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2010: Riesige Rieslinge vom Riesen

niewozwei
Niewo, ein Baum von Mann, nascht vom eigenen Weinberg.
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Es geht weiter. Der Captain trinkt zwei Rieslinge von einem Weinmacher, der als sichere Bank gilt. Doch schafft Roman Niewodniczanski auch das Arschjahr für sich zu nutzen? Und den Captain endgültig umzudrehen?
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Letzte Woche habe ich über drei Ausnahmeweine aus dem Ausnahmejahr 2010 berichtet; ein Jahr, das die Winzer eine der schwierigsten Ernten der letzten 20 Jahre einfahren ließ. Mieses Wetter und viele Krankheiten, hohe Säure und wenig Ertrag – manchmal zum Verzweifeln.

Wer allerdings die Balance zwischen Säure und Zucker in den Griff bekam, wer seine Trauben lange hängen und reifen ließ (die Angstfreien also), der konnte ein paar der interessantesten Weine keltern, die in Deutschland je vom Fass in die Flasche gebracht wurden. Freilich sind das nur wenige.

Ein Weinmacher und Weingutsbesitzer, der das Jahr 2010 mit Bravour gemeistert hat, ist Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem. Niewodniczanski, wegen der Unaussprechlichkeit seines Nachnamens in Journalistenkreisen kurz „Niewo“ gerufen, ist ein baumlanger, gutaussehender Mittvierziger und wahrscheinlich der einzige Mann Deutschlands, dem ein Haarzopf passt. Niewodniczanski spricht in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und kann sich leicht in Rage reden, wenn ihn etwas bewegt. Und Niewodniczanski bewegt viel, nicht nur der Weinbau.

Der Drang, sich mitzuteilen

Dieser Drang sich mitzuteilen, dieses Streben nach Aufmerksamkeit und Verwirklichung, nährt sich auch aus seiner nicht immer einfachen Familiengeschichte. Niewodniczanski kommt aus einer großen Getränkedynastie (Bitburger, Geroldsteiner) und bezeichnet sich selbst als das schwarze Schaf der Familie. Anfang 2000 bat er seinen Vater um ein Darlehen für den Kauf eines Weinguts an der Saar.

Hier kelterte zwar Egon Müller, der damals und heute berühmteste aller Rieslingwinzer, sonst aber lag die Region seit Jahrzehnten danieder. Mit Weinbau an der Saar, zudem kompliziert und sehr wetterabhängig, sei wohl nicht viel Geld zu machen, dachte die Familie. Roman Niewodniczanski bekam trotzdem sein Geld. Und hat es heute längst zurückgezahlt.

Reich wird man mit Weinbau an Mosel und Saar nur in den seltensten Fällen. Doch glücklich, so scheint es, kann man werden. Niewodniczanski scheint sehr glücklich zu sein. Mit seinem kurzen aber auf Anhieb gelungenem Lebenswerk.

Teuer? Mag sein. Doch eigentlich nicht teuer genug

Ein Teil dieses Lebenswerks ist der Riesling Grosses Gewächs aus der Lage Scharzhofberger Pergentsknopp. Der Scharzhofberg ist die berühmteste Rieslinglage der Welt. Mineralisch, steil, nach Süden ausgerichtet und mit einem geschmacksbildenden Mikroklima gesegnet – die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind hier höher, als anderswo in der Region. Das bringt sehr finessenreiche Rieslinge, mehr nobel, als elegant.

Der Pergentsknopp 2010 riecht nach tropischen Früchten, nach Ananas, frischer Mango, nach grüner Banane und auch nach klein gewürfeltem Zitronengras. Danach folgt der salzige Ton der hohen Mineralität, nasser Stein, der in der Sonne trocknet. Diese Mineralität bringt den hohen Zucker unter Kontrolle. Der Pergentsknopp ist ein feinherber, extrem fruchtiger Riesling mit enormer Länge und außergewöhnlicher Vielschichtigkeit. Ein Referenzwein für deutschen Riesling der Oberklasse. Und der bisher beste Riesling aus 2010, den ich getrunken habe.

Freilich kostet diese Perfektion Geld. Doch wer sich am verglichen hohen Preis stört, der soll sich vor Augen rufen, wie viel Geld Premiumweine im Rest der Welt kosten. In Deutschland hingegen bekommt man große Handwerkskunst und ein Aushängeschild für den Preis eines Liter Motorenöls.

Weniger Frucht, mehr Mineralität

Grandios auch Niewodniczanskis Riesling Kanzemer Altenberg Alte Reben Großes Gewächs aus 2010. In der Nase etwas weniger Frucht, dafür eine hohe, fast stechende, aber perfekt balancierte Mineralität, gepaart mit Druck und Kraft, der den Altenberg noch lagerfähiger erscheinen lässt, als den Pergentsknopp. Und mit lagerfähig meine ich dreißig Jahre und mehr.

Großartig auch im Mund und im hinteren Gaumen. Wieder Mango, etwas Cassis sogar, dann fast ein Longdrink, wäre da nicht das mineralische Korsett, das dem Wein eine stahlige Schärfe gibt. Weniger Würze als der Pergentsknopp. Dafür mehr Kraft. Zwei wunderbare Weine aus einem schwierigen Jahr. Applaus!

 


 

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