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2010: „Arschjahr“ reloaded

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Der Captain hat gesagt, dass 2010 ein "Arschjahr" ist. Und wenn er sich die offiziellen Darstellungen durchliest, dann steht da auch nichts anderes drin. Man muss nur zwischen den Zeilen lesen.

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2010 = Arschjahr. Selten hat der Captain so viele Ohrfeigen für einen Artikel bekommen. Selbst von der eigenen Mannschaft, die es gerne gesehen hätte, dass sich der Captain nicht so vorschnell äußert. „Was kann man jetzt schon wissen?“, rief der Erste Offizier. Grün vor Wut. Nun, damals konnte man noch wenig wissen. Eigentlich nichts. Des Captains Urteil fußte bloß auf seinen Beobachtungen. 2010 war noch schlechter als 2008. Ein kaltes Frühjahr, ein regnerischer Herbst, Fäulnis und andere Krankheiten. Nur die letzten paar Tage Sonne im Oktober haben den meisten deutschen Winzern die Ernte gerettet. Die zudem sehr niedrig ausfiel. Das kann man schon ein „Arschjahr“ nennen.

Jahr des Handwerks

2010, so meint der Captain, wird das Jahr des Handwerks. Und das Jahr der Kellertechnik. Da soll man sich nichts vormachen. Und 2010 wird, wie 2008, das Jahr der schnell zu trinkenden und einigermaßen vergnüglichen kleinen Weine. Und es wird ein paar sehr gute, nahezu brillante Spätlesen und Auslesen geben. Und auch ein paar Überraschungen, was die Rotweine betrifft. Die deutschen Rotweine wohlgemerkt.

Denn 2010 war nur in wenigen Weltweingegenden ein richtig gutes Jahr. Leider in keiner deutschen. Ganz sicher im Bordelais und in Südwestfrankreich. Auch an der Rhône und in Teilen der Burgund. Sonst sieht es düster aus.

2010 sollte deshalb meistens recht schnell geleert werden. So wie die einfachen Gutsrieslinge und Silvaner aus 2008, die der Captain jetzt aus dem Schiffsbauch holt und schnell wegtrinkt. Am Samstag beispielsweise einen Saarriesling von Van Volxem. Sehr fein. Aber eben schon am Punkt. Da kommt nicht mehr viel. Austrinken, fertig. Das gilt nicht für die Großen Gewächse aus 2008. Die haben noch ein paar Jahre Zeit. Aber auch nicht allzu lange.

Wut auf den Captain

Die Wut auf den Captain war groß. 2010 derart in den Keller zu schreiben, ist eigentlich ein Unding. Will der Captain den Winzern in den Rücken fallen? Warum macht er das, wo er sich doch sonst so oft nur positiv über die Leistungen deutscher Winzer äußert? So positiv, dass man ihn sogar einen Nationalisten heißt.

Nun, er tut das, weil er nicht nur der Captain der Winzer, sondern vor allem der Captain der Konsumenten ist. Ganz anders, als viele andere professionelle Weinblogger, die ihren Lebensunterhalt mit Verkostungen und den daraus resultierenden Verkostungsgeldern verdienen. Diese „Experten“ müssen selbstredend befangen sein, sie sind ja von den Geldern der Winzer abhängig. Deswegen müssen sie vorbehaltslos über das „Arschjahr“ 2010 jubeln, müssen von einen „dann doch noch fantastischen Jahrgang“ sprechen, der 2010 sicher nicht war.

Wir werden uns über die Ausnahmen freuen. Und die Ausnahmen werden auch nicht so selten sein, wie der Captain anfangs befürchtet hat. Auch was der Captain in verschiedenen Kellern bereits gekostet hat, war oft guter Wein. Sein Kollege Dirk Würtz bestätigt das. Und der hat generell eine viel bessere Prognose für 2010 parat.

Captains Verantwortung

Doch das alles entlässt den Captain nicht aus der Verantwortung, den meisten Matrosen zu sagen, dass sie diese wenigen guten Weine kaum zu trinken bekommen werden. Denn dafür ist zu wenig Menge da. Schon deswegen darf man 2010 getrost ein „Arschjahr“ nennen. Aber kein katastrophales Jahr. Knapp vorbei.

