cork ....