Und wenn man dann die Jahrgangsbeurteilung des Deutschen Weininstitutes (DWI) durchliest (die freilich nicht so einfach zu finden ist), dann kommen viele Sätze und Satzteile dem Begriff „Arschjahr“ schon sehr nahe. Natürlich gut versteckt und verklausuliert. Denn das DWI wird den Jahrgang mit Sicherheit wohlwollend beurteilen. Dazu ist das DWI ja da.

Da ist dann – wie immer – von „trinkfreudigen Weinen“ (Region Baden) die Rede. Und weiter: „Nach kühlen Nächten prägen Frische, Frucht und Brillanz den Jahrgang mehr als Kraft, Schmelz und Alkohol.“ Heißt Klartext: einfache und säurebetonte Weine, deren Säure man irgendwie in den Griff bekommen hat, die zudem gerade noch ausreichend Frucht besitzen, um eine kurze Zeit lang vergnüglich zu wirken. Trotzdem wird der Jahrgang vom DWI mit dem Prädikat „gut bis sehr gut“ ausgezeichnet. Der Captain fragt sich, wann das DWI beginnt, von einem mittelmäßigen Jahrgang zu sprechen? Wenn Hagelkörner groß wie Töpfe fallen?

Trotzdem ein gutes Jahr

Im ganzen Bericht liest man laufend Sätze wie: „Der für die Reben insgesamt ungünstige Wetterverlauf dieses Jahres bescherte Winzern und Kellermeistern an der Mosel in diesem Herbst besondere Herausforderungen.“ Trotzdem ein sehr gutes Jahr.

Oder: „Spätfröste verursachten bei einigen Sorten Frostschäden, in frühen Lagen verlief die Rebblüte schlechter als in später blühenden Lagen.“ Trotzdem ein sehr gutes Jahr.

Oder: „Mit noch akzeptablen Erträgen und guten Mostgewichten präsentieren sich vor allem Dornfelder und die Burgundersorten. Jahrgangsprägend für alle Sorten ist die frische Fruchtsäure.“ Aha, frische Fruchtsäure. Kling gut, heißt aber bloß wenig Druck im Mund. Trotzdem ein sehr gutes Jahr.

Und wieder, diesmal für die Pfalz: „Es dominieren jedoch rassige, spritzige und frische Weißweine. Sie werden sich nach Ansicht der Fachleute nicht durch Kraft und Schmelz, sondern durch Frische, Frucht und Brillanz auszeichnen.“ Die Übersetzung kann sich der Captain schenken.

Trotzdem ein Arschjahr

2010 war ein Arschjahr. Ein paar – gar nicht so wenige – gute, mitunter sogar hervorragende Weine, werden den Jahrgang (wie 2008) nicht vor einer bestenfalls mittelmäßigen Spätbeurteilung retten können. Es ist ausschließlich dem Können der Winzer zu verdanken, dass es diese guten Weine überhaupt gibt. Mitte der Siebziger Jahre (auch viele Arschjahre) hätte das Ergebnis dieser Ernte noch anders ausgesehen.

Man kann bei der Wahrheit bleiben. Man kann stolz sein, dass man den Widrigkeiten trotzt. Und man kann den Matrosen, den Konsumenten, ruhig sagen, dass 2010 nur wenig Wein da sein wird. Zudem noch Wein, der nicht so schmeckt, wie die Jahre davor, die von viel Sonne (Ausnahme 2008) und der Klimaerwärmung geprägt waren. Und man soll auch sagen, dass dieser Wein teurer sein wird, als der bessere 2009er. Teurer, weil es kaum guten Wein gibt.

Unabhängig

Der Captain kann das alles sagen, weil er unabhängig ist und sein Portal ausschließlich über Werbung finanziert. So genannte unabhängige Weinblogger, die Verkostungsgeld verlangen, sind aus diesem Grund keine gute Quelle. Sie können noch so viele Fachbücher auswendig gelernt haben, man sollte ihnen keinen Glauben schenken.

Und wer die offizielle Beurteilung des DWI liest, der kann zwischen den Zeilen lesen: 2010 war ein Arschjahr. Es wird gute Weine geben. Sie werden mehr kosten. Und der Captain und seine Maate werden voll Lob und Überschwang über diese Weine und ihre Winzer berichten. So, wie sie es mit den Weinen des Jahres 2008 gemacht haben. Ein „Arschjahr“? Das kann so manchen Winzer nicht erschüttern.

Zum Nachlesen hier der Bericht des DWI als PDF.

 


Datum: 1.3.2011 (Update 21.3.2011)
 

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